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Lobautunnel – ein Beispiel für zweierlei Maß

Bloged in Allgemein by friedi Sonntag Juli 25, 2021

Aktuell wird Umweltministerin Leonore Gewessler (GRÜNE) heftig attakiert, weil sie gemäß ihrer Verantwortung agiert und die Straßenbauprojekte die in der Gesinnung des vorigen Jahrhunderts projektiert wurden, prüfen lässt (siehe: ORF).

Aber Umweltschutz scheint für SPÖ und ÖVP nur etwas zu sein, was man für Propagandazwecke oder zu Steuerehöhung nutzen kann. Kanzler Kurz (ÖVP) glaubt sogar, dass Straßenbauprojekte technische Innovationen wären ohne die wir in die Steinzeit zurückversetzt werden (siehe etwa Salzburger Nachrichten).

Umwelt und Klimaschutz also nur wenn es Brasilien oder China betrifft – aber die heimische Wirtschaft soll da einen Freifahrtschein bekommen.

Reinhard Loidl hat, in Anschluss an die Analyse des Loabau-Tunnelprojekt von Moment die Auswirkungen des Lobauprojekts für die Umwelt dargestellt:

Klimatisch und sozial kontrafaktische Projektumsetzung

Dass der Tunnel bzw. die Schnellstraße/Halbautobahn ausgerechnet und punktgenau zu einer Zeit gebaut werden soll, in der der Klimawandel bereits voll in Form von Katastrophen zuschlägt, ist blanker Hohn.

Auch der soziale Aspekt wird [in dem Moment-Artikel] gut beleuchtet.

Aber es gibt noch weitere, meiner Meinung nach massive Argumente gegen den [Lobautunnel].

Dazu muß ich einen kleinen Schritt zeitlich zurückgehe. Erwähnen will ich, dass ich in den 1980er und 1990er Jahren extrem oft in den Donauauen war und auch heute mindestens 2-3mal jährlich [dort bin]. Die Lobau (genauso die Stopfenreuther Au, die Au rund um Orth a.d. Donau usw.) hatte damals [1980 ist gemeint] selbst in den von der Donau abgeschnittenen Altdonauästen Wasserzufluß über das Grundwasser.

Kraftwerk Freudenau lässt den Grundwasserspiegel sinken

Von 1992 bis 1996 wurde das Donaukraftwerk Freudenau errichtet. Als Folge der höheren Strömung unterhalb des Kraftwerks und des fehlenden Gesteingeschiebe aus den Gebieten oberhalb (flußaufwärts) des Kraftwerks, grub sich die Donausohle flussabwärts massiv ein (sank also ab) und damit sank ebenso der Grundwasserspiegel (und Beides sinkt immer weiter).

Die Au trocknet aus

Dadurch wurden die Donaualtarme vom Wasser abgeschnitten und es begann eine Umwandlung der weichen Au (Biologensprache: von Wasser durchspülte Au mit zugehöriger Flora und Fauna) in eine harte Au (im Prinzip eine „normale“ Waldlandschaft und Heidelandschaft mit sehr starkem Artenverlust).

Es trieb mir persönlich die Tränen in die Augen, zuzusehen zu müssen, wie Altarme, durch die ich Jahre zuvor mit dem Schlauchboot geglitten war, trockenfielen und statt Wasser nur mehr Schlamm enthielten.

Dotierung kann die Au erhalten

Diese negative Entwicklung könnte man stoppen und umkehren, wenn einerseits der Grundwasserspiegel stabilisiert wird und andererseits die Altarme „dotiert“ werden, also Wasserzuflüsse erhalten. Dankenswerter Weise ist dies heuer in der Stopfenreuther Au bei Hainburg geschehen, indem ein Damm entfernt wurde und damit wieder Donauwasser in die Auarme strömt.

Eine derartige Dotierung wurde für nur 2 Monate vor Jahren von der Stadt Wien für die Lobau durchgeführt, indem Wasser der Alten Donau in die Lobauarme geleitet wurde.

Für die Lobau wurde die Au-Bewässerung eingestellt

Das wurde wie gesagt äußerst rasch wieder eingestellt. Grund, und damit sind wir beim Thema: die geplante Lobauautobahn. Die Lobau wieder in eine weiche Au zu verwandeln würde nämlich den Tunnelbau unmöglich oder zumindest technisch extrem aufwendig und teuer machen (Stichwort: wasserführende Schichten).

Der Tunnel wird den Grundwasserfluss der Au abschneiden

Umgekehrt: wird die Lobauautobahn gebaut, dann schneidet der Tunnel den noch vorhandenen Grundwasserstrom entzwei. Selbst bei Maßnahmen, die den Grundwasserspiegel donauabwärts des KW Freudenau wieder zum Steigen bringen würden, bliebe die Lobau vom steigenden Grundwasserspiegel abgeschnitten.

Der Tunnel ist der Tod der Au

Kurzum: es geht hier um nicht mehr oder weniger, als den Tod der Lobau (und der Aulandschaft bis zumindest Orth a.d. Donau), oder die Chance, sie wieder in eine lebendige weiche Au versetzen zu können.

Zerstörung der Au-Landschaft und Artensterben sind die Folge

Wir reden also abgesehen von den anderen Argumenten auch davon, ob eine einzigartige Aulandschaft (derer in Europa nur mehr extrem wenige vorhanden sind) gerettet oder zerstört wird. Das bedeutet entweder den Verlust und die Auslöschung von tausenden von Arten (Flora und Fauna), Artensterben läßt grüßen, oder deren Erhalt.

Übrigens: Auwälder und Aulandschaften stellen Primärwälder dar. Die allesamt, auch abseits von Aulandschaften, inzwischen weltweit extrem selten werden.

Und hier schließt sich der Kreis zum Klimawandel: Zurecht erklärt die Wissenschaft, dass Primärwälder ein gewaltiger Faktor bezüglich die Klimawandels sind. Aber eben nicht nur Klimawandel, sondern auch die Frage eines drohenden massiven Artenverlusts und des drohenden Verlusts eines unwiederbringlichen Naturjuwels.

LG, Reinhard

Die Wiener SPÖ und die Bundes-ÖVP zeigen damit in der Praxis ihr wahres Gesicht: Klimaschutz nur, wenn die eigene Clientel auf nichts verzichten muss. Die vernüftigeren Bahnprojekte scheinen nicht lukrativ genug zu sein für die Bodenspekulanten und die Auto-Lobby.

Loidl zeigt hier gut auf, dass die Diskussion um Verkehrsströme, Siedlungsraumerschließung usw. propagandistisch vielleicht vielen Menschen noch eine Sinnhaftigkeit solcher Projekte suggerieren (überhaupt wenn sie medial intensiv beworben werden) – dass die Folgen dieser Straßenbauvorhaben aber genau das sind, was dann später als Katastrophenmeldung die Medien füllt: Zerstörte Natur, Verlust von Lebensraum, zerstörte Grundwasserflüsse und beschleunigtes Artensterben – und alles nur, um eine Lobby zu bedienen.

Graz, 25.7.2021, W.Friedhuber

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