Warum braucht die EU unbedingt den Russlandkonflikt?
Die Mehrheit der europäischen Bevölkerung will keinen Krieg. Die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung sind gegen Krieg und Aufrüstung. Die Mehrheit der Österreicher sind für Neutralität. Die Realpolitik weist jedoch in eine andere Richtung.
Anscheinend brauchen die westlichen Eliten aber unbedingt den Konflikt mit Russland – daher gibt es nur einseitige Berichterstattung über die Ukraine. Daher gibt es die Zensur russischer Medien. Die Menschen im Westen sollen nicht über die Vorgänge im russischen Gebiet informiert werden – und schon gar nicht die Meinung der Menschen im Donbas erfahren. Diess Verschweigen erfolgt auch oder gerade durch die öffentlich rechtlichen Medien.
Angriffe Russlands auf die Ukraine werden dramatisch berichtet – Angriffe der Ukraine auf Russland eher verharmlost. Nun rückt noch in Ö1 die Vorsitzende des EU Sicherheits- und Verteidigungsausschusses Agnes Strack-Zimmerman aus um die Meinung der Österreicher in Richtung Krieg zu forcieren.
Die Begrüßungsworte Strack-Zimmermanns auf der Home-Page des Europäischen Parlaments lauten:
‚Russlands unprovozierter und rechtswidriger Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Europa wachgerüttelt und deutlich gemacht, dass es dringend notwendig ist, die europäische Verteidigung „wiederzubeleben“ und bei den seit über 30 Jahren rückläufigen Investitionen und der Vernachlässigung der europäischen Verteidigungskapazitäten „den Schalter wieder umzulegen“.‘ (SED)
Kein Wort vom Bürgerkrieg im Donbass, kein Wort von der NATO-Osterweiterung, kein Wort, dass sich Lugansk und Donezk als autonom erklärt und die Aufnahme in die Russische Föderation beantragt haben. Auch kein Wort, dass diese autonomen Teilrepubliken die Russische Föderation um Hilfe gebeten haben, gegen die ukrainischen Nationalisten.
Nein! Russland – oder ev. sogar der böse Putin persönlich – ist aufgewacht und hat sich gedacht „heute überfallen wir die Ukraine“. Der Putin ist ja so.
Und natürlich kein Wort davon, dass die EU Verhandlungen mit dem Ziel einer Konfliktlösung durch friedliche Mitteln anstreben würde.
Die Ö1-Sprecherin leitet das Interview im Ö1-Morgenjournal mit den Verweis auf die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik mit den Worten „Die größte Bedrohung für die EU ist Russland“ (Ö1, Morgenjournal, 12.9.2026, 7:09) ein.
Nicht die Inflation, nicht der Energiepreis, nicht der sinkende Wohlstand, nicht die beginnende Deindustrialisierung, nicht die aggressiver Politik der USA – nein! Russland ist die Bedrohung!
Diese Darstellung der Weltlage scheint bei den meisten Menschen auch auf fruchtbaren Boden zu fallen – selbst wenn die Fakten in eine andere Richtung weisen. Aber anscheinend sind doch noch zu wenige Menschen auf Kriegskurs – und noch hängen in Österreich zu viele an der Neutralität. Da hilft auch das Buch „Überfall“ des Experten Gady nichts. Daher muss nun die EU-Vorsitzende her, um die Bedrohung vor dem Russischen Bären eindringlich zu vermitteln (die EU-Rüstungsindustrie verdient ja noch nicht genug).
Um es gleich vorweg zu sagen: Ja! Der Krieg in der Ukraine schadet Europa gewaltig – aber nicht durch Russland, sondern durch die europäische Politik. Die Sanktionen sollten den Krieg beenden – haben jedoch Europa mehr geschadet als Russland. Sie haben Europa von seinem Absatzmarkt abgeschnitten. Ein Angriff Russlands auf einen westeuropäischen Staat ist ein im Westen erfundenes Narrativ. Gerade Putin war, etwa Deutschland gegenüber, sehr wohl gesonnen. Die Wirtschaftsbeziehungen waren bestens. Nun haben sich die Beziehungen radikal verschlechtert – aber durch die politischen Vorgängen in der EU und in Deutschland. Russland ist nun ausgegrenzt. Trotz dessen ist ein Überfall Russlands auf einen westlichen Staat nicht sehr wahrscheinlich.
Strack-Zimmermann antwortet auf die Frage, wie hoch denn die Wahrscheinlichkeit für eine militärische Auseinandersetzung sei wie folgt:
„Wenn es nach uns geht: gar nicht. Wir können aber nicht ausschließen, dass Putin das mal versucht an einem Staat mal so einen leichten Übergriff zu versuchen um zu kucken, wie weit wir bereit sind – die anderen Länder“ (Ö1, Morgenjournal, 12.9.2026, 7:09)
Ja so friedlich ist der Westen. Solange sich die NATO ohne Krieg nach Osten ausdehnen kann, gibt es keine Probleme. Aber falls der Ausdehnung Widerstand entgegengesetzt wird, müssen wir – der Westen – leider hart und unerbittlich zuschlagen. Wir verteidigen uns dann ja nur gegen einen bösen Aggressor. Das Beispiel Ukraine zeigt ja wie das geht.
