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[EU] Der nächste EU-Tiefschlag für Europa: Verbot der Verbrennungsmotoren

Bloged in Allgemein,Systemalternativen by friedi Donnerstag Juni 9, 2022

Das EU-Parlament stimmte für den nächste Tiefschlag für den europäischen Industriestandort: Das Verbot für Verbrennungsmotoren bis 2035 – noch können die Länderparlamente den Vorgang verzögern.

Ich beziehe mich hier auf Meldungen in den Medien – auf der Seite des EU-Parlaments gibt es jede Menge an Dokumenten – aber kaum was brauchbares zu finden. Die Dokumente auf der EU-Seite sind etwa aus dem Jahr 2019 und handeln nur von einer Abgasreduktion oder von einem Verbot von fossilen Brennstoffen. Von einem Verbot für Motoren ist eigentlich nichts zu finden (siehe https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20220603IPR32129/fit-fur-55-emissionsneutralitat-fur-neue-pkw-und-lieferwagen-ab-2035 ). Dieses Dokument befasst sich lediglich mit „Emissionsneutralität“, die ev. auch mit Bio-Diesel erreicht werden könnte). Die Berichte über ein Verbot von Verbrennungsmotoren in den Medien sind aber so zahlreich, dass ich die Vermutung habe, dass so ein Verbot tatsächich kommen wird.

Vermutlich ist das Verbot ein Verbot für Motoren, die umweltschädliche Gase ausstoßen – wie oben angedeutet – was aber bei jedem Verbrennungsprozess passiert – außer es wird Wasserstoff verbrannt. Dieses Verbot, so es wirklich kommt, würde bedeutet, dass Fahrzeuge nur mehr elektrisch oder mit Wasserstoff angetrieben werden dürften. Das Europaparlament würde damit die technologische Entwicklung von Fahrzeugen in Europa per Gesetz festlegen.

Auch wenn Grünabgeordnete darin einen Innovationsimpuls sehen und meinen „[k]ünftig würden die besten Elektroautos und neuesten Batterien aus Europa kommen“ (Tagesschau), dürfte das Verbot eher einen Tiefschlag für die technologische Entwicklung (und vermutlich auch für die Umwelt) darstellen.

So warnen auch etwa 300 Wissenschaftler vor diesem Schritt (siehe: https://www.watson.ch/digital/international/735566237-300-wissenschaftler-warnen-eu-vor-verbot-fuer-verbrenner-autos ). Auch wenn der Blog watson.ch in dieser Warnung ein letztes Aufbäumen der Lobby der Verbrennermotoren sieht, scheint mir der Schritt des EU-Parlaments zu radikal – und dies aus mehreren Gründen:

1.) Es ist ein diktatorischer Eingriff, der praktisch positive Zukunftsentwicklungen – etwa auf dem Gebiet synthetischer Treibstoffe oder besserer Abgasfilter usw. blockiert. Wird die technologische Entwicklung so diktatorisch gelenkt, erweist sie sich meistens als eine Fehlleitung. Vor allem, das Verbrennungsmotoren allgemein weiterhin benötigt werden – etwa für Flugzeugantrieben oder in stationären Anlagen.

2.) Für viele  – gerade mobile Anlagen – ist der Elektroantrieb nicht geeignet. Es seien hier nur mobile Notstromaggregate oder Geräte für den Katastrophenfall genannt. Ein Verbot für Verbrennungsmotoren in Fahrzeugen hat auch Nebeneffekte auf diese Bereiche.

3.) Für Militärfahrzeuge – etwa Panzer – ist der Elektroantrieb aufgrund der notwendigen Versorgungsinfrastruktur, die im Gefecht oder im Katastrophenfall nicht gegeben ist, kaum tauglich.

4.) Die Umweltbelastung in der Produktion von Batterien und E-Fahrzeugen sind für die Nutzungsdauer der Fahrzeuge wesentlich höher. Bis auf Weiteres ist vermutlich ein optimierter Verbrennungsmotor in einen Kraftfahrzeug CO2 optimaler als ein Elektroantrieb.

5.) Mit dem Verbot werden moderne, noch funktionierende Fahrzeuge als Schrott deklariert und aus der Nutzung ausgeschieden. Die in diese Fahrzeuge investierten Ressourcen werden vernichtet. Das ist ökologisch und ökonomische Kontraproduktiv.

6.) Wenn Anlagen, die auf Verbrennungsmotoren angewiesen sind, mit Wasserstoff betrieben werden sollen, so muss diese Infrastruktur sowie die zugehörigen Produkte erst aufgebaut werden – was ebenfalls gewaltige Ressourcen benötigt und bestehende Ressourcen entwertet.

Vernünftiger wäre es also, kein hartes Verbot auszusprechen, sondern Entwicklungsanreize zu setzen, damit die Ablöse oder Nachrüstung von Diesel- und Benzinmotoren in Kraftfahrzeuge und Ergebnisoffen erfolgt, die Alternativen ermöglicht. Immerhin gelten synthetische Kraftstoffe aus Alt-Speiseöl als CO2-neutral – ebenso Gasmotoren die mit Bio-Gas betrieben werden (in Erinnerung zu rufen: Holzgas in den 1940er Jahren).

Franz Viehböck hat in einem Interview mit der Wiener Zeitung auf die Problematik des Elektro-Autos hingewiesen:

Wieso schaden Elektroautos der Umwelt?

Das hört man leider nur sehr wenig. Weil die Erzeugung dieser Autos, speziell der Batterien, extrem energieaufwendig ist. Und die Erzeugung erfolgt hauptsächlich in China. Die Energie, die dafür notwendig ist, kommt aus Kohlekraftwerken. Da gibt es verschiedene Studien: Mit so einem Elektroauto, wenn das bei null Kilometern zu fahren beginnt, dauert es 100.000 bis 150.000 Kilometer, bis man einen Break-even mit einem modernen Einspritzmotor erreicht. Also Diesel oder Benzin.

Hat der Verbrennungsmotor also nur ein Imageproblem?

Zweifellos ein Imageproblem. Solange nicht die Primärenergie von den Kraftwerken hauptsächlich nachhaltig erzeugt wird, also nicht über Kohle, ist dieses Thema vorhanden. Das wird leider bei uns nicht beachtet und in China werden neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen. Und wir wundern uns, warum die CO2-Bilanz jährlich schlechter wird. Aber wir tragen einen sehr großen Teil dazu bei.

(Wiener Zeitung, 2.6.2022)

Auch wenn es die GRÜNEN im EU-Parlament gut meinen, kann man hier nur den alten Spruch zitieren: Das Gegenteil von gut gemeint ist gut gemacht.

Graz, 9.6.2022, W.Friedhuber

 

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