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Zapatistas: Ein Beleg, dass eine andere Welt möglich ist.

Bloged in Allgemein,Revolutionen,Systemalternativen by friedi Donnerstag Oktober 7, 2021

Basisdemokratie

Another World

Vom 4.10. – 6.10. war eine Delegation der mexikanischen Zapatistas in Graz (siehe: https://www.zapalotta.org/zapatistas-in-graz/  ). Ausschnitte der interessanten Gespräche gibt es auf Radio Helsinki ( https://helsinki.at/news/zapatistas/ ).

Die Zapatistas haben sich gegen den Mexikanischen Staat ihr Recht auf autonome Lebensweise erkämpft. Sie sind damit der schlagende Beweis, dass eine andere Welt – eine Welt ohne „schlechte Regierung“ möglich ist.

Wie diese Welt – für die Zapatistas – aussieht konnte in den zwei Tagen direkt und authentisch in Erfahrung gebracht werden.

Die Zapatistas „regieren“ sich selbst. Ihre Gesellschaft ist von der unmittelbaren menschlichen Beziehung – Familie – Dorf – also vom unmittelbaren Lebensraum in den Entscheidungen getragen: Eine direkte Demokratie, die auf Konsens in den kleinsten Einheiten besteht. Durchgeführt wird nur das, dem alle zustimmen.

Diese Haltung verursacht auch den Konflikt mit der Zentralregierung. Straßen, Fabriken usw. können nur gebaut werde, wenn alle im Dorf zustimmen – und die stimmen nur zu, wenn das zu Bauende für sie selbst einen Nutzen hat. Wenn eine Regierung etwas umsetzen will, das von der Dorfgemeinschaft nicht von allen als wünschenswert betrachtet wird, so sprechen die Zapatistas von einer „schlechten Regierung“ und lehnen sie ab. Die aufgezwungenen Projekte, so sie die Regierung umsetzen will, wurden auch mit Waffengewalt bekämpft. Aktuell versuchen die Zapatistas mehr durch kollektiven ihre Autonomie aufrecht zu erhalten.

Gemäß dieser Grundhaltung lehnen die Zapatistas auch jegliche Vergünstigung der Regierung ab: Keine Pension, keine Saatgutschenkungen, keine finanzielle Hilfe. Auch keine Altersheime o.ä. Ihre kollektive Autonomie ist ihnen mehr wert, als jeder Luxus oder jegliche Annehmlichkeit. Die Zapatistas kümmer sich kollektiv um ihre Alten und Kranken. Die Alten haben gesellschaftlich einen hohen Stellenwert und werden als „kulturelles Gedächtnis“ in Ehren gehalten.

Die Kultur der Zapatistas baut auf gegenseitige Achtung und Respekt auf. Anders wäre auch diese Art von Basisdemokratie nicht möglich. Nur wenn die Gemeindemitglieder nicht stur auf individuelle Vorteile beharren, ist diese Art von Abstimmungskonsens möglich.

Ihre Eruopareise folgt dieser Einstellung. Die Zapatistas haben kein Geld um die Reise zu bestreiten – sie werden auch nicht subventioniert. Sie haben sich darauf verlassen, dass interessierte, mit ihnen sympathisierende Gruppen sie aufnehmen und begleiten werden. Ein mutiger Ansatz. Man muss sich vorstellen, dass die meisten Mitglieder der Delegation zuvor kaum ihr Dorf verlassen haben – und nun verlassen sie sich bei einer Reise voller Risiken voll auf die Sympathie völlig fremder Menschen. Bisher ist es gut gegangen. In allen europäischen Ländern gab es genug Menschen, die gern bereit sind, den Zapatistas zuzuhören und auch für ihre Reise durch Spenden und durch aktive Mitwirkung (Nächtigung, Verpflegung, Transport, Organisation) zu unterstützen – also die Gruppen als Teil ihrer Organisationen aufzunehmen und sich um sie zu kümmern – ganz im Sinn der zapatistischen Ideologie. Die Zapatistas in diesen Gruppen als wertvolle Erfahrungsbringer empfangen und in einen basisdemokratischen, niederschwelligen Diskurs eingebunden worden – auch wenn das die Planung und Durchführung der Veranstaltungen in unserer strikt getakteten Kultur zu einer nervenzerreissenden Angelegenheit für die Organisatoren werden ließ. Die Zapatistas waren eben nicht einfach „eingeladene Gäste“ sondern Aktivisten, die bei der Planung gleichrangig mitreden konnten .

Diese Reise hat bisher bereits gezeigt, dass das Grundkonzept des gegenseitigen menschlichen Respekt auch in der europäischen Bevölkerung noch nicht ausgestorben ist.

Freilich, die Lebensweise der Zapatistas ist agrarisch orientiert. Damit ist es nicht möglich, ihre Lebensweisen als Modell für eine arbeitsteilige Stadtkultur  so ohne weiteres zu übertragen – die Grundhaltung des gegenseitigen Respekts und das Prinzip der Basisdemokratie ist aber sehr wohl als Modell auch für Stadtkulturen denkbar. Dafür muss aber der aktuelle brutale Kapitalismus überwunden werden, um die menschlichen Interessen wieder über die monetären Überlegungen zu stellen.

Noch bereisen die Zapatistas Österreich und Europa. Alle Menschen, die nach nachhaltigen Gesellschaftslösungen suchen, ist zu empfehlen, einen der Termine wahrzunehmen, an dem direkt mit einer zapatistischen Delegation gesprochen werden kann.

Information über die Österreichreise ist unter https://www.zapalotta.org/ oder auf https://www.facebook.com/Zapalotta/ zu finden.

Graz, 7.10.2021., W.Friedhuber

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