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EU: Goodbye Great Britain: Airbus ohne Flügel

Bloged in Allgemein by friedi Freitag Januar 31, 2020

Die EU ist um eine (letzte?) Hoffnung ärmer geworden: Großbritannien zieht seine Konsequenzen gegenüber einem zentralistischen und undemokratischen Gebilde.

Das Bild vom Airbus – eine Firma welche im Luftfahrtsektor die Stärke der europäischen Wirtschaft verkörpert – ist symbolträchtig: Die Flügel wurden in England gefertigt.

Nun ist der Airbus flügellos.

England als Bastion der neoliberalen Wirtschaft ist nicht durchgehend als erstrebenswert zu klassifizieren – aber als Gegengewicht gegen französische Großmannssucht und deutschem Idealismus (oder Idiotismus?) war die englische Rationalität im Konzert der europäischen Staaten ein wichtiges Korrektiv.

Ich persönlich habe tiefes Verständnis dafür, dass die Mehrheit der englischen Bevölkerung sich gegen den Zentralmoloch ausgesprochen hat. Hat doch die EU von den Hoffnungen die in sie gesetzt waren wenig erfüllt, dafür jede Menge unerwünschte Nebeneffekte gebracht.

Einen europaweiten Sozialstandard (wie es einst die Sozialisten propagierten) – das schafft die EU nicht. Eine Wirtschaftsunion – das ja – aber mit zunehmender Regulierungswut und Eingriffen in lokale Souveränitätsrechte.

Die Eingriffe werden auch verstärkt innovationshemmender (für ein KMU wird es nahezu unleistbar für ein technisches Produkt eine Zertifikation zu erreichen). Ein wirtschaftlich progressives Auftreten mit technologischer Innovationskraft – da muss man nach China gehen – in den EU-Gremien scheinen außer Kapitalverwertungsinteressen keine weiterne Skills vertreten zu sein.

Wo die EU stark ist, ist in der Beschneidung von bürgerlichen Grundrechten und in Innovationshemmnisse. Man braucht sich nur die Zulassungsbestimmungen für technische Produkte anzusehen oder die Unzahl von Regelungen, oder die DSGVO oder die geplanten Regulative für künstliche Intelligenz und Roboter. Alle notwendigen Richtlinien werden von überbordender technischer Unfähigkeit überwuchert.

Den Todesstoß für ein Sympathie für die EU bringen aber die sogenannten vier Freiheiten. Diese Freiheiten erlauben dem Kapital, den Waren und den Dienstleistungen ein schrankenlosen Austausch – auch gegen die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung. Die lokale Bevölkerung ist nahezu entmündigt in ihrem Lebensraum (die Spannungen in Polen, Ungarn legen Zeugnis davon ab). Gerade die Bevölkerungsschicht in Großbritannien, die keine riesigen Ländereinen hat, auf die sie sich zurückziehen kann, hat sich daher gegen diese Entmündigung ausgesprochen.

Nun für uns Zurückgelassenen läuft die Propagandamaschine der EU über Funk, Fernsehen und Presse jetzt verstärkt an. So wie in Österreich zu Zeiten des EU-Beitritts getrommelt wurde, dass die dumme Schweiz durch ihren Nicht-Beitritt in Armut und Bedeutungslosigkeit verschwinden wird, wird nun von einem Untergang Großbritanniens ge-orakelt. Fast sehnsüchtig wird eine Separationsbewegung in Schottland und Irland herbeigebetet.

Was all die Nachrichten gerade jetzt nicht bringen, ist Information: Was haben die EU-Verhandler die letzten 3 1/2 Jahre überhaupt für ihr Geld getan? Was wird es kosten, gegenüber England wieder Zollstationen aufzubauen? Wer wird das bezahlen (die Briten, die EU-Bürger, Frankreich) ?

