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Rezension: Erik Eberhard, REVOLUTION UND KONTERREVOLUTION IN GRIECHENLAND

Bloged in Allgemein by friedi Donnerstag August 15, 2013
Buchrezension von Hermann Dworczak
Um die aktuellen  Vorgänge in Griechenland ausreichend zu verstehen, muß man/ frau in die Geschichte des Landes eintauchen. Dann wird klar, warum das Land ökonomisch am Boden liegt und für die EU-Spitzen zum  prioritären Exerzierfeld für ihre Austeritätspolitik wird. Ebenso wird ersichtlich, warum offene Faschisten heute erneut Zulauf bekommen können. Das materialreiche Buch von Erik Eberhard trägt viel zu diesem Verständnis bei.

Der ökonomische  Sockel auf dem Griechenland ruht, ist traditionell schwach. Das Land war bis in die erste Hälfte des 19.Jahrhunderts Teil des Osmanischen Reiches. Entsprechend dessen ökonomischer Gesellschaftsformation, die sich im wesentlichen auf die  Ausplünderung der eroberten Gebiete orientierte , kam es zu keiner nenneswerten wirtschaftlichen Entwicklung .

Auch nach der Unabhängigkeit  1829  erfolgte kein ökonomischer „take off“ des Agrarlandes . Politisch gaben sich diverse – zuerst ausländische- Dynastien die Klinke in die Hand. Der Einfluß der „Schutzmächte“, insbesonders  Großbritanniens, war enorm.


Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich die Stagnation fort.  Die „Reformversuche“ des Liberalen Elefterios Venizelos (1928-1932) waren nur ein kurzes Zwischespiel.  „Der  Putsch, den General Metaxas nach einem Übereinkommen mit dem König am 4.August 1936 durchführte, hatte eine ideologisch am deutschen Nationalsozialismus orientierte Militärdiktatur zur Folge“ (S.31).


Nach dem Ende der  deutschen Besatzung und des Bürgerkriegs (1946-1949) verblieb das Land weiter labil. Erst nach der Obristendiktatur 1967 bis 1974 kam es zu einem „kontrollierten Übergang zur bürgerlichen Demokratie“(S.408ff).


Wichtig sind die Abschnitte des Buchs über das griechische  Kapital – u.a. das Kapitel „Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft“ (S.328 ff): „Die starken Verbindungen des griechischen Kapitals ins Ausland, die seit dem 18.Jahrhundert bestanden(….), sollten freilich nicht dazu führen, die Rolle des Auslandskapital zu überschätzen, Griechenland als halbfeudales oder peripheres Land anzusehen und die Existenz einer eigenständigen griechischen Bourgeoisie zu ignorieren“(S.331).


Der Autor behandelt u.a  auch differenziert die Politik der PASOK unter Andreas Papandreou nach ihrem Wahlerfolg 1981: „Modernisierung, Liberalisierung und Demokratisierung des griechischen Kapitalismus“(S.470). Als sich Entäüschung über ihre zunehmend monetaristisch ausgerichtete Politik breit machte, erfolgte ihre Abwahl 1989. „Die Konservativen bildeten eine Regierung mit der linken Synapismos (damals ein Wahlallianz von „Inlands“- und „Auslands“-KP- H.D.), was eine Phase der politischen Instabilität einläutete“ (ebd.).


Die (Extreme) Rechte traditionell stark


Die politische  Geschichte des Landes führte dazu, daß es stets einen starken reaktionären Block gab- mit wechselnder Zusammensetzung: Monarchisten, bürgerlich-antikommunistische  Rechte, Rechtsextreme und offene Faschisten.


Es gab zwar einen bedeutenden Widerstand gegen die  Nazi-Okkupanten – aber ebenso jede Menge Kollaborateure- denen nach dem 2.Weltkrieg kaum etwas passierte…


So ergibt sich eine -gewisse- Kontinuität: Metaxas-Putschisten, Kolloborateure mit dem italienischen und deutschen Faschismus- Antikommunisten im Bürgerkrieg- extreme Rechte nach dem 2.Weltkrieg- Puschisten von 1967-  bis hin zur rechtsextremen LAOS, die auch im Europaparlment vertreten war, und den Faschisten der „Goldenen Morgenröte heute.


„Einheit mit der nationalen Bourgeosie“


Das Buch beleuchtet jedoch auch die fatale Politik der „nationalen Einheit“  der stalinistischen kommunistischen Partei (KKE). Deren Nachtrabpolitik hinter der Bourgeoisie -eine Strategie, die sich bereits im Spanischen Bürgerkrieg 1936-39  katastrophal ausgewirkt hatte-  führte dazu, daß die Machtfrage nicht gestellt wurde,  obwohl die kommunistisch geführte Widerstandsbewegung  ELAS -auch nach bürgerlichen Einschätzungen-  80 Prozent des Landes kontrollierte (S.162 ff).


Dieses absolute Fiasko veranlaßte die KKE zu keiner Änderung ihrer Strategie- auch nach dem Tod Stalins wurde die „Volksfront“-Orientierung  bruchlos fortgesetzt.


Die Frage der „nationalen Einheit“ mit dem Bourgeosie ist alles andere als bloße  Beschäftigung mit historischen Reminiszenzen. Sie ist im Gegenteil von höchster Aktualität: Sollte Synapismos die  nächsten Wahlen gewinnen- bei den letzten wurde sie mit 27 Prozent  nur knapp Zweiter- wird sich erneut die Frage stellen: radikale Reformpolitik mit antikapitalistischer Orientierung (und breitester internationaler Solidarität!),  um das Land tatsächlich aus der Krise zu führen – ODER erneut Schulterschluß mit bürgerlichen Kräften, um „nationale Verantwortung“  zu zeigen.

Wien, 14.8.2013, Hermann Dworczak (0676 / 972 31 10 )

Erik Eberhard: Revolution und Konterrevolution in Griechenland.

Marxismus Nummer 25 . Wien 2005. 590 Seiten, 18 Euro.

 

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