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Johann Schögler in memoriam

Bloged in Allgemein by friedi Freitag November 4, 2016

Wie groß die Lücke in der linken Szene ist, die der Tod Johanns hinterlässt, kann aus den Nachrufen nur grob nachempfunden werden – anbei eine Zusammenstellung einiger der Gedenkschreiben.

Trauer um Johann Schögler

KPÖ

AktiveArbeitslose

Nachruf

Johann Schögler hat uns für immer verlassen

Am 29. Oktober ist Johann nach schwerer Krankheit verstorben.

Wir verlieren mit ihm zweifellos unser aktivstes Mitglied. Es ist schlichtweg unvorstellbar, Johann bei der nächsten Kundgebung oder Demonstration nicht mehr mit Mikrophon oder Megaphon in der Hand im Zentrum des Geschehens zu erleben.

Seine Stimme „Dies ist eine Kundgebung der Friedensplattform“ klingt uns noch in den Ohren nach. Auf diese Einleitung folgten fundierte Analysen der politischen Weltlage, frei und locker gesprochen und einen Beweis für sein umfassendes Wissen liefernd.

Ich kann mich nicht erinnern, dass Johann bei einer Kundgebung verhindert oder auch nur unpünktlich gewesen wäre.

Die politische Arbeit und der Einsatz für eine friedlichere und gerechtere Welt

waren für ihn zentrale Werte im Leben.

Neben seiner Tätigkeit als AHS-Lehrer nahm er sich sehr viel Zeit für das Lesen und Recherchieren von politischen Fakten- abseits vom Mainstream.

Johann war nicht nur treibende Kraft bei der Gründung der Steirischen Friedensplattform 2001, er war Mitgestalter bei den Sozialforen und Mitbegründer des Vereins „Linke Steiermark“. Er hat für viele Aktivitäten Verantwortung übernommen, den roten Faden gehalten, die organisatorischen Strukturen gepflegt und für Kontinuität gesorgt.

Jede Woche kümmerte er sich darum, dass zahlreiche kritische Artikel als „Linke Woche“ im Internet erscheinen konnten.

Unendlich viele Treffen im Rahmen der Sozialen Bewegungen wurden von Johann initiiert und besucht. Das Sozialforum in Graz und viele andere Sozialforen weltweit hat er unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ mitgestaltet.

Zuletzt war Johann auch bei der neuen Gruppierung „Aufbruch“ aktiv,

brachte sich kritisch ein und verfasste Protokolle.

So viele Diskussionsveranstaltungen sind mir in Erinnerung, die Johann mit seinen kritischen Fragen und Beiträgen bereichert hat.

Beim Verfassen von Flugblättern und anderen Texten hat Johann immer wieder die Initiative ergriffen und komplizierte Sachverhalte auf den Punkt gebracht.

Für Meinungen anderer blieb er dabei stets offen und ermutigte uns zur aktiven Teilnahme.

Johann war jedoch nicht bereit, Kompromisse in der Art einzugehen, dass er

sich einer Partei angeschlossen hätte. Zu wichtig war ihm seine individuelle Auslegung der Dinge.

Johann war einfach eine Institution für sich in der alternativen politischen Szene in Graz.

Sein Optimismus und seine Initiative haben uns jahrelang beflügelt, und er wird uns unendlich fehlen. Seine unbedingte Solidarität mit Befreiungsbewegungen weltweit und sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Freiheit bleiben uns Erinnerung und Ansporn für die Zukunft.

Wir sind ihm dankbar für Vieles, das wir von ihm lernen konnten.

4.11.2016, Steirische Friedensplattform

Johann in Aktion

Johann in Aktion

 

…. ein paar persönliche Worte zum Tod von Genossen Johann Schögler

GenossInnen,

wie ihr wisst, ist unser Genosse Johann Schögler an den Spätfolgen einer schweren Verletzung am Auge, die ihm eine Tränengasgranate der französischen Polizei bei einer Demonstration beigebracht hat, gestorben. Er starb somit letztlich aus politischen Gründen.