Wie laufen die bisherigen Gemeinschaftsprojekte (Airbus etwa oder Rolls Royce) weiter? Sind diese Firmenkonstrukte etwa ohnedies schon längst eigene Gebilde mit internen, von Zoll unbehelligten Warenaustausch? Was ist mit den Haftungen für die ungeheuren Finanzlasten, die die EZB angehäuft hat, wer übernimmt den britischen Haftungsanteil? usw. usw.

100e Fragen, 100e Fakten über die die Medien – zumindest in Österrreich lieber schweigen. Statt dessen berichtet man, was Hinz und Kunz glauben, wie sie in England in Zukunft arbeiten werden und wie sehr ihnen der Brexit missfällt, was sie hoffen und fürchten – alles Drohszenarien die eines gemeinsam haben: Keine Fakten die eigentlich in 3 1/2 Jahren schon längst auf dem Tisch liegen müssten.

Die EU – eingespannt in wiedererstarkter französischer Großmachtinteresse und in Totalabhängigkeit von US-Politik hat eindeutig die schlechteren Karten. Der Ost-Markt mit Russland wird durch die USA blockiert, der Wirtschaftsraum im nahen Osten wird durch die USA und Israel blockiert. Der EU-Interne Absatzmarkt ist den europäischen Konzernen zu wenig profitorientiert. Auch als Technologielieferant für China wird Europa nicht mehr lange reüssieren können – China macht das nun alles selbst, besser und billiger und innovativer.

Also: Die europäischen Märkte sind hauptsächlich im französisch dominierten Arfika zu finden – und dort leider nur über Subventionsfinanzierung erschließbar (und über Rüstungsgeschäfte, die auch wiederum verdeckt finanziert werden). Da ist eben noch eine Stärke Europas, von der die EU und die europäischen Firmen zehren können: Die gut ausgebauten Sozialversicherungen. Dieses Geld wird die europäische Industrie noch ein bisschen am Leben erhalten – aber zurkunftsträchtig, nachhaltig ist das nicht.

Ganz anders schaut es für Großbritannien aus: Kanada, Australien und Indien – traditionell große Absatzmärkte. Mit Kanada und Australien auch starke Industriestaaten – und auch: die USA nicht zu vergessen, die – etwa am Rüstungssektor – mit England gut verbunden ist.

Also: Der sogenannte Hard-Brexit ist ein Drohszenairo für die EU Bürger. Großbritannien braucht sich von einem Hard-Brexit nicht zu fürchten. Die Hochtechnologie, die Luft- und Raumfahr, die Computerindustrie – die ist eher in England zu Hause als im Rest der EU. Der Rest der EU lebt auf technologischem Gebiet wieder von Frankreich – allerdings ist Frankreich, ähnlich wie Italien, zwar eine technologisch entwickeltes Land – allerdings fast bankrott.

Es ist, falls meine Analyse auch nur halbwegs zutrifft, vertändlich, warum die Propagandakanäle in Österreich lieber über den Kaffee-Sud von Hinz und Kunz berichten, als über die aktuelle Lage der EU und die Ergebnisse der 3 1/2 jährigen Verhandlungen: Es könnte so ev. deutlich werden, dass die EU-Lenker völlig desinteressiert sind, für ihre Bürger etwas zu tun – und als große Zentralverwaltung sind sie völlig immun gegen den Zugriff der Bevölkerung. Großbritannien hat sich zumindest wieder die Grundlage für ein Mitbestimmungsrecht der Menschen für ihren Lebensraum zurückgeholt.

Graz, 31.1.2020, W.Friedhuber (3.2.2020 – Korrektur von Fehlern)

 

Kommentare	»
  1. da der österreichische bundeskanzler den eu-beitritt der westbalkanländer forcieren will sei erinnert, dass ex-jugoslawien eine ganz passable flugzeugindustrie betrieben hat, demnach auch das know-how in serbien, mazedonien der nördlichen lage, wie auch im kosovo zum bau von flügeln weiter besteht, somit wir uns keine sorgen um die flügel der airbusse machen müssen, die fliegen dann ohne britische auftriebshilfen ;-)

    Trackback by kurt strohmaier 31. Januar 2020 19:23

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