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[Kojic] General Winter

Bloged in Diskussion,Krise by friedi Montag September 12, 2022

Die Medien berichten über die Erfolge der ukrainischen Armee. Aber ein Aspekt bleibt dabei meist unerwähnt: Der Winter. Tatjana Kojic erinnert daran, dass in einem Krieg nicht nur militärische Komponenten wirken.

Warten auf General Winter

von Tatjana Kojic

Der Krieg in der Ukraine ist in eine neue Phase eingetreten. Vom ersten Kriegstag an, als russische Fallschirmjäger auf dem Militärflughafen Antonov bei Gostomel landeten und die Welt davon überzeugt war, dass der Fall Kiews nur eine Frage der Zeit war, bis zum heutigen Tage ist viel Zeit vergangen. Viele neue Waffen wurden der Ukraine verkauft, viele Waffen aus Altbeständen in der Ukraine günstig entsorgt, viele Milliarden US-Dollar wurden in den Krieg gepumpt, damit sich die Ukraine „selbst“ befreien kann. Man wolle ja keinen offenen Krieg mit Russland – nur den verdeckten, den schmutzigsten. Nun, sechs Monate später gibt es  offenbar eine ukrainische Offensive.

Patt ist noch nicht Matt

Dies mag das erste Mal in der Geschichte sein, dass der Angreifer Ort und Zeitpunkt der Offensive bekannt gibt, aber nach sechs Monaten ununterbrochener Kämpfe in eine „Pattsituation“ kommt. Die Kreisstadt Balaklija sei im Osten des Landes zurückerobert worden, insgesamt seien seit Anfang September mehr als 1.000 Quadratkilometer von den russischen Invasoren zurückerobert worden“, triumphiert der ehemalige Schauspieler  Selenski. Die Russen haben im Donbass Halt gemacht und die große ukrainische Offensive bei Cherson ist allem Anschein nach das Ergebnis des unermüdlichen, die eigenen schädigenden Konsequenzen in Kauf nehmenden Überlebenskampfes der westlichen Eliten. Das ukrainische Regime und die Armee wird über deren Nabelschnur am Leben erhalten.

Aus heutiger Sicht hat die Verlangsamung der Militäroperationen der Ukraine offenbar Zeit gegeben, damit sie ihre Linien in der Nähe von Cherson konsolidieren können und so ihre Verteidigung im Donbass stärken zu können. Auf der anderen Seite steht Russland, das einen Monat Zeit hatte, um sich zu sammeln und seine Truppen neu zu organisieren. Es gibt zwei logische Vormarschlinien. Die eine ist, den Vormarsch von Cherson in Richtung Nikolajew und Odessa fortzusetzen, was im Wesentlichen keine so große strategische Bedeutung mehr hat. Waffen kommen nicht auf dem Seeweg in die Ukraine, sondern über Polen.
Die vielleicht logischere Linie für weitere russische Operationen führt nach Norden, zwischen Saporischja und Donezk. Durch das Vordringen östlich von Saporischja würden sich die ukrainischen Truppen im Donbass in einer sehr schwierigen Position befinden, die von drei Seiten umzingelt wäre. Aber dieses Szenario würde beiden Seiten große Verluste an Material – Menschen und Ausrüstung – bringen.

Welchen Preis ist man bereit zu zahlen?

Es ist interessant, dass man im Gegensatz zu den meisten westlichen Strategen, die uns davon überzeugen möchten, dass der Zusammenbruch Russlands unmittelbar bevorsteht, in Ländern, die nicht nur der Kontrolle der westlichen Medien unterliegen, auch Meinungen hören kann, dass Putin das Tempo des Krieges absichtlich verlangsamt hat. Es wäre logisch, dass Moskau so schnell wie möglich den Sieg anstrebt, aber man hat den Eindruck, dass der Kreml andere Pläne hat.

Das Timing passt für Putin, der offenbar auf einen günstigen Moment wartet, um Europa daran zu erinnern, von wem die Energiestabilität des Kontinents abhängt. Der beste russische Militärführer General Winter wird ihm dabei helfen. Er besiegte Napoleon und Hitler, und dieses Mal könnte er dem Kreml helfen, indem er die europäische politische Elite dazu zwingt, darüber nachzudenken, welchen Preis sie für das Überleben der Ukraine bereit sind zu zahlen.
Wenn Russland die Gasversorgung abschneidet, gibt es keine Heizung für alle in Europa, keinen Strom für Produktionsanlagen. Wer kauft dann deutsche Autos, fährt in Kitzbühel, Cortina d‘Ampezzo Ski? Was ist mit der Industrie? Der Westen ist einen hohen Lebensstandard gewohnt und muss jetzt auf etwas verzichten. Diese trotzige, sture und vorbehaltlose Unterstützung für die Ukraine, die nicht einmal eine theoretische Chance
hat, einen Krieg gegen Russland zu gewinnen, ist erstaunlich.

In diesem Sinne:
Schneedecke abwarten.
Nicht immer alles glauben. Wir wissen sehr wenig über die militärischen Verläufe. Das ist gut so.

