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Studentendemonstration am 28.10.2010

Bloged in Diskussion by admin Sonntag Oktober 31, 2010
Quelle: udo  KFU Graz Vollversammlung | Demo

Quelle: udo > KFU Graz Vollversammlung | Demo

Persönliche Eindrücke von W.Friedhuber

Am Dienstag, dem 28.10.2010, um dreiviertel vier am Nachmittag, finde ich mich vor dem Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität in Graz ein. Ich will auch bei dieser, für 16:00 angekündigten Demonstration gegen die Vernichtung der öffentlichen Hochschulen durch die österreichischen Regierung. Aktuelles Teilthema der Demonstration ist die Streichung der Familienbeihilfe ab dem 24. Lebensjahr durch die Regierung.Vom Rektorat wurde für den Nachmittag vorlesungsfrei gegeben.
Vor dem Hauptgebäude stehen bei meiner Ankunft in lockeren Gruppen ca. 100 – 200 Leute. „Ohje“, denke ich mir, „das wird enttäuschend! Wenn nicht das Polizeiaufgebot wäre, würden wir ja gar nicht auffallen!“. Selbst um 4 Minuten vor 4 Uhr sind maximal 1000 Personen anwesend – doch dann: wie eine Explosion! Um ca. 10 Minuten nach 4 Uhr eine unüberschaubare Menge! Mindestens doppelt so viele Teilnehmer wie bei der vorhergehenden Demonstration am 19.10.2010. Wenn am 19. nach offizieller Angabe 2000 Demonstranten waren, dann müssen heute ca. 5000 da sein! Transparente, Fahnen, 2 Lautsprecherwagen – ein beeindruckende Demonstration!
Die Kommunistische Jugend mit Fahnen und Transparenten – der ÖGB verteilt Trillerpfeifen – doch der Kern der Demonstration sind die Studenten selbst!
Die Schichtung der Gesellschaft ist auch hier zu sehen: Kaum Professoren – obwohl auch die Grund genug hätten, gegen das was sich „unsere Regierung“ nennt, zu demonstrieren; etwas stärker ist der Mittelbau und die Bediensteten vertreten und eben die Masse an Studenten
Über Heinrichstraße – Glacis – Erzherzog-Johann-Allee geht es zur Landesregierung, zur Grazer Burg. Der Demonstrationszug ist unüberschaubar – nach Lautsprecherdurchsage der größte in Graz seit 1950! Fotografiert wird der Zug reichlich: Auch im Burgtor sind Fenster offen und Fotografen zu sehen.
Die Burg selbst bietet einen fast symbolhaften Eindruck: Fest verrammelt, Tor geschlossen – kein „Volksvertreter“ da: naja: es ist ja schon 5 Uhr!. Stimmig ist das Bild allemal: Wenn das „Volk“ kommt, wird das Tor geschlossen.
Weiter geht es dann zum Karmeliterplatz wo die Heimatpartei eines Finanzminister Pröll residiert (Pröll, das ist der Pröll, der auf die Verfassung pfeift und der Meinung anhängt, sein Budget geht uns nichts an). Hier ist im Erdgeschoss noch Licht und ein bisschen Security steht herum – sonst eigentlich der gleiche Eindruck wie bei der Burg: „Luken Dicht! Ab in den Keller: Das Volk kommt!“. Man muss dazu sagen, dass es bei DER Politik vermutlich das vernünftigste ist, so zu handeln, weil „erklären“ kann man da den Ausgebeuteten eher wenig.
Nun, am Karmeliterplatz, ist die Zeit für die Ansprachen. Während des Demonstrationszuges wurden zwar schon vereinzelt Reden gehalten, aber nun sind die Reden der Hauptteil der Abschlussveranstaltung. Es melden sich die Studentenvertreter, die Betriebsräte und auch politische Sprecher zu Wort und machen klar, dass die Regierung so nicht vorgehen kann! Die Demonstrationen werden nicht beendet werden, solange sich die Regierung nicht klar zur Bildungsfinanzierung äußert! Die nächste Demo wird es am 9.11.2010 zum Finanzamt geben!
Neben allen anderen Grauslichkeiten der Regierungen seit 2000 und auch von dieser Regierung, wie Justizskandale, Humanitätsskandale, Privatisierungsskandale, Verfassungsbrüche usw. war es gerade die konsequente Gesprächsverweigerung, die seit Schüssel anscheinend das Credo einer Regierungselite zu sein scheint, welche die jetzigen Demonstrationen mit ausgelöst hatte.
War vor einem Jahr die Universitätsleitung noch geschlossen der Meinung, es nur mit einem studentischen Problem zu tun zu haben, hat sie nun erkannt, dass die Regierung auch die Spitze der Universitätsleitung ignoriert!. Nicht die Studenten sind das Problem – das Problem ist die Regierung!
