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Einladung: Vortrag zu Tito-Partisanen

Bloged in Diskussion by friedi Dienstag April 9, 2013

Vortrag mit Diskussion

Tito-Partisanen und der Staat Jugoslawien

Dr. Alois Rosenberger und Dipl.-Ing. Ante Čović

Wann: Mo, 15.4.2013
Um: 19:00 – 22:00
Wo: UNI Graz, HS 06.03, Universitätsplatz 6, EG

flugblatt jugoslawien 2013

Partisanenkampf bis 1945

(Dr. Alois Rosenberger)

Die Volksbefreiungsbewegung der Jugoslawischen Völker und mit ihr der Kampf der Tito-Par­tisanen entstanden zwar erst mit dem Rachefeldzug der Hitlerwehrmacht, nachdem eine entschlossene serbische Offiziersgruppe gegen den offiziellen, jedoch aus der öko­no­mi­schen Notlage von den zentraleuropäischen faschistischen Zangenmächten er­zwun­ge­nen Beitritt des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen zum Dreimächtepakt er­folg­reich geputscht hatten (27. März 1941). Obwohl sich auch die maßgeblichen nichtserbischen nationalen Kräfte hinter den serbischen Offiziersputsch stellten und die neue jugoslawische Regierung aktiv unterstützten, zerbrach die königliche jugoslawische Ar­mee unter dem Blitzkriegsterror der jedoch lediglich technisch überlegenen Hitlerwehrmacht.

Allerdings war nicht nur unter den Serben das Feuer der anti-hohenzollerischen als auch der anti-islamistischen Kampftradition entflammt. Landauf, landab hatten sich Wi­der­stand­szellen gebildet, die dem unseligen Fremdherrschaftssystem aus Drittem Reich, Ita­lien und Ungarn den Garaus machen sollte. Nahtlos ging der Widerstand der Armee in einem zivilen wie auch militärischen Milizkampf über, worin in einer schicksalhaften Dia­lek­tik die kommunistischen Partisanenstäbe sich zu bewähren und zu behaupten ver­moch­ten. Mit der Etablierung des SHS-Königreichs waren die jugoslawischen Kommunisten in den Untergrund gedrängt worden, sodaß 1941 in formal illegaler Organisationsarbeit er­prob­te und erfahrene Stäbe sich zu entfalten vermochten, obwohl die jugoslawische Ar­bei­ter­schaft als indirekte Folge habsburgischer Wirtschaftspolitik und vor allem türkischer Un­ter­drückung zahlenmäßig schwach war. Der erfolgreiche Kampf gegen den Faschismus ging dennoch in die sozialistische Revolution über.

Die soziale Basis der jugoslawischen Volksbefreiungsbewegung war bäuerlich und frei­heits­liebend. So wird es verständlich, dass ihr bedeutendster Repräsentant, Josip Broz Tito, seinen ursprünglichen nationalen Bedingungen nach noch nicht Jugoslawe gewesen ist. Seine Mutter war Slowenin, sein Vater Kroate und seinem beruflichen Ausbildungsweg nach war er österreichischer Soldat, der als kleiner Unteroffizier noch dem Kaiser dienen musste. Erst durch dessen dynastischen Krieg wurde er jugoslawisch und kommunistisch. Sein legendenumwobener Lebenslauf mag als Sinnbild für die bereits erwähnte schick­sals­mäßige Dialektik der jugoslawischen Volksbefreiungsbewegung dienen: Hätte er nicht die Maria-Theresianische Militär- und Kriegsschule durchlaufen, würde er nicht die not­wen­di­gen Voraussetzungen für seine persönliche Entwicklung zu einem der bedeutendsten eu­ro­pä­ischen Freiheitshelden mit sich gebracht haben. – Tito als jugoslawischer Marschall ließ trotz unvorstellbar harten und leidensvollen Kampfbedingungen auch darauf achten, dass das Volkskulturerbe bewahrt blieb.

Dr. Alois Rosenberger, geb. 1957, ist richtiger österreichischer Historiker für die Volksbefreiungsbewegung der Jugoslawischen Völker 1941 – 45, war zur Zeit Herta Firnbergs und Bruno Kreiskys Studentenvertreter und ist für zivile und militärische gesellschaftliche Entwicklungen bis 1945 zuständig.

Jugoslawien als Staat

(Dipl.-Ing. Ante Čović)

Jugoslawien war ein selbstverwalteter Vielvölkerstaat, der mit dem Ausbruch der Globalisierung – wegen seiner Blockfreiheit – von der Bildfläche verschwinden mußte. Somit hatte er nur ein halbes Jahrhundert zur Verfügung, um seine geschichtliche Mission auf Weltebene zu erfüllen. Dann mußte er das gleiche Schicksaal erleben wie seine revolutionären Vorgänger in Frankreich, Rußland und Spanien – mit dem we­sent­li­chen Unterschied, dass die Errungenschaften der Revolutionen in diesen drei Ländern nur zwi­schen wenigen Wochen und wenigen Jahren dauern durften, bevor sie von den Macht­ha­bern zerschlagen wurden, während die Errungenschaften der Jugoslawischen Re­vo­lu­tion von ihren Völkern zwei Generationen hindurch genossen wurden.

Das politische System Jugoslawiens war die sozialistische Selbstverwaltung. Das System, das auf der Koexistenz und Koprosperität aller Bürger des Landes basierte, ermöglichte und sicherte allen Völkern und den Religionen des Landes die ehrsehnteste Erfüllung der größten Wünsche aller Völker der Erde: die Freiheit, Gleichheit, Einigkeit und Brü­der­lich­keit. Die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern, die das Wohl jeder Ge­sell­schaft ermöglicht und auch auf beste Weise sichert, hat schon durch den Partisanenkampf Tra­di­tion von höchstem Wert, sogar auch in moslemischen Kreisen.

Jede dieser freiheitskämpfenden Generationen hat auf die Erfahrungen von den vor­her­ge­gan­ge­nen aufgebaut und das Erbe auf die jeweils nächste höhere Ebene gebracht. Somit hat auch Jugoslawien als ein unabhängiges Land die Befreiungs- und Un­ab­hän­gig­keits­be­stre­bungen in vielen Ländern der Dritten Welt auf vielfache Weise selbstlos unterstützt. Die Kontinuität revolutionären Geistes setzte sich nach dem Ende des Jugoslawischen Staates (1990) in der Weltsozialforumsbewegung fort, die im Jahr 2001 in Porto Alegre (Brasilien) entstanden ist und die um die selben Werte bemüht ist.

Dipl.-Ing. Ante Čović, geb. 1951, ist Elektrotechniker und war Studentenvertreter in sei­nem ursprünglichen Heimatland Jugoslawien, war Unteroffizier der Ju­go­sla­wi­schen Volksarmee und befasst sich mit aktuellen politischen Entwicklungen.


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