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[Österreich] Bundesregierung nimmt die Sinnlosigkeit von AMS-Kursen zum Anlass, die Menschen maschinell zu klassifizieren

Bloged in Allgemein,Krise von friedi Mittwoch Juni 5, 2019

Nachdem der Verein AMSEL beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumenteschutz (BMASGK) seine Vorbehalte über die maschinengestützte Klassifizierung von Menschen ohne Erwerbsarbeit hinterlegt hat, bedankt sich das Ministerium für das Interesse und weist darauf hin, dass die Menschen das ja so verlangt haben.

Es ist daran gut zu erkennen, für wen die Regierung arbeitet. Keiner der von Erwerbsarbeitslosigkeit betroffenen Menschen hat sich dieses orwell-ähnliche Verfahren zur Einstufung seiner Person als unbrauchbar / brauchbar gewünscht – wohl aber jene, die Ämter besetzen und Firmen leiten. Dass das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz praktisch nur die Interessen der Verwaltung und der Arbeitgeber vertritt, sollte allen, die nicht mehr vertreten werden klar machen, dass sie endlich bei der Wahl ihre eigenen Interessen wählen oder die Wahl verweigern sollten.

Dass das Ministerium die „Betroffenen“ in seinem Sinn instrumentalisiert, indem es den Protest gegen sinnlose Ausbildungskurse als Wunsch nach Klassifizierung per Automaten darstellt, ist an Zynismus nicht zu überbieten. Dass die internen Diskussion unter Ausschluss der von den Maßnahmen betroffenen als ausreichende Diskussion dargestellt wird, ist ebenfalls ein Zeichen des abgehobenen Menschenbild von gut dottierten Administrationspersonal.

Es sei nocheinmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich der Protest gegen die Klassifizierung von Menschen gegen eine Verwaltung richtet, die eigentlich allen die gleichen Chancen gewähren sollte. All jene, die ein Klassifizierungsverfahren im Sinne der Effizienz für sinnvoll halten, sei gesagt: Mag sein! Aber nicht von einer Staatsregierung oder einer staatlichen Stelle! Beginnt ein Staat in dieser Weise die Menschen zu klassifizieren, so ist das gelebter Faschismus.

Auf die Frage „Wie soll man den sonst vorgehen?“ gäbe es eine einfache Antwort: So wie es die Betroffenen wünschen.

Das AMS als „Service-Stelle“ hätte ja auch die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sie auch die Wünsche der arbeitssuchenden Menschen erfüllt – nicht bloß die der sogenannten Arbeitgeber. Solange die Regierung praktisch von einem Arbeitszwang ausgeht, hat sie nicht das Recht, von Amts wegen Menschen zu deklassieren – außer, die Regierung schüttet für diese Menschen eine Rente in lebenswerter Höhe aus (aber auch darüber wäre ein breiterer Diskurs zu führen, da viele Kreise dies als „Aussteuern“ ablehnen).

Graz, 5.6.2019, W.Friedhuber

 

Ergänzt 6.6.2019 Frie: Anschreiben von Disrupt mit den Forderungen der Erwerbsarbeitslosen an das Ministerium: DISRUPT_EALIs_zum_AMS_Algorithmus

Der Antwortbrief des Ministeriums auf das AMSEL (DISRUPT)-Anschreiben: Antwort_BMASGK_auf_DISRUPT_red
(Änderung 6.6.2019 Fri.: Korespondenz auf Wunsch nun anonymisiert, 8.6.20019 Fri.: weiter anonymisiert)

Dokumentation der AMS-Methode: arbeitsmarktchancen_methode__dokumentation

Forderung von SoNeD an Ministerin Hartinger-Klein: http://www.soned.at/forum___gaestebuch/seite_376 (6.6.19 Fri.: Ministername korrigiert, Link auf direkten PDF korrigiert)

Siehe auch Kommentar auf http://www.soned.at/forum___gaestebuch

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