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Kritik der Nagl-Aussagen in der Kronenzeitung vom 30.12.2017

Bloged in Allgemein by friedi Sonntag Dezember 31, 2017

Keine versöhnlichen Töne von Nagl und Eustacchio [in Graz]

„Eustacchio aufknüpfen“ titelt die Kronen Zeitung vom 30.12. in ihrem Grazer Lokalteil (Kronen Zeitung, 30.12.2017, S. 24). Was wie ein Aufruf zur Selbstjustiz klingt, entpuppt sich als das Gegenteil: Die Stadtregenten werfen den Protestbewegungen undemokratisches Verhalten vor.

Die Kronen Zeitung vom 30.12.2017 bringt in ihrem Provinzteil „Graz Extra“ in relativ breiter Aufmachung Aussagen und Bilanz der Grazer Regenten Nagl und Eustachio. Die Kronenzeitung nennt diese beschämende Darstellung des fehlenden Intellektualismus freundlich „[h]arte Kritik“ (Kronen Zeitung 30.12.2017, S.24).

Leider ist es keine harte Kritik sondern eine erschreckende Darstellung von Kleinbürgertum, Ignoranz, Egozentrismus und fehlendem Demokratieverständnis der Stadtverwaltung. Menschen mit solchem Horizont sollten keine Personalverantwortung tragen und schon gar nicht für eine hohes politisches Amt in Frage kommen. Leider fördert der Zeitgeist gerade diese antidemokratische Gesinnung.

Warum ich zu dieser vernichtenden Beurteilung der Aussagen der beiden Herren Nagl und Eustachio (und ihrer Hintermänner) komme?

Nun: Wenn sich die Kronen Zeitung nicht alles selbst aus den Fingern gesogen hat, haben die beiden Herrschaften unter anderem folgende Aussagen getätigt: Nagl: „.. ich muss […] den Blick auf alle richten, den sonst kommt sich die große Mehrheit als Melkkuh vor – und das will ich nicht“; Eustacchio: „… Jene, die etwas unternehmen, die innovativ und fleißig sind, die mir ihren Steuern den Wohlfahrtsstaat unterstützen, die sollen wissen, dass wir sie besonders wertschätzen“. Weiters kritisieren die beiden Leistungsträger das Demokratieverständnis der immer zahlreicher werdenden Demonstranten in Graz, die in ihrem Kampf um Lebensraum immer aggressivere Parolen verwenden und etwa die Köpfe von Nagl und Eustacchio fordern.

Als Erfolgsliste für die rechtsradikale Stadtregierung (die Starken und Mächtigen zu bevorzugen ist rechtsradikal) listet der Schreiber des Artikels, Herr Gerald Richter, den Gemeindebau, die Sozialcard, die Wohnbauoffensive um 26 Millionen Euro, die Sauberkeitsoffensive, die Ordnungswache usw. auf (die Ordnungswache als Erfolgsmeldung ist besonders witzig; hatten wir doch früher eine funktionierende Polizei und Gendarmerie und so etwas anachronistisches wie eine Stadt-Ordnungswache gar nicht nötig).

Was der Artikel nicht nennt, ist die Stadtzerstörung durch Bauspekulation unter Nagl und Eustaccio. Der Artikel schreibt auch nicht, dass viele der Punkte auf der Erfolgsliste die selbstverständlichen Aufgabe der Stadtverwaltung sind, dass diese Stadtverwaltung aber dies Aufgaben nur sehr mangelhaft wahr nimmt – ich nenne hier nur Feinstaub, fehlendes Verkehrskonzept, fehlendes Wegekonzept, Zerstörung der Grünflächen, Zerstörung der Altstadt, mangelnde Wartung des Kanalnetzes usw.

Und nicht ganz zum Schluss will ich noch den Herren Eustacchio und Nagl und ihrem Claqueur Herrn Richter (der Herr Journalist ist nicht reiner Claqueur; ist jemand noch nicht fest im Sattel, ist er auch sehr kritisch; siehe: „Aufträge an Nagl-Beraterin“) ins Stammbuch schreiben: Demokratisch Regieren unterscheidet sich von Herrschen dadurch, dass auch und gerade die Minderheiten berücksichtigt werden. Wenn also der Herr Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften Nagl das im Studium gelernte inzwischen vergessen hat, so soll er doch berücksichtigen, dass das, was man als Geschirrhändler wissen muss, nicht ausreicht um eine Stadt zu verwalten. Oppositionelle Meinungen sind in einer Demokratie ebenso in die Entscheidungsfindung einzubinden. Die Beispiele, dass Herr Magister Nagl anscheinend die Soziallehre und ihre demokratiepolitischen Implikationen inzwischen vollständig vergessen hat, das lässt sich aus seiner herrschaftlichen Bevorzugung der Besitzenden und Kapitalinvestoren klar ableiten: Ob Kastner-Dach, ob Pfauen-Garten, ob Reininghaus und Wohnungsbau – der Förderung der Bauwirtschaft und der Bodenspekulation wird alles geopfert; der Stadtkern selbst zu einer Touristenanlaufstelle mit parkenden Bussen im Zentrum und der gastronomischen Vermarktung jedes Quadratmeters öffentlichen Raumes.

