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Schwarze Tage

Bloged in Allgemein,Krise by friedi Dienstag Juli 28, 2015

This falls at the first hurdle, comrade.

The idea that there is the remotest parallel between Germany on 4 August 1914 and 13 July 2015 in Greece is so ridiculous, it beggars belief.

Do you know anything about World War 1?

Schwarze Tage: 4. August 1914 in Deutschland und 13. Juli 2015 in Griechenland

Yorgos Mitralias
Für den schwarzen Tag des 13. Juli 2015 in Griechenland gibt es nur einen historischen Präzidenzfall: Den 4. August 1914. An diesem Tag läutete die deutsche sozialdemokratische Partei im Berliner Reichstag die Tragödie des 20.Jahrhunderts ein. Die Konsequenzen sind bis heute spürbar.

Und damals wie heute gingen der ganzen Katastrophe Hunderte von Schwüren voraus. Man schwor die Loyalität gegenüber sozialistischen Werten und den unerbittlichen Widerstand gegen die Erpressung durch die Rechten, durch das Kapital und die Bourgoisie. „Nie wieder Krieg“, versprachen sie damals; „Ich werde nie ein neuer Papademos“, versprachen sie uns noch gestern (Papademos war der Bankier und verantwortliche Premierminister und Nachfolger von Papandreau im Jahr 2011)

Aber ach, unsere feinen Bürokraten beugten sich dem Druck ganz schnell; damals stimmten sie für die Kriegskredite, und heute einigten sie sich auf die Umwandlung von Griechenland in eine Schuldenkolonie  – dabei beteuern sie stets, dass sie „das Schlimmste verhindert hätten“ und dass sie schon bald auf den rechten Pfad zurückkehren werden.

Natürlich wissen wir, dass der Lauf der Ereignisse anders war. Sie haben sich nicht nur von ihrer sozialistischen Vergangenheit abgewendet, sondern sie haben sich auch immer weiter von ihren eigenen Wurzeln entfernt. Am Ende überschritten sie den Rubikon der Klassenzugehörigkeit um sich sich in gute loyale Manager des kapitalistischen Systems und seiner Barbarei zu verwandeln.

Doch Vorsicht! Die totale Kehrtwende der Bürokraten und der völlige Verrat  ihrer jugendlichen Ideale hat eine eigene unerbittliche Logik. Um ihr schandhaftes Ziel zu erreichen, mußte die Sozialdemokratie nicht nur die unangefochtenen Sieger der „Roten Linien“ aus ihren Reihen entlassen, sondern sie auch ausrotten!  So war es der Bluthund Noske, ein führender Minister, der die Arbeiterviertel der deutschen Städte bombardierte und den Aufstand der Spartakisten in ein Blutbad verwandelte, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordete und damit die Bühne für den Aufstieg und den Endsieg des Nazimonsters frei machte.

Und was findet heute statt? Handelt es sich dabei nur um eine alte Geschichte ohne Bedeutung für unsere „postmoderne“ Epoche? Wenn man sich all die Ereignisse anschaut, seitdem die infame Brüsseler Vereinbarung unterschrieben wurde, darf niemand mehr sagen, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Die führenden Köpfe Zoe und Lafazanis (Zoe Kanstantinou, Sprecherin des griechischen Parlaments und Panayotis Lafazanis, Anführer der linken Plattform von Syriza – beide werden von den griechischen Reaktionären als „Betes noires“ gesehen) werden nun nicht mehr nur von ihren üblichen Klassenfeinden abgelehnt, sondern auch und vor allem von ihren eigenen Genossen von gestern. Und bedauerlicherweise sind es Letztere, die sich durch den gleichen grausamen Haß auf ihre ehemaligen Genossen auszeichnen, den in den letzten hundert Jahren auch eben jene vielfältigen „Noskes“ kennzeichnete, mit der man die Geschichtsbücher der Sozialdemokratie füllen kann.

Wir müssen nun aufpassen, dass die Geschichte sich nicht noch einmal wiederholt und zwar nicht nur als Farce, sondern als Tragödie. Genau wie damals könnte heute etwas geschehen, dass noch gestern unmöglich und unvorstellbar schien: Es liegt jenseits des menschlichen Verständnisses, dass zum Beispiel die Genossen von gestern plötzlich gemeinsame Sache mit ihren Klassenfeinden machen und dass sie diejenigen „unverbesserlichen Romantiker“ unterdrücken, die immer noch verleugnen wollen, dass „Schweine fliegen können“. Und was das Schlimmste ist, wir können sie schon sehen, diese mittelmäßigen Bürokraten in der Regierung und in der Syriza-Partei. Sie scheinen fleißig dabei zu sein ihre Referenzschreiben für ihre Rollen als moderne Klone vom Bluthund Noske vorzubereiten.

Wir wissen, dass die meisten Linken in gutem Glauben waren und sich jetzt die Ereignisse nicht erklären können oder jeden Tag von Neuem den „Verrat“ durch ihre eigenen Genossen verdauen müssen. Ihre Verwirrung ist gerechtfertigt und verständlich. Sogar Lenin hat sich noch einige Tage nach dem 4.August 1914 geweigert, Berichten zu glauben, nach denen sein guter Freund Kautsky und dessen Partei für die Kriegskredite gestimmt hatten. Er betrachtete die Berichte in der  Tageszeitung der SPD, in der die Teilnahme der Sozialdemokratie in der „heiligen Union“ und beim Schlachtfeld des ersten Weltkriegs gepriesen wurde immer noch als gefälschte Kopien der Deutschen Generäle.

Heute steht so viel von historischer Bedeutung auf dem Spiel, dass wir unsere aktuelle Fassungslosigkeit und Verwirrung so schnell wie möglich ablegen müssen – bevor es zu spät ist. Es geht nicht nur um unsere MitbürgerInnen und um die griechische Linke, sondern um das Schicksal der arbeitenden Menschen und um das Schicksal der Linken in ganz Europa. Syriza wurde sehr oft idealisiert und bis gestern haben sich so viele auf sie bezogen. Millionen von Menschen auf unserem alten Kontinent gab sie Hoffnung. Daher drohen durch diese bedingungslose Kapitulation katastrophale Langzeitkonsequenzen über die Grenzen von Griechenland hinaus.

Damit möchte ich sagen, dass wir  jetzt in dieser Zeit wichtige Entscheidungen treffen müssen. In Griechenland und in ganz Europa müssen wir dringend entscheiden, von wem wir uns trennen und mit wem wir weitergehen! Sicher ist diese Entscheidung nicht einfach und klein und schon garnicht in einer Zeit in der die Linke und die sozialen Bewegungen wohl kaum in Hochform sind.

Doch wir müssen diese Aufgabe bewältigen. Sie wird uns durch die schrecklichen Gefahren unserer Zeit auferlegt: Die schwarzen Wolken der neofaschistischen Bedrohung sammeln sich über Europa und die grenzenlose Anmaßung des triumpfierenden Kapitalismus wird zum Desaster der Menschheit werden.

Vor einem Jahrhundert ging der Anfang eines notwendigen Wiederaufbaus und einer Neubesinnung von etwas mit dem Namen „Zimmerwald“ aus. Was könnte das „Zimmerwald“ in unseren schweren und gefährlichen Zeiten sein?

Athen, 13 Juli 2015

Übersetzung aus dem Englischen: Regina Schwarz

On 27/07/2015 21:19, „Giorgos Mitralias“ <giorgos.mitralias@gmail.com> wrote:

 

 

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