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Israel – Palästina – Holocaust: Die Instrumentalisierung von Leid zur Erzeugung neuen Leides

Bloged in Allgemein by friedi Sonntag Februar 2, 2020

Israel – Palästina – Holocaust – diese Bedeutungskombination ist unzulässig. Wird noch der Begriff des Antisemitismus in diese Bedeutungskette gestellt, so wird das geschürt, was vorgeblich vermieden werden soll.

Auch wenn die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschen Reichs immer mehr exklusiv auf die Judenverfolgung fokussiert werden, ist dieser Fokus, angewendet auf die modernen Demokratien Europas unzulässig. Auch die Zuordnung von historischen Berechtigungen für ein Volk, Rasse oder Glaubensgemeinschaft sind anachronistische Überbleibsel einer vergangen Zeit.

Auschwitzgedenken

Quelle: Österreich, 23.1.2020, S. 10

Wenn der Befreiung Auschwitzs gedacht wird, so ist dies nicht unter religiösen Gesichtspunkten zu tun, sondern unter humanen. Dass gerade und vor allem die jüdischen Menschen aufgrund ihrer Abstammung im nationalsozialistischen Reich und dessen eroberten Gebieten verfolgt und ermordet wurden und ein blindwütiger Rassenwahn grausamste Verbrechen gegen die Zivilisaton angerichtet hat, soll geradezu als Warnung dienen, keinen Rassismus oder religiösen Fanatismus zu fördern.

Dies versuchen aber einige Politiker in Israel. Israel ist kein „Judenstaat“ (auch wenn Theodor Herzl 1896 davon träumte) sondern eine moderne Demokratie. Wäre Israel ein „Judenstaat“ also ein fundamentalreligöses oder rassistisches Gebilde, müsste Israel vor der Weltöffentlichkeit gemaßregelt werden, so wie einst Südafrika oder wie heute noch der Iran. Irsael müsste mit Handelssanktionen belgt werden um den Rassismus und den religiösen Fundamentalismus und die daraus folgende Unterdrückung aufzugeben (wie der Westen sonst mit Iran, Russland und ehedem Südafrika verfahren ist).

In der aktuellen Realität sind aber von einigen Kreisen andere Strömungen zu bemerken: Landraub, illegale Aneignung von Territorien, Unterdrückung der eingesessenen Bevölkerung usw. werden mit einem Geflecht von religiös- nationalistischen und historischen Begründungen und Kampagnen erklärt. Unterstützt von der USA werden Bodenspekulanten und Machtinteressen in Israel geschützt und gefördert – gegen internationales Recht und unter Diskriminierung der ortsansässigen Bevölkerung. Jegliche Kritik an diesem Vorgehen wird als Antisemitismus gebrandmarkt.

Gleichzeitig werden historische Ereignisse in einem Maße instrumentalisiert, dass andere Geschädigte und Leidtragende vor dem Kopf gestoßen werden. Das Gedenken an die Auschwitzbefreiung zeigt es deutlich: Der österreichsche Präsiden wird etwa in der Tageszeitung Österreich mit Kippa – einem Zeichen der jüdischen Religion – in die Öffentlichkeit – abgebildet. Dadurch wird propagandistisch das Leiden und die Morde von Auschwitz monopolisiert auf eine völkische Religionsgemeinschaft.

Gleichzeitig wird die Kritik an den völkerrechtswidrigen Vorgehen Israels gegen die palästinensische Bevökerung unter Zuordnung zum Antisemitismus und zu rechtsradikalen Widerbetätigung kriminalisiert. Es werden also ständig in manipulativer Weise Konflikte konstruiert, die eines zum Ziel haben: Das Vorgehen von Kapitalinteresse in Israel, USA und in Europa, sowie die persönliche Inanspruchnahme von Grundstücken ohne völkerrechlicher Legitimation der Kritik zu entziehen.

Die Gründung Israels war eine Folge der Judenverfolgeung im Dritten Reich. Jüdische Auswanderer haben sich in Israel mit Mut, Ausdauer und Terror einen Lebensraum erkämpft. Der Staat Israel ist heute ein moderner Staat im der westlichen Staatengemeinschaft. Aber das Vorgehen der Politik in Israel heute hat nichts mehr mit dem Holocaust zu tun – es gibt keine Judenverfolgung mehr – es hat nur etwas mit Besitzstreben zu tun.