Nach Strack-Zimmermann muss man auch auf den hybriden Krieg, den Russland angeblich gegen die EU führt, ganz hart Reagieren. Die friedliche EU kennt unter der Beratung von Strack-Zimmermann immer nur einen Weg: Hart reagieren – sprich eskalieren. Der Russe versteht ja nichts anderes. Er wird auch die Neutralität nicht anerkennen – die Schützt uns in Österreich dann nicht – wie die Kriegstreiber nicht müde werden uns zu lehren.
Die Behauptung, dass die Österreicher glauben, die Neutralität würde sie vor einen Angriff schützen wird natürlich wieder und wieder gebracht – obwohl ohnedies jeder weiß, dass die Neutralität uns nur davor beschützt zwangsweise in einen Krieg eintreten zu müssen.
Übrigen beschreibt auch Gady in seinem Buch diesen Fall des Angriffs auf Österreich. Er schreibt zwar, dass Russland Österreich beschießt – aber eben nur, weil die NATO die Neutralität nicht akzeptiert und ihre Nachschubrouten durch Österreich legt.
Dabei ist anzumerken, dass Russland, damals noch UdSSR die Neutralität immer geachtet hat – sowohl in der Ungarnkrise als auch in der Tschechenkrise .
In den vergangenen 25 Jahren (der Amtszeit Putins) war auch zu sehen, dass die Russische Föderation unter Putin keineswegs europa- oder deutschlandfeindlich war. Im Gegenteil: Die Wirtschaftsbeziehungen waren zum beidseitigen Vorteil. Russland lieferte billige Rohstoffe und Energie und war ein ungesättigter Absatzmarkt für Technologie. Flugzeuge, Autos usw. waren in Russland hoch willkommen und wären es immer noch, wenn nicht die EU-Granden den Handel abgedreht hätte.
Ganz anders das Verhältnis zur Ukraine: Die sprengt die Nordstream, verübt Bombenattentate im EU-Raum – aber das mach ja nichts! Russland ist der Böse.
Auch Strack-Zimmermann nennt den Unterschied: Die Ukraine brauch von uns Geld und Russland hat noch Geld in Europa, das man beschlagnahmen kann. Raub: das sind die westlichen Werte!
Europa ist zwar hoch gerüstet – es beliefert ja auch den Krieg in der Ukraine in einer Weise, dass Russland sich schwer tut, den Donbass zu besetzen. Aber lt. Strack-Zimmermann sind wir zu schwach. Wir müssen erst in den nächsten sechs Jahren aufrüsten – weil wir in vielen Sektkoren abhängig sind von den Vereinigten Staaten.
Nach all dem nun die Frage: Warum will die europäische Politik unbedingt den Krieg in der Ukraine am Laufen halten?
Nun eine der Antworten kann man aus den Antworten Strack-Zimmermans ableiten: Geld! In Europa sind 210 Milliarden € russischen Vermögens eingefroren. Die EU nutzt zwar aktuell die Zinsen dieses Vermögens zum Kauf von Waffen für die Ukraine – aber die Begehrlichkeiten nach dem gesamten Vermögen sind bei Eliten wie Strack-Zimmermann groß.
Eine andere Antwort ließe sich eventuell aus der Lage der USA ableiten. Das Defizit der USA ist so gewaltig, dass man von einem Bankrott sprechen könnte. Gleichzeitig ist auch die Außenhandelsbilanz stark negativ. Durch die Abschottung Russlands vom europäischen Markt profitiert die USA. Europäische Firmen werden ihre Fabriken in die USA transferieren um noch einen Absatzmarkt zu haben. Gleichzeitig muss Europa teures Fracking-NLG aus der USA kaufen. Zudem muss Europa solange der Ukrainekrieg am Laufen gehalten wird noch teure Waffen aus der USA beziehen und in die Ukraine liefern. Das schwächt Europa in vielen Sektoren und nutzt der USA.
Dass die Rüstungsfirmen profitieren muss hier nicht extra ausgeführt werden. Aber die Ukrainekonflikt nutzt auch den europäischen Politikern. Sie können im Krisenmodus immer mehr ihrer Agenden umsetzten: Defizitäre Haushalte beschließen; immer restriktivere Gesetze erlassen; immer mehr Zentralstrukturen etablieren. (Strack-Zimmermann träumt von einer Europa-Armee)
Dass der Ukrainekrieg weiter geht, dafür sorgt Strack-Zimmermann im EU-Parlament. Auf die Frage, wie die Beziehungen zu Russland in der Zukunft weiter gehen soll antwortet sie:
„Irgendwann wird es auch ein wieder Zusammenarbeiten geben. Ich weiß nicht, was in 10 – 20 Jahren ist, […] mit Putin, mit dem russischen Außenminister Lawrow wird es nie eine normale, wie auch immer geartete Zusammenarbeit geben – nie und nimmer!“ (Ö1, Morgenjournal, 12.9.2026, 7:13)
Graz, 12.9.2026, W.Friedhuber

da gab’s seinerzeit jemanden der in der wüste gepredigt hatte, ohne erfolg :-)
Trackback by kurt strohmaier 13. September 2026 12:50