Menschen ohne Kapital haben in Graz kein Recht auf Lebensraum mehr. Die sogenannten Tüchtigen – meist wurde das Vermögen dabei geerbt oder es sind internationale Handelsketten und Investmentfirmen – die sind die Einzigen, die bedient werden. Dabei wäre es gerade die Aufgabe der demokratischen Verwaltung die Steuermittel für die Schwächsten einzusetzen. Die Starken und Tüchtigen – auf die die beide Regenten so häufig verweisen – die würden, wären sie wirklich tüchtig, gar keine Hilfe benötigen – und natürlich haben die Tüchtigen für die Schwachen zu sorgen. Die ÖVP könnte sich da noch an ihre fernen christlichen Wurzeln erinnern …

Über die Ansichten des Herrn Bürokaufmann Eustacchio spare ich mir hier jeden weiteren Kommentar, er kann es als ehemaliger Schalterbeamter der Steiermärkischen Sparkasse ja nicht besser wissen. Und die Wurzeln der FPÖ, da gibt es keine Schwachen; nur Herrenmenschen und Tüchtige; alles Schwache muss weichen – ich glaube „ausgerottet werden“ war der früher verwendete Begriff.

Nur zum Schluss möchte ich an das traurige Wahlergebnis im heurigen Frühjahr erinnern, auf das sich die Regenten berufen um ihre Legitimation beim inhumanen Vorgehen durch die Mehrheit zu zeigen: Ja – es ist wahr und traurig dass die Mehrheit der abgegebenen Stimmen wieder der ÖVP gegeben wurden, die von einer egalitären Demokratie so weit entfernt ist, dass man nur wieder an die Feudalzeit denken kann. Die Wahlbeteiligung war mit über 50% diesmal sogar sehr hoch (also etwas mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten gingen überhaupt zur Wahl). Von diesen 57% haben leider 38% die ÖVP gewählt – das sind 21% der Wahlberechtigten (siehe: Wahlergebnis Graz)! Auch wenn der Herr Magister noch so laut trommelt: Das ist nicht die Mehrheit der Grazer – das gibt ihm NICHT das legitime Recht, im Namen seiner Auftraggeber den Lebensraum ALLER Grazer zu zerstören.

Falls der Herr Magister sich nun auf das gemäß der Verordnung gültige Mehrheitsrecht durch Wahlen beruft, so sei einmal klar gesagt: Die KPÖ hat 12% der Stimmen aller Wähler (20% der abgegebenen Stimmen) die FPÖ lediglich 9%.

Herr Magister Nagl hat beschlossen – nicht die Mehrheit der Grazer! – die zweitstärkste Kraft in Graz möglichst kalt zu stellen! Und dann jammern diese undemkoratischen Herrschaften Nagl und Eustacchio über mangelndes Demokratieverständnis der restlichen, in ihren Entscheidungen ausgeschlossenen 70% der Grazer Wahlberechtigten (ÖVP 21% + 9% FPÖ = 30%).

Die, früher Hahnenschwanzler genannten ÖVP-Herren spielen sich mit der Demokratie wieder so, dass sie eventuell in Zukunft den Roten Hahn aufwecken könnten. Die radikaler werdenden Demo-Parolen könnten bereits ein Anzeichen dafür sein – und die früher Braun genannten Blauen warten, dass ihnen die bürgerliche Engstirnigkeit wieder zu einem Aufstieg verhilft.

Nun – der Kronen Zeitung kann es recht sei. Hat sie mehr zu berichten – und: Wer schuld ist, weiß man schon: die Ausländer

Graz, 31.12.2017, W. Friedhuber

Weiterführende Information um die Vorgänge in Graz:

http://www.xn--wir-brger-u9a.at/wir-decken-auf-die-firmen-des-siegfried-nagl/

http://www.linkestmk.at/archive/10186#more-10186

http://www.linkestmk.at/archive/3187#more-3187

http://www.linkestmk.at/archive/11132#more-11132

http://www.unverwechselbaresgraz.at/

http://www.murxkraftwerk.at/

http://www.rettetdiemur.at/

https://derstandard.at/1389859472578/Laerm-und-Mauerrisse-Die-Variobahn-macht-nicht-alle-Grazer-gluecklich

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