Essay: Putins Narrativ hätte den Frieden in Europa erhalten können
Die Kriegsgefahr in Europa steigt und ist anscheinend von Europas westlichen „Führern“ (auch den weiblichen) gewünscht. Warum ich das so sehe, will ich nachfolgend in einem kleinen Essay darlegen. Das Essay beschreibt die Vorgänge aus russischer Propagandasicht, um die diplomatischen Lösungsmöglichkeiten klarer darzustellen.
Die 2+4 Verträge ,welche die Wiedervereinigung Deutschlands ermöglichten, hatten als Bedingung, dass sich die NATO nicht nach Osten ausbreiten würde. Doch 1999 traten Polen, Tschechien und Ungarn der NATO bei. Die NATO breitete sich weiter nach Osten aus und streckte ihre Fühler auch in die Ukraine aus. Damit rückte die NATO nicht nur unmittelbar an die Russische Föderation heran, sondern es drohte damit auch der Verlust des russischen Schwarzmeerhafen auf der Halbinsel Krim.
Putin schickte Agenten auf die Halbinsel zum Schutz der russischen Bevölkerung und ließ ein Referendum abhalten. Die Wahlbeteiligung betrug 82%. Die Bevölkerung sprach sich zu 96% für einen Anschluss an Russland aus. Die Republik Krim erklärte sich als von der Ukraine unabhängig und stellte einen Beitrittsantrag zur Russischen Föderation. Damit wurde die Krim am 21. März 2014 Teil der Russischen Föderation.
Während dessen verschärfte sich die Situation in der Ukraine. Nationalistische Kräfte betrieben den Umsturz und den NATO- und EU-Beitritt. Der Putsch auf den Maidan stürzte den pro-russischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch und installierte eine Übergangsregierung unter Arseij Jazenu. Die ausgeschriebene Präsidentschaftswahl gewann 2019 Wolodymyr Selenkyj, welcher die westorientierte Politik der ukrainischen Nationalisten weiterführte.
Schon zuvor, etwa seit 2014, tobte in der Ostukraine ein Bürgerkrieg. Die ukrainischen Nationalisten gingen militärisch gegen die Oblasten Donezk und Luhansk vor. Diese Donbass-Oblasten hatten mehrheitlich russische Bevölkerung und wollte sich Russland anschließen. Die Bitten um militärische Unterstützung blieben von Russland lange ungehört. Jedoch entschloss sich Russland 2022 zum militärischen Eingreifen. Die Russische Föderation startete die spezielle Militäraktion zur Bekämpfung der nationalistischen Kräfte und zur Befriedung des Donbass.
Diese Militäraktion startete unter dem Bruch der Abmachungen der OSZE und des Völkerrechts mit einem Vorstoß auf Kiew. Die russische Führung unterlag einer völligen Fehleinschätzung der Situation in der Ukraine. In der Folge verlagerten sich die Kämpfe in die Süd- und Ostukraine. Sie dauern bis heute an.
Das Kernproblem das eine Befriedung entgegensteht ist der Umstand, dass Russland die Volksrepubliken Donezk und Lugansk anerkannt hat und damit Waffenhilfe leistet und sich ohne Gesichtsverlust nicht zurückziehen kann.
Anderseits hält der Westen – die EU – den Krieg der Ukraine und die Ukraine selbst finanziell und mit Waffen und Aufklärungsdaten am Laufen. Selenskyj kann ebenfalls ohne Gesichtsverlust den Krieg nicht beenden – zu weit hat er sich dank westlicher Unterstützung aus dem Fenster gelehnt.
Meine obige Darstellung der Erzählung gemäß der russischen Propaganda soll aufzeigen, dass die russische Seite in ihren Aussagen zahlreiche Punkte hat und hatte, die eine friedliche Lösung ermöglicht hätte und noch immer hat, so der Westen darauf eingehen würde.
Diese Punkte sind:
- Die Beendigung der antirussischen Propaganda indem man anerkennt, dass Putin kein neuer Hitler ist, sondern rationale Gründe für das Vorgehen hat, für ein Vorgehen, das man der USA oder Frankreich ohne weiteres zugesteht.
- Russland führt eine spezielle Militäroperation durch, welche von den Republiken Lugansk und Donezk erbeten wurde. Diese Sichtweise hätte das Potential von Verhandlungen bezüglich des künftigen Status dieser Republiken als unabhängige Staaten – etwa auch nach Durchführung einer Volksabstimmung. Dies wäre vermutlich völkerrechtlich zulässig, da das Selbstbestimmungsrecht der Völker es sehr wohl zulässt, sich als unabhängig zu erklären.
- Der Westen sollte die Sicherheitsbedenken Russlands bezüglich der NATO-Osterweiterung ernst nehmen, das militärische Drohpotential gegen Russland abbauen – und statt dessen mit Russland an einer Friedenssicherung in Europa arbeiten.
