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Warum die Pleitewelle ausbleibt

Bloged in Allgemein,Geld,Krise by friedi Dienstag August 17, 2021

Auch 2021 zeichnet sich die befürchtete Pleitewelle aufgrund des angeordneten Lock-Downs nicht ab. Die Wiener Zeitung gibt einen Überblick der Expertenmeinungen zum Ausbleiben der Insolvenzwelle.

Als Hauptgrund nennt die Wiener Zeitung:

„Dass die heimische Wirtschaft ohne Pleitewelle durch das erste Coronajahr gekommen ist, liegt an den auch im EU-Vergleich üppigen Coronahilfen. Bisher hat der Bund 39,5 Milliarden Euro an Hilfen ausbezahlt oder zugesichert. Der größte Brocken entfällt dabei mit 10,3 Milliarden Euro auf die Corona-Kurzarbeit. In den Umsatzersatz sind 3,4 Milliarden Euro geflossen, in den Fixkostenzuschuss 1,5 Milliarden.“ ( https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft/oesterreich/2116143-Warum-die-Pleitewelle-ausbleibt.html?xing_share=news).

Das könnte aber auch bedeuten, dass die Pleitewelle – technisch gesprochen: die staatliche gestützte Konkursverschleppung – nur um ein weiteres Jahr hinausgeschoben ist.

Dies sei, so Thomas Url in der Wiener Zeitung jedoch nicht zu befürchten.

„Mit den Corona-Maßnahmen ist 2020 ausreichend Liquidität geflossen“, erklärt der Ökonom Thomas Url vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). So seien Engpässe und eben Zahlungsunfähigkeit vermieden worden. „Hinzu kommt, dass das Wirtschaftswachstum massiv angesprungen ist.“ Davon hätten alle Branchen profitiert.(ebd.)

Auch wenn diese Analyse des WiFo signalisiert, dass die staatlichen Förderungen die privaten Wirtschaftsaktivitäten ausreichend mit Kapital versorgt haben um Insolvenzen in der nächsten Zeit zu vermeiden und die Wirtschaft nun kräftig und gesund ihren Anteil am Volksvermögen leistet, könnte man diesen Vorgang der Wirtschaftsubventionierung, zumindest aus Sicht der Lohnabhängigen, auch etwas problematischer sehen – nicht nur, weil die staatlichen Subventionen nun in der Folge bei den Sozialleistungen eingespart werden – sondern direkt: So könnte die in der Wiener Zeitung aufgeführte Statistik der Insolvenze auch so interpretiert werden, dass der wirtschaftliche Erfolg rein aus der Staatskasse finanziert wurde.

Dies betrifft einerseits die sogenannte Kurzarbeit (wo der Staat einen Großteil der Löhne für den Privatbetrieb zahlt) und anderseits den Ausgleich des Umsatzentganges (bis zu 80% des gemeldeten Vorjahresumsatz).

Insolvenzstatistik

Insolvenzen 2020-21

Die Statistik zeigt nämlich, dass gerade in dem Sektor, der am wenigsten unter der Krise „gelitten“ hat – die Bauwirtschaft – keinen Rückgang der Insolvenzen zu sehen ist – wohingegen der Bereich, der direkt vom Lock-Down betroffen war – Beherbergung und Gastronomie – einen starken Rückgang der Insolvenzen zeigt (ebenso der Handel).

Man kann also sagen: Je stärker die Lock-Down-Maßnahmen waren, desto besser ist die Betriebsfinanzierung.

Wenn noch berücksichtigt wird, dass diese Unterstützungsmaßnahmen mit ein Grund sind, dass die Staatsverschuldung auf über 80% BiP gestiegen ist, und diese Verschuldung von der Masse der Menschen wieder beglichen werden muss (während vor allem große Betriebe Steuerfluchtmöglichkeiten nutzen können), so kann dieser gesamte Vorgang auch als Umverteilung von Unten nach Oben gesehen werden – also vom Staat zu Privat (ich bin gespannt, wie die türkis-grüne Ökosoziale Steuerreform wird – aber vermutlich: Entlastung der Unternehmer und Kürzung bei den Lohnabhängigen und Pensionisten über gestiegen Produktkosten und verringerter Leistungshöhen).

Ob diese pessimistische Sicht zutrifft, wird sich daran zeigen, inwieweit die großen Kapitaleigner sich an der Begleichung der Krisenkosten beteiligen (auch das wird sich in der Ökosozialen Steuerreform ablesen lassen).

Jedenfalls: Die Krisen sind noch nicht vorbei – auch nicht Corona. Wie die Gewerbetreibenden mit dem Auslaufen der staatlichen Unterstützungen und Steuerstundungen zurecht kommen, wird sich zeigen – aber vermutlich wird die Unterstützung des privaten Wirtschaftssektors einfach verlängert.

Wir kommen zusehends zu einem Wirtschaftmodell, in dem die Landwirtschaft gestützt werden muss, die KMUs gestützt werden müssen, die Großindustrie gestützt werden muss … warum bekomme ich da das Gefühl: Das kann sich nicht ausgehen?

Die Analysten des WiFo zeichnen jedenfalls ein positives Bild der Entwicklung. Das ist zwar zu wünschen, aber kann vermutlich so nicht eintreten.

Selbst wenn die Corona-Lockdown-Schäden überwunden wären, mit den Konzepten der Dekarbonisierung kommt die nächste Welle an Restriktionen (und Unterstützungsbedarf für die „Tüchtigen“) auf uns „Normale“ zu (siehe: Ökosoziale Steuerreform).

Graz, 17.8.2021, W.Friedhuber

 

Kommentare	»
  1. zur förderung der gastronomie wurde für diese die mehrwertsteuer auf 5% reduziert, der konsument der diese ja voll finanziert muss jedoch die jeweilige volle höhe, also bis zu 20% zahlen…..
    die fachvertreter der gastronomie lehnen eine weitergabe der absenkung an die konsumenten streng ab und kündigen eine künftige erhöhung der preise an, wobei auch eine anhebung der erbärmlichen löhne dieser branche nicht angedacht wird, eher eine restriktion des angebotes und der öffnungszeiten.

    so ist zu erwarten, dass sich künftig einige betriebe selbst wegrationalisieren werden.

    Trackback by kurt strohmaier 18. August 2021 18:23

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