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Wie für „Familie“ gesorgt werden kann – am Beispiel Graz

Bloged in Allgemein,Geld by friedi Sonntag August 8, 2021

„Von der Mafia lerne: Die Management-Geheimnisse der ehrenwerten Gesellschaft“ nannte Lous Ferrante, selbst ein gewesener Mafioso, sein Buch. Tatsächlich scheint es viele Gemeinsamkeiten in Politik und Wirtschaft zu geben – vor allem in Punkto Rücksichtslosigkeit.

Am Beispiel Graz lässt sich, da die Stadt noch verhältnismäßig klein ist, an gut darlegen, wie „Familie“ funktioniert.

Was bei der türkisen ÖVP-Familie in der Bundesregierung nur sehr indirekt sichtbar ist, wird in den kleineren Einheiten direkter Sichtbar: Profiterwartungen für Kapitaleigner werden von der Politik erfüllt – auf Kosten der Allgemeinheit. Ist man in dem Kreis der Profitberechtigten, so tut die Politik alles, um den Profit zu sichern.

Indirekte Beispiele sind zahlreich – etwa im Stadtpark das Pfauengartenhotel, das nur durch einen rechtlichen Trick – gestützt vom Rechtsanwalt Reinhard Hohenberg und Bürgermeister Siegfried Nagl errichtet werden konnte (siehe: http://www.gat.st/news/gelungen-nicht-gelungen-81 ) – Bei Reinhard Hohenberg, handelt es sich um jenen umtriebigen Rechtsanwalt, der auch beim Abbruch des historisch wertvollen Kommod-Haus mit agierte (siehe: https://www.wienerzeitung.at/startseite/archiv/68408_Graz-nagt-jetzt-an-seiner-Altstadt.html , ev. auch: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXII/J/J_03394/fnameorig_048965.html ) – aber diese Hinterzimmer-Bauspekulanten-Vorkommnisse, deren es zahlreiche in Graz gibt, sollen hier nicht das Beispiel sein – immerhin wird dabei ja noch Investition mit potentiellen Mehrwert geschaffen – egal wie man zu diesen Machenschaften steht (über die Stadtzerstörung siehe auch: http://www.unverwechselbaresgraz.at/wp-content/uploads/2021/01/Alte-Haeuser-12-2016.pdf ).

Das Beispiel, wie die Familie bedient wird, soll an drei Vorgängen dargestellt werden:

Beispiel 1: Das Girardi-Haus

Das Girardi-Haus, also das Haus, in dem der Volksschauspieler Alexander Girardi 1850 geboren wurde und das seit 1987 unter Denkmalschutz steht, wurde nun von der Stadt Graz gerettet (siehe: https://www.graz.at/cms/beitrag/10362108/8106610/Gerettet_das_Geburtshaus_von_Alexander_Girardi.html )! Wie das? Und Warum?

Nun: Das Haus, das bis ca. 2000 noch in gutem Zustand war und den beliebten Girardikeller beheimatet hatt wurde vom Besitzer dem Verfall preis gegeben (siehe: https://www.meinbezirk.at/graz/c-lokales/dem-girardi-geburtshaus-droht-der-verfall_a298979 ). Der Besitzer – einer der gewerbetreibenden Leistungsträger der Steiermark – wollte das Haus offensichtlich verfallen lassen, um es abreißen zu können. Seit damals „tobt“ der Kampf um den Erhalt des Hauses (siehe etwa: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/girardihaus-erhalten ). Der Besitzer, der offensichtlich ohnedies zu reich ist, ließ das Haus weiterhin verfallen. Es ist ja sein Haus und damit basta! Die Stadt Graz unter Siegfried Nagl war willens beim Abriss mitzuspielen (siehe: https://grazer.at/de/DsAkj70j/graz-bekommt-ein-neues-girardihaus/ ). Der brave Herr Bürgermeister ist nämlich nur vor Wahlen auf Seiten des Stadt-Erhalts. In der übrigen Zeit kümmert er sich um Architekten, Spekulanten, Bauvorhaben und Event-Kultur.

Aber nun gelang es der Stadtregierung doch das Haus zu retten! (siehe: https://grazervp.at/wp-content/uploads/2021/03/Leonhard-Ostern-2021.pdf )

Wie das? Hat die Stadtregierung den zu reichen Zerstörer enteignet? Hat die Stadt dem Herrn eine so saftige Strafe aufgebrummt, dass dieser nun bereit ist, den Verfall zu stoppen und das Haus wieder einer Nutzung zuzuführen?