Für mich war Johann ein unermüdlicher, unerschrockener Kämpfer gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Sein ganzes Leben lang. Er hatte etwas von einer Lokomotive des Revolutionszuges an sich. Er hat unzählige Analysen, Berichte, Texte, Artikel geschrieben und teilweise aus dem Französischen übersetzt, damit wir im deutschsprachigen Raum besser verstehen können, was in Frankreich diskutiert und wofür gekämpft wird. Einige davon durfte ich selbst redigieren und weiterverbreiten. Ich habe immer wieder versucht, ein bisschen an den Formulierungen zu schleifen um die manchmal recht knorrige Sprache etwas lesbarer zu machen. Das hat vermutlich mit seiner Zweisprachigkeit zu tun, Teile seines Lebens hat Johann in Frankreich gelebt. Unzählige Referate, Vorträge, Statements hat Johann organisiert, ReferentInnen und DiskutantInnen eingeladen und sich auch immer wieder selbst zu Wort gemeldet, gefragt und oft auch ungefragt. Johann waren Verstehen, Analyse, über Grenzen hinweg, Verbreitung von Ideen, Aufklärung im kleinen Kreis und für die vielen Menschen immer wichtig. Er hat dafür sehr vieles getan. Unter anderem wurde von ihm die „Linke Woche“ initiiert, eine wöchentlich aktualisierte Homepage (http://www.linkewoche.at/ ). Zu deren regelmäßiger Herausgabe hat er wohl am meisten Arbeit beigesteuert. Es handelt sich um eine Zusammenschau Dutzender linker online-Publikationen, nach Themen sortiert. Inzwischen sind 314 Ausgaben dieser Homepage erschienen, das allein sind hochgerechnet 6 Jahre kontinuierlicher politischer Aufklärungs- und Informationsarbeit. Die „Linke Woche“ ist kein Zufallsprodukt von Johann. Sie zeigt eine seiner Methoden: Zusammenschau, sich bewusst zu machen, dass Viele analysieren, berichten, Strategien überlegen, Erfahrungen machen und diese zueinander in Beziehung setzen, diese würdigen, einander ergänzen, die unterschiedlichen Informationen und Beiträge verarbeiten und weitergeben. Ihm war immer wichtig, sich aufeinander zu beziehen und sich als kollektive Kraft zu begreifen, auch wenn die unterschiedlichen Bewegungen und Organisationen oft nichts oder wenig voneinander wussten, sich teilweise sogar ignorierten oder sich gar in gegenseitige Konkurrenz verstrickten. Was ist das Verbindende, das hat Johann in den Vordergrund gestellt, was bringt die Bewegungen voran, was bringt langfristigen nachhaltigen Erfolg?

 

Johann war aber keiner, der sich nur auf die Theorie, Schulungen und Propaganda beschränkt hätte. Sein hauptsächliches Engagement galt der Praxis, den realen Menschen, ihren Interessen, den sozialen und politischen Bewegungen. Wie viele Male hat er wohl die Menschen zusammengetrommelt, um gegen Missstände, für bestimmte Forderungen, für internationale Solidarität, bessere Arbeitsbedingungen in den Schulen usw. zu demonstrieren, zu kämpfen? Hunderte Versammlungen, Diskussionen, Kundgebungen, Demonstrationen, Aktionen, auch Streiks hat Johann maßgeblich organisiert, und ich sah ihn immer in der ersten Reihe, wenn es um den Kampf gegen Rassismus, gegen Diktaturen, für politisch Verfolgte, für die Rechte der Arbeitenden Klasse, der Frauen, der Jugend, von Minderheiten, oder wenn es gegen rechte Demagogen, gegen Sozialabbau, für eine ausreichende Finanzierung des öffentlichen Bildungssystems und gute Arbeitsbedingungen für die darin Tätigen (Johann war Lehrer), für den Schutz der Umwelt oder für internationale Solidarität ging. Auf ihn war stets Verlass, wenn es um die Organisation der österreichischen Sozialforen, der sozialen Protestbewegung in der Steiermark oder um die Vorbereitung der europäischen- und Weltsozialforen ging. Ja, in der ersten Reihe fanden wir ihn immer, er ging keiner Arbeit aus dem Wege, war sich für nichts zu schade.