Dass versucht wird, dieses illegale Vorgehen einiger Kreise in Israel durch historisch-religiöse Konstruktionen legal erscheinen zu lassen oder, wenn das nicht gelingt, es wenigstens der Kritik zu entziehen ist aus Sicht des Gewinnstrebens verständlich aber zutiefst unmoralisch. Es ist auch kein rassisch-religiöses Problem sondern ein Problem von Geschäftemacher – nicht nur in Israel, auch in Österreich, Deutschland und in der USA.

Wenn nun landauf landab über einen zunehmenden Antisemitismus geklagt wird (etwa von Van der Bellen oder Edtstadler im Zeitungsartikel Österreich, 3.1.2020, S. 10), so sind dies die Früchte dieses Vorgehens. Palästinenser werden ihres Landes beraubt, Kriegsopfer werden vereinnamt oder marginalisiert, Eingriffe in die Politik von Staaten; all das sind eben Teile eines Vorgehens, die Menschen aufregen (der Staat Israel verbietet sich für sich soetwas vehement). Wenn dann auch noch friedlicher und legitimer Protest dagegen kriminalisiert wird, hat man alle Zutaten zum Brei von Hass und Zorn beieinander.

Graz, 3.2.2020, W. Friedhuber

PS.: Auszug aus einem differenzierteren Artikel zum Auschwitzgedenken in Teleopolis:

„Nie wieder Auschwitz!“ Das sagt sich leicht. Aber was heißt es? Genauer: Was sollte es heißen?

[…]Was meint man, wenn man „Nie wieder Auschwitz!“ sagt, mit „Auschwitz“?

Sicher nicht nur das KZ von Auschwitz-Birkenau. „Auschwitz“ ist die Metapher, die für die ganze wohl-organisierte, industriell betriebene Vernichtungsmaschinerie steht, für die jenes Lager nur die Eisbergspitze war. So weit, so richtig.

„Auschwitz“ steht, so sagt – und denkt – man oft, für die ganze „Shoa“, den „Holocaust“. Ein semantischer Fehler, den heute freilich fast schon jeder von uns automatisch macht.1 Wer diesen Fehler macht, der vergisst 5 Millionen Tote. Präziser: macht sie damit vergessen.

Dem Holocaust (dem Genozid an den Juden) fielen etwa 6 Millionen Menschen zum Opfer. Die „Auschwitz“-Maschinerie vernichtete aber insgesamt fast das Doppelte, etwa 11 Millionen Menschen (außer Juden auch „Homosexuelle“, „geistig Behinderte, Sinti und Roma, Angehörige des kommunistischen und sozialistischen Untergrunds, Zeugen Jehovas, polnische Intellektuelle und sowjetische Kommissare und Offiziere“2). Eine Ethik, die ihre Benutzer schon allein durch ihre Begrifflichkeit auf ein solches monströses Vergessen eicht, eine solche Ethik kann keine gute Ethik sein. Jede Ethik, die zu einer weiteren, posthumen Opfer-Selektion führt, ist selber ethisch verwerflich. Ethisch rechtfertigbar ist ein Singularitäts-Anspruch auf die Opferrolle jedenfalls nicht.

[…was ist gemeint?]

(U) Nie wieder darf es eine Wiederholung von Auschwitz geben – wem gegenüber auch immer.

[…]

(D.P) Die Sicherheit Israels ist Teil der sogenannten deutschen Staatsräson. Selbst wenn Israel – dem Samson-Prinzip folgend – präemptiv seine Atomwaffen gegen Iran einsetzen und damit evtl. einen 3. Weltkrieg auslösen würde: Deutschland wäre – mit fast allen seinen Parteien – ohne Zweifel dabei.

Oder

(D.U) Die Prinzipien der Menschenrechte und des Völkerrechts gelten uneingeschränkt. Auch für die Politik Israels.

[…]PS: Ethisch vertretbar ist nur (U) – und somit auch nur (D.U). Ergo: Unsere Auschwitz-Ethik ist sehr revisionsbedürftig.

Zum Autor: Georg Meggle ist Analytischer Philosoph. Seine Arbeitsgebiete: Die Logiken der Kommunikation, der Bedeutung und des Terrorismus. Relevant für diesen Beitrag: Der aus seiner Leipziger Ringvorlesung resultierende Band „Deutschland – Israel – Palästina. Streitschriften“, Hamburg (eva), 2007. Freier Mitarbeiter bei Telepolis. Lehrt seit seiner Leipziger Emeritierung (2009) regelmäßig Philosophie in Kairo und Salzburg. Seit 2018 Ehrenpräsident der GAP (Gesellschaft für Analytische Philosophie).

Mitinitiator der Petition EINSPRUCH.

Ganzer Artikel Teleopolis: https://www.heise.de/tp/features/Nie-wieder-Auschwitz-4645984.html

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