[Österreich] „Mit Adleraugen auf dem Heldenplatz“
Um schon die Kinder auf den kommenden Krieg vorzubereiten, hat das österreichische Bundesheer 2025 ein Buch für die Schulen für Kinder ab 10 Jahren herausgegeben.
„An der Präsentation nahmen Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Generalsekretär Martin Netzer aus dem Bildungsministerium sowie die Wiener Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs teil. Die Veranstaltung stand im Zeichen der Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Verteidigungsministerium, um jungen Menschen altersgerecht Wissen über Sicherheit und Demokratie zu vermitteln.“ (BMLV)
‚„Es ist uns ein besonderes Anliegen, jungen Menschen auf anschauliche und spannende Weise zu zeigen, welche entscheidende Rolle das Bundesheer für Sicherheit und Demokratie spielt“, betonte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. ‚ (ebd.)
Auch wenn die Ministerin meint, dass das etwas auf „spannende“ Weise zeigt, ist das Büchlein aus meiner Sicht ein unbeschreiblich zeitgeistiges Machwerk: Die beiden Kinder, ein Bub und ein Mädchen, die durch die Erzählung führen, sind anscheinend Kinder von alleinerziehenden Mütter – die Väter kommen nicht vor. Natürlich ist die Mutter des Mädchen Hauptmann beim Militär , „Frau Hauptmann Cadic“ – wohl um die multikulturelle Struktur des österreichischen Bundesheer zu vermitteln. Natürlich sind auf fast allen Bilder uniformierte Frauen – die wie Kinder aussehen – dargestellt. Das österreichische Bundesheer scheint schon eine Überparität bei Frauen erreicht zu haben. Natürlich sind alle Heeresangehörig überaus freundlich; Händeabklatschen scheint der neue Heeresgruß zu sein. Natürlich hat der Bub in der Erzählung keine Ahnung was ein Heer ist, das Mädchen muss ihm das erklären – kurz: Das Büchlein ist ein fast intelligenzverletzender Zeitgeist-Schmarren – auch wenn die militärischen Fakten knapp und korrekt dargestellt werde.
Naturgegeben sehen das die offiziellen Stellen anders:
„Ein fiktiver Experte kommentiert: „Solche Bildungsprojekte sind essenziell, um die junge Generation zu mündigen Bürgern zu erziehen. Die Verbindung von Geschichte und aktuellen Themen ist der Schlüssel zu einem tiefen Verständnis der Welt.“ (Pressefeuer)
Das „Verständnis der Welt“ bezieht sich aber dabei auf die manipulative Darstellung einer Welt die es (noch) nicht gibt. Neben der militärischen Information über das Bundesheer ist das Buch eine Suggestion, wie sich manche der heutigen Macher die Gesellschaft wünschen. Dies lässt über die sonstigen Vorhaben der Regierenden im Bildungsbereich schlimmes erwarten – weg von der Informationsvermittlung, weg von den neutralen Fakten – also weg von den humboldtschen Bildungsidealen hin zu den Zielen einer manipulativen Ausbildung zur Brauchbarkeit.
Dies ist nicht neu. Das gab es in unserem Kulturraum immer wieder. Etwa in den 1920er Jahren war der Gegensatz „Erziehen oder Wachsen lassen“ ein Thema der Pädagogik. Jetzt sind wir anscheinend wieder Erziehungsidealen ausgeliefert, die die Erziehung zur Brauchbarkeit in der Wirtschaft im Fokus haben (eine Reflektion zu diesem Thema habe ich Pädagogikstudium durchgeführt: http://friedhuber.info/pdf/PaedTheorieBakk.pdf)
Die Hauptkritik am Vorgehen für Kriegsvorbereitung Militärs in die Schulen zu schicken, um wieder Kampfbegeisterung zu wecken ist aber, dass an der Friedensarbeit unseren Regierungen kaum etwas zu liegen scheint. Dies lässt auch Schlimmes für die aktuellen Lehrplanmodernisierungen befürchten.
Besser als Militärs an die Schulen zu schicken wäre es, eine Broschüre zu drucken, Vortragende zu schicken welche die Schüler lehren, was Verhandlung, was Diplomatie usw. zur Friedenssicherung beitragen könnte.
Graz, 14.7.2026, W.Friedhuber

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