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[Österreich] Das System der Abgehobenen

Bloged in Allgemein by friedi Donnerstag Juli 30, 2026

Die Abgehobenen“ nannte der Soziologe Michael Hartmann 2018 seine Analyse zur deutschen Politik.

Der Untertitel war: „Wie die Eliten die Demokratie gefährden“.

Wir erleben diese Abgehobenheit täglich in Deutschland, in der EU und auch in Österreich. Gerade in Österreich läuft im Moment ein „Sommertheater“ das ob seiner eigentlichen Harmlosigkeit diese Abgehobenheit schön zeigt: Das Thema Wehrdienstverlängerung.

Eigentlich sollte das eine klare Sache sein: Ist es militärisch notwendig den Wehrdienst zu verlängern – oder nicht? Und wenn ja – um wieviel?

Ein typisches Problem für eine militärische Analyse. Also: Einberufung eines Expertenrates, der die Vorschläge erarbeitet und dann beschließt die Politik das Modelle das finanzierbar ist.

Ja! So sieht Lieschen Müller – oder Hänschen Müller das – nicht aber die Abgehobenen.

Die Beriefen zwar im Jänner 2026 die Expertenkommission (siehe etwa Kronenzeitung, 20.1.2026) , ließen sie tagen und verwarfen dann den teuer erarbeiten Expertenvorschlag.

Wie das? Irren sich die Militärexperten bei ihrem Verlangen nach einer längeren militärischen Ausbildung?

Da kann man nur sagen: Weiß nicht. Jedenfalls beginnen nun die Regierungsparteien von ÖVP, SPÖ und NEOS ihr teures Spiel. Der Kanzler schlägt im Februar eine Volksbefragung zu dem Thema vor – die NEOS sind dagegen (siehe ORF, 7.Februar 2026). Aber vermutlich hat der Kanzler Stocker von der ÖVP den Vorschlag ohnedies nicht ernst gemeint, die Fragestellung bei einer Volksbefragung ist bei diesem Thema kaum auf Ja/Nein zu stellen.

Nun spielen diese hochbezahlten Abgehobenen das blöde Spiel den ganzen Sommer mit immer neuen Varianten: 6 Monate Grundausbildung 3 Monate Truppenübungen; oder 6 Monate und 100 Tage; oder oder oder …

Inzwischen zieht der Sommer dahin, das Budget wird beschlossen – ohne zu wissen, wie das mit dem Wehrdienst ist. Macht ja nichts – die Abgehobenen kassieren ja auch ohne vernünftiges Vorgehen ihr fürstliches Gehalt.

Um nicht ganz blöd dazustehen – immerhin sollte die Wehrdienstverlängerung ja bereits 2027 eingeführt werden – gibt man sich einen letzten Termin und „einigt“ sich mit großem Presse-Tamtam auf ein Modell (siehe Kronenzeitung, 30. Juli 2026)

Diese „Einigung“ ist praktisch nur dem Pressetermin geschuldet, weil wirklich klar ist nichts. Man hat sich für das Modell 6 Monate Grundausbildung und 3 Monate Truppenübungen entschieden (6+3 Modell) – angeblich das teuerste Modell. Das von den Experten vorgeschlagene Modell wäre angeblich viel billiger – aber was soll`s – es ist ja nicht das Geld der Abgehobenen. Dass die Gelder im beschlossenen Budget nicht eingeplant sind – auch hier: was soll’s – wer ma scho kriagn.

Also 6+3 hieße nach dem was in Österreich bisher üblich war, der Soldat rückt 6 Monate zum Grundwehrdienst ein und wird dann 9 Jahre lang zu jeweils 10 tägigen Truppenübungen einberufen.

Aber die Abgehobenen haben da bei Kaffee und Kuchen auch andere Ideen: 6 Monate Grundwehrdienst und gleich anschließend 1 Monat Truppenübungen – also eigentlich ein 7 + 2 Modell unter dem Namen 6+3 (wird schon keiner bemerken – und der Grundwehrdienst wird dabei optisch nicht verlängert – ist gut für die Propaganda bei Wahlen).

Aber der Bedarf an Presseterminen und Kuchenessen ist vermutlich noch nicht ganz befriedigt – ev. fällt den Kreativabteilungen bei ÖVP, SPÖ und NEOS auch noch etwas anderes ein. Es wird ja ohnedies jede Sitzung fürstlich entlohnt – und das blöde Volk wird schon fressen was man sich da ausdenkt – hat ja eh keine andere Möglichkeit.

Da ist es nur mehr eine Randnotiz, dass die Politiker sagen sie wüssten nicht, welche Kosten auf das Budget zukommen. Dabei hatte Österreich lange Zeit einen Wehrdienst mit anschließenden Truppenübungen. Man müsste die damaligen Kosten ja nur inflationsanpassen und schon hätte man eine Kostenbasis. Hat da die Verwaltung alle Dokumente verbummelt? Oder sind nun alle in den Ministerien so fachfremd dass sie das nicht wissen. Abgehobenen wäre das ohne weiteres zuzutrauen.

Da ist es nur eine Randnotiz, dass man den Wehrersatzdienst auch in einer ‚Gummiwurst‘ geparkt hat. Er bleibt unverändert – außer es melden sich zu wenige Soldaten dann wird der Wehrersatzdienst automatisch verlängert.

Ganz ehrlich: An diesem Vorgehen ist an einem harmlosen Beispiel zu lernen, dass die hochbezahlten Staatenlenker anderes im Kopf haben als das Beste für Land und Leute – Abgehobene eben.

Graz, 30.7.2026. W. Friedhuber

 

PS:

Eigentlich beruhigend, dass in einer Zeit des Kriegswahn so ein provinzielles Possenstück zur Ablenkung angeboten wird. Das Vertrauen in die Politik stärkt es aber nicht.

Kommentare	»
  1. wir hätten vor rund 13 jahren die möglichleit gehabt den grundwehrdienst abzuschaffen, damit auch diesen sinnentleerten verein bundesheer genannt, wo immer mehr offiziere und ähnliches in der öffentlichkeit in faschingsuniformen herumlaufen, die masse im generalsrang, deren man die arthritis und den aufkommenden alzheimer ansieht, stellt sich in fantasie kampfuniformen dar, klarerweise mit einer menge an faschingsorden……

    durch den bedarf an zivildienern, da billig, sehr billig, für die diversen hoch subventionierten subsysteme, wie das rote kreuz, die caritas, auch auslandsdienst z.b. in auschwitz, musste der grundwehrdienst, aktuell 6 monate und das ist noch zuviel, aufrechterhalten werden.

    durch erzählungen meines jüngsten, der diese 6 monate mit beförderung zum gefreiten runtergespult hat, konnte ich erkennen, dass seit meiner zeit 6+2+3, sich im verein nichts geändert hat, schon im wesen nichts, wie auch nicht am zugang der profis, die halt bedienungspersonal in messe und casino benötigen, mehr nicht.

    ich hatte meine beförderung abgelehnt als zeichen meiner skepsis zum system bundesheer.

    ich bleibe dabei, weg damit. wir sind de facto von der nato umgeben, und spielen deren spiel seit langem mit, auch durch tributzahlungen (waffenkäufe) im mafiosen stil. die aufgezeigte posse beweist ja nur, dass in der realität niemand in diesem lande das bundesheer schätzt, dieses nur für katastropheneinsätze brauchbar ist.

    Trackback by kurt strohmaier 30. Juli 2026 11:52

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