Auch die Ukraine hätte die Möglichkeit den Krieg zu beenden, so sie die Donbass-Republiken und die Krim als selbstständig anerkennen würde
Dem steht allerdings entgegen, dass der Westen alle Abstimmungen und Wahlen welche nicht gemäß den westlichen Wünschen verlaufen, als manipuliert und völkerrechtswidrig ansieht – so etwa auch das Referendum auf der Krim.
Also: Würde man zum Teil die russische Sicht als Leitfaden aufnehmen, könnten Verhandlungen geführt werden. Für den Völkerrechtsbruch des Vorstoßes auf Kiew, da könnten Reparationsverhandlungen geführt werden. Allerdings ist Voraussetzung, dass der Westen die Unabhängigkeit von Lugansk, Donezk und Krim und den Willen der dortigen Bevölkerung zur Teilnahme an der Russischen Föderation anerkennen würde.
Andernfalls wird der sinnlose, umweltzerstörende und mörderische Krieg noch mindestens 1 bis 2 Jahre weiter gehen – eben solange, bis der EU das Geld ausgeht bzw. die Bevölkerung in der EU andere Regenten ins Amt bringt.
Graz, 10.5.2026, W. Friedhuber

das hat präsident putin bei einer konferenz am 9. mai 2026 gesagt:
Putin: Was ist der Westen? Ich denke, das ist der sogenannte globalistische Teil der westlichen Eliten. Dieser Teil führt mit den Händen der Ukrainer Krieg gegen uns. Sie haben in diesem Sinne bequem eingerichtet. Sie haben den Konflikt provoziert. Ich habe bereits erzählt, wie alles angefangen hat. Ich habe mir den Ausgangspunkt ja nicht ausgedacht. Merkwürdigerweise ging es um den Beitritt oder Nicht-Beitritt der Ukraine zur EU. Sollen sie beitreten, wenn sie wollen, aber die Situation eskalierte zu einem bewaffneten Konflikt. Und warum? Weil allen Russlands Interessen wurscht waren.
Mehr noch, in ihrem Bestreben, die Ukraine als Instrument für ihre geopolitischen Ziele zu missbrauchen, haben diese westlichen Akteure alle betrogen und sie geben es ja nun öffentlich zu. Schon Anfang der 1990er-Jahre begannen sie, uns bei der NATO-Osterweiterung zu betrügen. „Die NATO wird keinen einzigen Schritt nach Westen machen“, sagten sie uns damals. Und? Wo sind sie?
All das zusammen hat die aktuelle Situation provoziert. Sie führen also Krieg mit uns, aber, ich wiederhole, das ist längst allen klar, mit den Händen der Ukrainer.
Meine Kollegen und ich haben kürzlich darüber gesprochen und uns an die damaligen Ereignisse erinnert. Schließlich hatten wir 2022 in Istanbul eine Vereinbarung mit den Ukrainern erzielt, die sie paraphiert haben. Dann rief mich ein Kollege an – was soll ich es verheimlichen, Herr Macron – und sagte: „Die Ukraine kann solche historischen Dokumente nicht mit der Pistole an der Schläfe unterzeichnen.“ Das war das Zitat, wir haben ja eine Aufzeichnung des Gesprächs.
Ich sagte: „Was soll ich tun?“
„Die Truppen von Kiew abziehen.“
Nun, wir haben sie abgezogen. Dann tauchte noch ein Vertreter aus dem Show Business auf, der damalige britische Premierminister. Und was sagte er? „Das dürft Ihr nicht unterzeichnen, dieses Abkommen ist unfair.“
Aber wer entscheidet, ob es fair ist oder nicht? Wenn der Leiter des ukrainischen Verhandlungsteams diese Dokumente paraphiert hat, was ist daran unfair? Wer entscheidet das? Nun, wunderbar, sie versprachen Hilfe und begannen, die Konfrontation mit Russland zu eskalieren, die bis heute andauert. Ich denke, das nähert sich einem Ende, aber es ist immer noch eine ernste Sache.
Es stellt sich die Frage: Wozu? Zunächst erwarteten sie eine „vernichtende Niederlage“ Russlands, wir wissen das nur zu gut, den Zusammenbruch der Staatlichkeit innerhalb weniger Monate.
Das hat nicht geklappt. Und dann sind sie in diese Sackgasse geraten und scheinen nicht mehr herauszukommen, das ist das Problem. Obwohl es dort kluge Leute gibt. Es gibt welche, die das Wesen der Situation verstehen. Ich hoffe, diese politischen Kräfte werden allmählich wieder an die Macht kommen oder sie mit der Unterstützung der überwältigenden Mehrheit der europäischen Länder ergreifen.
Trackback by kurt strohmaier 10. Mai 2026 19:07