Rektoren, Professoren und leider auch viele Studenten wären ja nur zu gern bereit, dem Kurs der Regierung zu folgen, Aufnahmsprüfungen einzuführen und Studiengebühren einzuheben. Rechte studentische Vereinigungen machen sich vor diesem Hintergrund auch ihre Slogans mit solchen Absichten. Mit dem UOG 2002 wurden die Hochschulen praktisch in Diktaturen umgewandelt. Das hat die Rektoren nicht gestört – die Professoren leiden zwar darunter, können sich’s aber noch richten. Wer die Leidtragenden dieser Diktatur sind ist klar: Die Angestellten, der wissenschaftliche Mittelbau und die Studenten. Es lässt sich dabei nicht sagen, wer schlimmer betroffen ist: Der Mittelbau oder die Studenten – auf alle Fälle aber die Demokratie und die Bildung! Beides wird vor die Hunde geschickt. Was bleibt sind machttrunkene Eliten wie Pröll, Faymann, Karl, Hahn, Marek usw. Die Rektoren waren bis vor einem halben Jahr auch noch eher auf dieser Seite. Sie haben brav mitgespielt: Privatisierungen betrieben, Bachalor-Master eingeführt, die Verschulung vorangetrieben und für die Akzeptanz von Aufnahmsprüfungen und Zugansbeschränkungen gesorgt. Viele Bachelorstudien haben heute schon Drop-Out-Prüfungen, die nur unter Deckmäntelchen versteckt werden. Die ÖH ist in diesem Punkt praktisch seit 2002 komplett entmachtet. Sie „darf“ halt einen Skriptenservice aufziehen – kann aber Studierende die durch eigentlich, fast widerrechtliche Prüfungsmodalitäten, Studienjahre verlieren, nicht helfen. Jetzt, durch die angeblich der „Durchlässigkeit“ dienenden „Modularität“ ist alles nur noch viel schlimmer geworden – der Schulbetrieb, bei dem jedes Fach Voraussetzung für alle nächsten ist und jede Prüfung beim ersten Termin positiv sein muss, ansonsten verliert man ein ganzes Jahr! Das ganze gekoppelt mit Pflichtpraktika – meist unbezahlt – im Ausmaß von 2 Monaten in 6 Semestern) ist in manchen Teilen bereits erreicht.
Gleichzeitig lagert die UNI Masterstudien in und kostenpflichtige Privatfirmen aus (Bsp. UNI for Live, Donau-Uni). Daran sieht man, dass der „Master-Plan“ schon steht – und auch ganz im Sinne der Rektoren und Professoren ist. Was wird vermutlich kommen wenn der Faymann den Sünkel mal zunickt: Ein – unter dem „Druck der Massen“ – halt halbwegs freies, nur von „fachlichen Eignungstests“ abgeriegeltes Bachelorstudium auf gehobenen Mittelschulniveau und ein restriktives, selektives, teures Masterstudium für Eliten (naja – ev. wird man irgendeinen Master als Deckmantel auch auf der öffentlichen UNI lassen).
Nun ist aber vor einem halben Jahr mit unserer Regierung (zum Glück) der Größenwahn endgültig durchgegangen. Sie redet auch mit den Rektoren nicht mehr. Sie hält nun auch gegenüber den Rektoren die gegebenen Versprechen nicht mehr ein. Bei der Finanzierung der UNI wird seitens der Regierung nun so vorgegangen, wie es die Regierung bisher mit dem niederen „Volk“ gemacht hat: Es wird einfach schön geredet und das Geld anderen, „wichtigeren“ Bereichen, zugeführt.
Es spricht für die Rektoren, dass sie, anders als das „einfache Volk“ hierzu nicht auch noch applaudiert, sondern versuchen, Druck auf die autistische Politeska auszuüben.
Die Gefahr aber, dass die UNI-Zerstörungspläne ohne wenn und aber (wie es die heutigen Potentaten so gerne machen) durchgezogen werden, nachdem halt der Faymann dem Sünkel wieder auf die Schulter klopft, ist sehr real! Die Hoffnung ist, dass die Bürger endlich wach werden und auf die erkämpften Rechte des freien Universitätszugangs bestehen! Die Matura und alternativ die Studienberechtigungsprüfung sind die einzigen legalen Voraussetzungen für das Universitätsstudium! Die Regierung hat die Verpflichtung, das auch zu ermöglichen – ob es ihr ideologisch passt oder nicht!

Von der  Demo am 19. Okt. gibt’s ein paar Fotos hier: http://sowi.infonetz.org/lounge/showthread.php?t=25936

7Video von der Demo am 28. Okt.f http://www.facebook.com/oehunigraz

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