 

Gleichzeitig war Johann völlig uneitel. Johann ging es nie um seine Person, sondern um die Anliegen, um die Menschen. Er hat einige Höhepunkte der sozialen Bewegungen miterlebt und mitgestaltet, von den Barrikaden des Mai 68 in Frankreich bis hin zu den massenhaften Protesten gegen Sozialabbau in der Steiermark. Und er hat auch die Tiefpunkte, die Niederlagen und langen Durststrecken immer als politischer Aktivist durchschritten. So sehr Johann auf die Spontaneität der Bewegungen setzte und völlig unsektierisch alles tat, um sie – gemeinsam mit GenossInnen und Freunden unterschiedlicher politischer Strömungen – aktiv zu unterstützen, so klar hat Johann auch daran gearbeitet und eingefordert: Die Bewegungen brauchen auch ein organisiertes Gedächtnis, eine dauerhafte Kraft, die unabhängig vom Auf- und Ab der Bewegungen lernt, Erfahrungen verarbeitet und diskutiert, eine Art „kollektives Gedächtnis“ leistet, zersplitterte Bewegungen verbindet und versucht, gegenseitige Solidarität zu initiieren, selbst nach Kräften Solidarität organisiert und dazu Beiträge leistet. Vor allem dürfen die Bewegungen nicht als lokal oder national beschränkte begriffen und diesen Beschränkungen überlassen werden. Johann hat sich immer dafür eingesetzt, sie mit anderen Bewegungen und Widerstände zu verknüpfen, international zu begreifen und miteinander in Beziehung setzen – so schwierig das auch jeweils sein mochte. Und auch der Aufbau von Kontinuität im Engagement war ihm ein zentrales Anliegen. So war er maßgeblich an der Gründung und am Aufbau der „Linke Steiermark“ beteiligt. Ebenso kann ich mich gut erinnern, dass er als einer der Aktiven, die das Österreichische Sozialforum in Graz organisiert haben, bei den Vorbereitungstreffen für das nächste Sozialforum die Weitergabe der Erfahrung und praktische Unterstützung des Grazer Komitees angeboten hat. Es ging ihm, wie an diesem Beispiel ersichtlich wird, vor allem um die Weitergabe von Verantwortung, Wissen und Erfahrung, gleichzeitig auch um die Ermutigung anderer, selbst aktiv zu werden und die Organisation der praktischen Unterstützung dafür. Und auch darum, dem Widerstand und den sozialen Bewegungen dauerhafte Instrumente zu schmieden, darum, dass nicht nur geredet, spontan protestiert wird, Protest- und Widerstandsbewegungen aufblühen, sondern dass sie auch Wirkung entfalten, etwas durchsetzen, dass die Erfahrungen daraus weiterleben und in den nächsten Wellen und Generationen weiter genutzt werden können, ohne dass bittere Erfahrungen immer wiederholt werden müssen. Dass einzeln und kollektiv Verantwortung übernommen, gemeinsam geplant und Aktionen vorbereitet und umgesetzt werden, gemeinsam auch die gewonnenen Erfahrungen ins Bewußtsein geholt und verarbeitet werden, damit Konsequenzen für die künftige Arbeitsweise gezogen werden. Lessons learned, im Sinne von: Wie machen wir das in Zukunft auf intelligente Weise? Der Dreischritt: Sehen – urteilen – handeln als Entwicklungsspirale, voneinander und miteinander lernen, in einem verbindlichen, kollektiven Sinne. Organisation eben, transparente, solidarische, demokratische, lebendige Organisation, und auch: Selbstverpflichtung und Verbindlichkeit leben. Praktische Solidarität. In einem Gespräch in Leoben hat mir Johann einmal erklärt, dass eine revolutionäre Organisation nicht dadurch entsteht, indem man in Zeiten der Flaute der Bewegung (und davon haben wir in Österreich wohl genügend!!!) fleißig diskutiert und schult, so wichtig das auch ist. Johann war zwar immer ein Freund von Schulungen, Vorträgen, Diskussionen. Aber ihm war das bei Weitem nicht genug! Er hat mir eindringlich erklärt, wie wichtig es ist, dass die AktivistInnen in der praktischen Aktion, immer wieder und wieder, Erfahrungen sammeln, wie die Menschen denken, wie sich bestimmte Aktionsformen bewähren – oder auch nicht – wie man Interessen und Proteste organisiert und dass in stetiger Erprobung in der Praxis die erforderlichen Instrumente für die Umgestaltung der Welt entwickelt werden müssen.

