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[Brunath] Zum Gedenken an die Sowjetunion und ihre Bedeutung

Bloged in Allgemein by friedi Dienstag Januar 4, 2022

Anlässlich der Auflösung der UdSSR am 31.12.1991 reflektiert Reiner Brunath, was die Welt an der UdSSR verloren hat.

Dreißig Jahre nach der Auflösung der Sowjetunion

Auf die Gründung der Sowjetunion 1917 – 1922 reagierten die Westmächte extrem feindlich. Sie beteiligten sich an einem Bürgerkrieg, den die junge Arbeiterrepublik nur mit größter Kraftanstrengung überstand. Schon früh musste die junge Sowjetrepublik erkennen, dass ihr eine friedliche Entwicklung verwehrt werden würde, dass sie sich auf einen großen kolonialen Krieg gefasst machen musste, den sie aber versuchte mit diplomatischen Mitteln zu verhindern. Sie ging als allerletztes Mittel sogar soweit, mit ihrem größten Feind, dem deutschen Nationalsozialismus, einen Nichtan-griffspakt zu vereinbaren.

Auch das half ihr nichts, denn der vom deutschen Industriekapital ins Reichskanzleramt gehievte Adolf Hitler erteilte schon im Februar 1933 der Reichswehrführung den Kriegsauftrag gegen die Sowjetunion. Vorher hatte sich Moskau in einer diplomatischen Offensive bemüht, mit dem Westen ein System kollektiver Sicherheit in Europa zu schaffen. Dagegen stellten sich London und Paris taub, ja diese Mächte bekundeten mit ihrer Unterstützung für den faschistischen Putsch in Spanien klar kriegerische Absichten gegen die Sowjetunion – und machten damit den Zweiten Weltkrieg möglich. Das letzte Signal der Westmächte an Hitler war die Auslieferung der verbündeten Tschechoslowakei mit dem Münchner Abkommen, womit beide Mächte klar machten: Sie gaben dem nazideutschen Feldzug nach Osten grünes Licht.

Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Weltkrieges, wirtschaftlich wie auch an Menschenleben. Ihre Verluste konnten nie völlig durch Reparationen, die fast ausschließlich die DDR zu leisten hatte, ausgeglichen werden1. Sie erholte sich bis zu ihrer Selbstauflösung nie, konnte aber früh durch Bündelung ihrer verbliebenen Ressourcen schnell das Atomwaffenmonopol der USA knacken, erlangte sogar in der Raketentechnik einen Vorsprung und schließlich ein strategisches atomwaffentechnisches Gleichgewicht. Das bewahrte sie zumindest vor einem neuerlichen Überfall – dieses Mal mit Atomwaffen durch die USA, die solche Pläne schon in der Schublade hatte.

Es begannen seitens der USA die Jahre des Wettrüstens und maßloser Forschungsanstrengungen im Bereich der Waffentechnik – dem finanziell die sozialistischen Länder nichts entgegen setzen konnten. Ein US-Stratege sprach bald von einem »Obervolta mit Atomwaffen«. Arroganter konnte man sich nicht darstellen, das sich sogar nach dem Ende der Sowjetunion fortsetzte und einer Mischung aus Rassismus und Größenwahn entsprach.

Hatte das Gleichgewicht des Schreckens für relative Berechenbarkeit in den internationalen Beziehungen gesorgt, gab es für die USA ab 1991 keinen Anstand mehr. Das Faustrecht bestimmte in den so genannten »Weltordnungskriegen« der vergangenen 30 Jahre die Politik der USA, dem Millionen Menschen zum Opfer fielen. Der Vietnamkrieg ist noch in deutlicher Erinnerung, nach 1991 war es u.a. Jugoslawien, Libyen, Irak, Syrien, Mali und zuletzt Afghanistan – und keinen dieser Kriege konnte das US-Imperium trotz waffentechnischer Überlegenheit als Sieg verbuchen. Und der kleine imperiale Träumer, das wiedervereinte Deutschland, war in irgendeiner Form immer dabei, was in geostrategischer Dimension letztlich auch die jetzige Konfrontation mit Russland herbeigeführt hat. Der US-Imperialismus hat innerhalb von dreißig Jahren mit seinen europäischen Vasallen ein Welt-Chaos geschaffen, das heute mit sich überlagernden Krisen das Überleben der Menschheit in Frage stellt.

Die Sowjetunion war nach dem zweiten Weltkrieg Mitbegründer der UNO, war von Anfang an solidarisch mit den Befreiungsbewegungen in den Kolonialreichen was u.a. zur Auflösung des britischen Empire und der französischen Territorien in in der Welt führte. Ohne die Existenz einer Sowjetunion hätte es kein revolutionäres China gegeben und nicht zuletzt dessen Aufstieg zu einer Weltwirtschaftsmacht, es hätte keine Kubanische Revolution gegeben, kein befreites Vietnam und keine Auflösung der Apartheid in Südafrika. Das sind die eigentlichen und heute noch wirksamen bleibenden Ergebnisse des roten Oktober 1917 und der 70 Jahre Existenz der Sowjetunion. Die These, das Ende der Sowjetunion sei auch das aller Geschichte, war eine typische Wunschvorstellung, die dem Imperialismus eigen ist und die zu Irrationalismus führt. Tatsache ist: Das Vermächtnis der Sowjetunion bestimmt heute immer noch oder besser „erst recht“ den Gang der Geschichte, wozu die heutige westliche Konfrontation mit Russland genau so gehört, wie die Politik der USA gegenüber China. Es scheint, dass sich die Periode des kalten Krieges, der Jahre 1950 – 1990 wiederholt. Einst hatte der Sputnik-Schock von 1956/57 die Welt vor einem atomaren Winter bewahrt. Heute stehen China und Russland in Allianz zusammen, was in seiner Dimension der Verteidigungsfähigkeit ein Vielfaches von dem darstellt, was einst die Sowjetunion aufbringen konnte. Heute befindet die Waage der Geschichte den Wertewesten als zu leicht. Ob das Anhänger des Big Stick zur Vernunft zwingt ist trotzdem nicht sicher. Alles hängt davon ab, ob die Erben der Sowjetunion und China gemeinsam ihren Vorsprung halten und sogar ausbauen können. Gelingt das, dann hat die Menschheit noch eine zweite Chance.

Rainer Brunath, Hamburg 31.12.2021

1Siegfried Wenzel, (Staaliche Plankommision der DDR) errechnete, die SBZ/DDR habe 97 bis 98 Prozent der Reparationslast Gesamtdeutschlands – pro Person also das 130-fache – betragen.

 

 

 

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