Mit Nichten! Der Herr Besitzer war so großzügig, es der Stadt zu erlauben, das Haus auf Gemeindekosten zu sanieren und dann langfristig zu mieten. Das ist es was Familie ausmacht! Der tüchtige Gewerbetreibende als Eigentümer lässt das Haus fast 20 Jahre verfallen und nun darf die Allgemeinheit sein Haus sanieren und ihm eine, vermutlich stolze, Pacht zahlen.

Immerhin war der Eigentümer in seiner Gnade bereit, das Haus für 35 Jahre der Stadt Graz zu vermieten.

Problem gelöst: Eigentum bleibt Eigentum und die Allgemeinheit zahlt Sanierung und Pacht. Gratulation an den tüchtigen Unternehmer!

Beipiel 2: Burgruine Gösting.

Die Burgruine Gösting war ein beliebtes Ausflugsziel im Naherholungsraum Graz – bis sie 1998 von einem tüchtigen steirischen Gewerbetreibenden gekauft wurde (siehe: https://grazer.at/de/62GlbXBq/stadt-graz-will-die-burgruine-goesting-retten/ ). Seither verläuft die Geschichte um die Burg ähnlich wie bei anderen historischen Gebäuden im Besitz tüchtiger Wirtschaftstreibender.

Der neue Besitzer hat den Burgverein, der sich um die Erhaltung bisher gekümmert hat, den Zugang verwehrt (siehe https://www.bvg-graz.at/burgverein/#vereinsvorstand ). Seither verfällt die Burgruine weiter. Für Wanderer musste sie, wegen Gefahr in Verzug bereits gesperrt werden (siehe: https://steiermark.orf.at/stories/3085432/ ).

Aber auch hier scheint es nun (im Wahljahr?) eine Lösung zu geben!

Und wie sieht die aus?

Auch hier wiederum: Die Gemeinschaft muss dem Privaten Burgherrn zahlen! (siehe: https://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/6014203/GrazGoesting_Es-ist-so-weit_Stadt-Graz-will-Burgruine-pachten ). Auch hier wiederum: Privat bleibt privat! Das Erhalten und die Pacht zahlen darf die Öffentlichkeit (oder ein Verein).

Ach was sind die Tüchtigen doch tüchtig!

Beipiel 3: Plabutschgondel (konnte von der Bevölkerung verhindert werden)

Naherholungsgebiet Thalersee – erreichbar über Palbutschwanderweg und Bus. Bis 1971 gab es einen Sessellift auf den Palbutsch – diese Idee wollte der Bürgermeister Siegfried Nagl ab 2000 wiederbeleben und eine Gondelbahn von Gösting – einem Randbezirk von Graz – über den Plabutsch zum Thalersee errichten (Seilbahnen – auch in der Stadt waren in Nagls Ohr der neue Floh der kreativen Bauwirtschaft).

Soweit so gut! Aber was hat das mit „Familie“ zu tun (außer dem Finanzvolumen des Baugeschäfts)?

Nun: So eine Seilbahn braucht Stützen – und stehen die Stützen auf dem Boden – und ist der Boden Privatgrund, so muss der Seilbahnbetreiber – in dem Fall die Stadt Graz – eben Pacht zahlen. Dummer Weise besitzt aber die Stadt selbst große Gebiete im Bereich der möglichen Trassenführungen.

Was tun?

Flux wurden mit einem Privatbesitzer – wiederum ein Exemplar der tüchtigen Steirischen Unternehmer – der Grund abgetauscht (siehe: https://www.kpoe-graz.at/plabutschgondel.phtml ) bzw. Trassenvarianten ausgearbeitet, die möglichst viele Stützen im Bereich von Privatbesitz benötigen (siehe: https://spielsucht.kpoe-steiermark.at/plabutschseilbahn-1.phtml ) .

Leider konnten diese schönen Pläne für die tüchtigen Privatbesitzer (noch?) nicht umgesetzt werden – zu heftig war der Widerstand der Bevölkerung gegen die Bauwut des Bürgermeisters.

Ach – es wäre so schön gewesen! Und die tüchtigen steirischen Unternehmer hätten gut zeigen können, wie tüchtig und erfolgreich sie mit der Pachtzahlung der Allgemeinheit auf Jahre hinaus gut leben können.

Resümee

Irgendwie erinnern diese Vorgänge doch an ein Geschäftsmodell der Mafia. Aber wie schreibt Ferrante so richtig: Ganz zu vergleichen ist es nicht – viele Unternehmer habe gar keine soziale Ader, die Ferrante der Mafia aber noch attestiert.

Aber ich glaube da irrt Ferrante: Auch die Mafia bedient nur die, die zur Familie gehören – und das macht die Politik für die Tüchtigen auch – eben auf Kosten der Nicht-Reichen und Schönen – die gehören eben nicht zur „Familie“ – die bilden nur das Stimm-Vieh.

Graz, 8.8.2021, W.Friedhuber

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