Johann, du warst uns in vielem ein leuchtendes Vorbild! Und du warst auch ein Mensch wie wir, mit allen Beschränkungen, mit denen wir es eben auch zu tun haben. Manchmal hat mich die Knorrigkeit deiner Sprache gestört, manchmal hast du zum Argumentieren auch eher zum Holzhammer gegriffen, wenn du etwas deutlich machen wolltest. Das und vieles andere war nicht immer nach meinem Geschmack, war mir manchmal auch nicht sensibel genug. Ich habe auch leider sehr wenig über dich als Person, als Privatmensch, erfahren. Von dir hast du fast gar nicht gesprochen. Dir ging es immer um die Sache, um die Anliegen der vielen Menschen. Und du warst immer geradeheraus. Was du gesagt hast, das hast du auch gemeint und es war immer Verlass auf dich. Und du warst weitblickend! Jammern war dir fremd. Anpacken dessen, was Not tut, war deine Art. Kräftig, klar und beharrlich!

Johann, dein Tod reißt eine große Lücke in unsere Reihen. Wir könnten verzagen und uns sagen: Wenn so ein toller, engagierter, energievoller und beharrlicher Mensch wie Johann stirbt, welches Recht habe ich denn, der ich viel weniger geleistet habe, weiterzuleben? Wir könnten uns aber auch fragen: Was war gut von dem, was Johann getan, wofür er sich eingesetzt hat, ein Leben lang? Wie könnten wir sein Engagement und sein Andenken ehren, wie könnten wir die Ziele, für die er sich eingesetzt hat, weiterführen, damit er weiterlebt in unserem Gedenken und Engagement, in den Bewegungen?! Einzeln, kollektiv und gemeinsam.

Es lebe die Solidarität! Es lebe die internationale Solidarität!

Wilfried 4.11.2016

Ein paar Gedanken von mir:

Johann habe ich erst vor ein paar Jahren persönlich kennengelernt, im Widerstand gegen TTIP & CETA.
Attac Graz und LINKEstmk hat sich dabei oft den Infostand geteilt.
Wahrgenommen habe ich Johann dabei immer als FIX.
Fix – verlässlich
Fix – immer mit 100 Prozent bei der Sache
Fix – direkt: bei seinen Ansprachen am wohl für ihn „legendären“ Ort Hauptplatz/Ecke Sporgasse,
aber auch bei den unzähligen Organisationstreffen
Fix – respektvoll: im Umgang mit der Bevölkerung bei Kundgebungen,
aber auch mit den jungen AktivistInnen, welche teilweise Johann’s Enkelkinder sein könnten

Johann hat mir das Gefühl vermitteln können, dass es sinnvoll und wichtig ist, was wir aktivistisch gemacht haben.
Trotz multipler Krisen mit immer größeren globalen Auswirkungen:
Johann’s Optimismus – nie naiv oder klein, sondern echt und bewundernswert.

Johann ist einer, der seinen Handlungsspielraum nicht nur erkannt, sondern auch voll ausgenutzt hat.
Das finde ich zukunftsweisend.

Noch 2 Bilder, die ich herausgesucht habe, wohl meine Lieblingsbilder

Johann

Juni, 2016; Photo: Karin

Johann

Dezember 2014 Photo: Karin

Beste Grüße

Karin Schuster

 

Kommentare	»
  1. Je viens d’apprendre ce jour la mort de Johann ; j’étais un jeune militant novice de la LCR lorsque à la fin des années 70 je l’ai connu à Creil où il résidait avant d’être expulsé de France pour „acivités politiques ! “
    Je suis désolé de ne pouvoir m’exprimer en allemand, et mon anglais ne saurait traduire mon émotion !
    J‘ ai pensé que son engagement était resté intense et c’est ainsi que je suis tombé par hasard, et grâce à Internet, sur votre site !
    Ce fut un réel plaisir de travailler avec Johann tant il était respectueux des autres et combien il savait militer tout en gardant son autonomie et sa liberté de penser !
    c’est grâce à lui que j’ai un peu abordé la revue Quel Corps, mais aussi Bourdieux.
    Voilà quelques mots, modestes au demeurant, tant ils ne savent pas toujours traduire l’émotion et les sentiments……….

    “ Adieu camarade, adieu noble coeur “ !
    Une pensée à sa douce, son fils et à vous qui l’avez connu dans son quotidien !

    Trackback by DANIEL 14. April 2017 13:50

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