Anm.: Friedi

Die Ukraie ist praktisch wirtschaftlich am Boden, das größte Atomkrafwerk ist in russischer Hand. Aktuell führt die russische Armee Angriffe gegen Infrastruktureinrichtungen durch. Auch wenn die ukrainische Armee aktuell Gebiete zurückerobert, ist zu bedenken, dass die Versorgungslage der Ukraine höchst bedenklich ist. Wie Kojic schreibt, kann der Winter das Blatt wenden – wenn die Ukraine fast vollständig vom Westen her versorgt werden muss, von einem Westen, der selbst in einer schweren Energiekrise steckt. Mag sein, dass das russische Militär schwächen hat, mag sein, dass die ukrainischen Streitkräfte taktisch geschickter sind – aber was nötig ist, ist die Versorgung der Menschen mit Strom, Nahrung, Medikamente und mit Wärme – und das könnte eben zu einen Umdenken, sowohl im Westen als auch in der Ukraine führen.

 

Kommentare	»
  1. Diese Darstellung der Vorgänge hat auch Kritik daran verursacht. Das sichtliche militärische Versagen der russischen Streitkräfte hat zu folgendem Einwand von Alfred geführt:

    Meine [Alfred ist gemeint] zuletzt gemachten Ausführungen bzgl. der offensichtlichen militärischen Erschöpfung der russischen Armee hat sich auf Grund der jüngsten Ereignisse als [noch] zu optimistisch herausgestellt. Die Lage muss immer mehr als desaströs bezeichnet werden. Nach den nur als stümperhaft einzuordnenden Aktionen (Schlachtkreuzer Moskwa, Schlangeninsel und v.a. der ungedeckte Panzervorstoß nach Kiev) hätte man erwarten können, dass die lange angekündigte Gegenoffensive im Süden um Cherson entsprechend begegnet werden würde (in diesem Gelände müsste man bei vorhandener Lufthoheit jegliche Offensive binnen Stunden zusammenschießen können), wenn man nicht durch eigene Initiativergreifung dies bereits im Keim ersticken könnte. Ob die Abnutzung der russischen Streitkräfte bereits so groß ist, dass sie gar nicht mehr dazu in der Lage sind oder die Konstante der strategischen Fehleinschätzung geschuldet ist, wird v.a. vor den daraus abzuleitenden Konsequenzen sogar 2.rangig, die da wären:

    Ohne die konkrete militärische-strategische Schlußbewertung des ukrainischen Erfolges vorwegzunehmen, gibt es jedenfalls jetzt schon einen enormen Reputationsverlust als dem Westen ebenbürtiger Kontrahent in der öffentlichen Wahrnehmung. Dies bedeutet die Aufwertung aller Kräfte im Westen, die die Sinnhaftigkeit von Waffenlieferungen befürworten (Debatten über die Grundsatzfrage, wem und welchen Zielen man da in Kiev überhaupt unterstützt ist ja mittlerweile völlig delegitimiert worden). Es schwächt die Position Russlands vor den Augen der positions-indifferenten Weltöffentlichkeit, die dadurch eher geneigt sein werden in das westliche Sanktionsregime einzutreten. Und v.a. es hat katastrophale Auswirkungen auf die Moral der kämpfenden Truppe, aber auch der v.a. im Donbass ansässigen Zivilbevölkerung. In Donezk und Umgebung hat es seit mehr als 7 Jahren keinen so intensiven Beschuss durch die ukrainische Armee gegeben, wie es dzt. der Fall ist. In den letzten Jahren waren die Opferzahlen in der Zivilbevölkerung faktisch nicht mehr nennenswert und eher auf Unfälle mit Minen zurückzuführen. Heute sterben dort täglich Zivilisten. Die subversive Tätigkeit des SBU mit seinen Bombenanschlägen gegen Vertreter der Zivilgesellschaft dürfen dabei auch nie außer Acht gelassen werden.

    Schon mit der Eskalation durch die am 24.Februar gestarteten Offensive hat sich Putin wohl aus der Notwendigkeit einen Überlebenskampf für die RF zu führen, in eine ausweglose Position begeben, die nur durch einen schnellen Siegfrieden ein Erfolg gewesen wäre. Vieles deutet darauf hin, dass man selbst nicht mehr an einen militärischen Erfolg glaubt, der nur durch wesentliche Verbesserung der Verhandlungsergebnisse zum Status Quo vor dem 24.Februar erkennbar gemacht werden könnte. Dies erscheint v.a. der wohl als dauerhaft zu erwartenden Nachschubsicherung durch den Westen geschuldet zu sein. Die Taktik jetzt durch den völligen Entzug von Energielieferungen nach Europa, und die daraus sich zwangsläufig ergebenden Verwerfungen in deren Gesellschaften den Grundstein für die Abwendung der Lebenserhaltung des Kiever Regimes zu bewegen, ist wohl der letztmögliche Trumpf den Putin glaubt, ausspielen zu können. Dabei schätzt er wohl aber, die mittlerweile totale hegemoniale Situation des gelebten Transatlantismus von Lissabon bis Tallin, wieder völlig falsch ein.

