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VOM GESCHEITERTEN KÜNSTLER ZUM “ FÜHRER“

Bloged in Allgemein by friedi Sonntag April 22, 2012

Ian Kershaw Hitler 1889-1936 (Rezension von Hermann Dvorczak)

Während der zweite Band der Hitler-Biograhie von Ian Kershaw mit der bereits relativ konsolidierten Herrschaft der Nazis einsetzt, schildert Band eins den Aufstieg des Nationalsozialismus und den -persönlichen-Werdegang Hitlers: vom gehätschelten Muttersöhnchen, über den gescheiterten Künstler hin zum unumstrittenen „Führer“ der NSDAP.Hitler wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker, die Mutter hingegen vergötterte den kleinen Adolf.

Systematisches Lernen war Hitlers Sache nicht, schon gar nicht einem geregelten Beruf nachzugehen. Er war ein ziemlicher Sonderling. In Wien angekommen lebte er u.a. im Männerheim. Schon früh fiel er durch sein rechthaberisches, endloses Monologisieren auf- insbesonders über seinen kulturellen Fixstern Richard Wagner.

Das Weltbild, das er sich zusammentzimmerte, war ein krudes Gemisch aus
Deutschnationalismus, Tschechen- und Judenhaß, Frauenfeindlichkeit- ja Angst vor Frauen und Geifer gegen die „Roten“. Für den christlichsozialen, antisemitischen Bürgermeister Karl Lueger hegte er -Zeit seines Lebens- eine starke Bewunderung.

Hitler verließ schließlich 1913 Österreich und ging nach München. Auch hier war er weitgehend nur eine gestrandete Existenz. Die große Zäsur in seinem Leben beginnt mit dem Ersten Weltkrieg. Er meldet sich freiwillig zum Wehrdienst, wird verwundet. Auch nach der Niederlage Deutschlands verbleibt er in der Armee. Man bietet ihm dort einen speziellen Job: Agitator gegen die Linke, den „Bolschewismus“.

Hitler kommt mit diversen rechtsextremen Gruppiereungen in Kontakt. Er wird schließlich 1919 Mitglied der DAP(Deutsche Arbeiterpartei), die sich zur NSDAP entwickelt.

Hier wächst er zunehmend in eine zentrale Rolle hinein – insbesonders als Volksredner – als „Trommler“(S 215ff).

Auch er selbst sieht sich (noch) nicht als DEN Führer- er spricht (in der Mehrzahl) von „Führungsgestalten in der Zukunft“.

Aber über Kontakte zur Reichswehr, zu Ludendorff, wegen des – gescheiterten- Putschs 1923, dem anschließenden Prozeß, den er als politische Tribüne zu nutzen weiß, der „Haft“ in der Festung Landsberg, wo er geradezu Hof hält, wird er zur Schlüsselfigur der völkischen Rechten.

Der Führer-Mythos entsteht und er selbst webt emsig an ihm.

Obwohl nach 1924 eine gewisse ökonmische Stabilisierung eintritt und die extreme Rechte einige Wahlschlappen erleidet, „vergißt“ man Hitler nicht bei den traditionellen Eliten.

Kershaw besticht durch die enge Verschränkung von Individual- und allgemeiner Geschichte. Er legt umfassend dar, was die generellen gesellschaftlichen Faktoren waren, die den Nationalsozialismus hervorbrachten. Aber auch die spezifische, prägende Rolle die Hitler dabei einnahm, wird unmißverständlich herausgearbeitet. An einer Stelle heißt es sehr bezeichnend : Wäre 1923 Hitler beim fehlgeschlagenen Putsch ums Leben gekommen, „wäre die Weltgeschichte anders verlaufen“(S.266).

M.E. ist diese Einschätzung richtig. So wie Revolutionen „Lokomotiven der Geschichte“ sind, bedarf es bestimmter Personen, damit sich allgemeine gesellschaftliche Prozesse konkret kristallisieren: kein wissenschaftlicher Sozialismus ohne Marx und Engels, keine -siegreiche- Oktoberrevolution ohne Lenin und Trotzki.

Hitler ist lernfähig, er beweist politischen Instinkt: Um an die Macht zu kommen, muß er (wie Musssolini) u. a. ein Bündnis mit der Armee eingehen( S. 274).

Und tatsächlich händigt ihm die herrschende Klasse 1933 die Macht aus.

Um die errungene Macht zu erhalten und weiter auszubauen, opfert Hitler sogar seine Stoßtruppen. Unter dem machiavellistischen Vorwand, sie hätte einen Putsch gegen ihn vorbereitet, läßt er 1934 die SA-Führung über die Klinge springen(S.627 ff).

Wien, 22.4.2012, Hermann Dworczak

Ian Kershaw: Hitler 1889- 1936. DVA: Stuttgart. 1998, 972 Seiten.
(Die Rezension zum 2. Band)

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