    Trackback by Friedi 12. September 2022 14:36

  2. abwarten und tee trinken ! es ist alles so ruhig, nicht einmal die westliche propaganda ist laut.
    meeting in ramstein, der ukrainische clown bekommt wieder geld…………….

    ach ja, die schule hat wieder begonnen, die förderklassen mit ukrainischen kindern füllen sich wieder, gelernt haben sie über den sommer nix, weil sie in der ukraine auf urlaub waren ;-)

    mal schauen, wie die show weiterläuft.

    abgesehen davon, weist die rede vom vladimir vladimirowitsch in wladiwostok im gegensatz zu den hiesigen kommentaren, kaum auf fehleinschätzungen hin.

    es kommt wirklich der winter…….

    Trackback by kurt strohmaier 12. September 2022 20:52

  3. https://www.broeckers.com/2022/09/03/notizen-vom-ende-der-unipolaren-welt-46/

    https://www.broeckers.com/2022/09/12/notizen-vom-ende-der-unipolaren-welt-48/

    https://www.anti-spiegel.ru/2022/in-den-von-der-ukraine-eroberten-staedten-finden-anscheinend-erschiessungen-statt/

    Trackback by kurt strohmaier 12. September 2022 21:11

  4. hatte als kommentar noch 3 links anghängt die jetzt hier nicht auffindbar sind.

    in einem wurde drauf hingewiesen, dass ukrainische söldner zivilisten massakrieren täten, die aktionen filmen um darus russiche massaker zu machen:

    die sind medial schon angekommen:

    Ukraine: Leichen mit Folterspuren in zurückerobertem Ort

    Die ukrainischen Behörden haben in einer zurückeroberten Ortschaft im Osten der Ukraine nach eigenen Angaben vier Leichen mit „Spuren von Folter“ entdeckt. Erste Ermittlungen wiesen darauf hin, dass die in Salisnytschne in der Region Charkiw gefundenen Menschen „von russischen Soldaten während der Besetzung des Ortes“ getötet worden seien, schrieb die regionale Staatsanwaltschaft heute auf Facebook.

    Drei der Leichen seien auf Privatgrundstücken gefunden worden, eine auf einem Fabrikgelände nahe dem Bahnhof. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die Behörden nach der ukrainischen Rückeroberung mehrerer Ortschaften Hinweise auf die Tötung mehrerer Bürger durch russische Soldaten erreicht.

    Die Leichen würden nun durch Rechtsmediziner untersucht, erklärte die Strafverfolgungsbehörde weiter. Es werde wegen Mordes und „Verstößen gegen das Kriegsrecht“ ermittelt.
    NGO appelliert an Behörden: Beweise sammeln

    Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft bereits aus dem ostukrainischen Dorf Hrakowe den Fund zweier Leichen mit Folterspuren und Einschusslöchern im Hinterkopf gemeldet.

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International appellierte an die ukrainischen Behörden, dem Sammeln von Beweisen für Kriegsverbrechen in den von Russland zurückeroberten Gebieten „Priorität einzuräumen“. Da diese Aufgabe aber „enorm aufwändig“ sei, müsse die internationale Gemeinschaft Kiew hierbei unterstützen.

    red, ORF.at/Agenturen

    Trackback by kurt strohmaier 12. September 2022 21:50

  5. nachtrag, wenn es funbktioniert:

    https://www.anti-spiegel.ru/2022/in-den-von-der-ukraine-eroberten-staedten-finden-anscheinend-erschiessungen-statt/

    Trackback by kurt strohmaier 12. September 2022 21:52

  6. fortsetzung:

    https://www.anti-spiegel.ru/2022/ukrainischer-vormarsch-und-meldungen-ueber-massaker-an-der-zivilbevoelkerung/

    Ukraine: In einer Woche mindestens 300 Orte befreit

    Bei ihrer Gegenoffensive hat die Ukraine in einer Woche im östlichen Gebiet Charkiw mindestens 300 Ortschaften mit knapp 150.000 Einwohnern und Einwohnerinnen auf 3.800 Quadratkilometern befreit. Das sagte Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar heute in Balaklija, einer der zurückeroberten Städte.

    Das seien nur die bestätigten Zahlen, sagte sie einer Mitteilung auf Telegram zufolge. Vermutlich sei das befreite Territorium im Gebiet Charkiw fast doppelt so groß. Morgen werde es weitere Daten geben.

    Die Ukraine wehrt seit Ende Februar den russischen Angriffskrieg ab. Seit Anfang September hat Kiew offiziellen Angaben nach bereits mehr als 6.000 Quadratkilometer in der Süd- und Ostukraine zurückerobert. Russland hatte zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent des Nachbarlandes kontrolliert. Die Angaben aus dem Kriegsgebiet lassen sich nicht vollständig unabhängig überprüfen.

    red, ORF.at/Agenturen

    Trackback by kurt strohmaier 13. September 2022 18:16

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