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„DANTONS TOD“ IM BURGTHEATER- WIE AUS EINEM REVOLUTIONSDRAMA EIN PSEUDOEXISTEZIALISTISCHER SCHMONZES WIRD (Theaterkritik)

Bloged in Allgemein by friedi Donnerstag November 13, 2014
Etwas entfernt von der politischen Tagesarbeit wollte ich mir einen interessanten Theaterabend geben. Büchners „Dantons Tod“, schien mir dafür mehr als geeignet. Ich erlebte eine fundamentale Enttäuschung . Unter der Hand des Regisseurs geriet das Stück, das sich sehr dicht mit der französischen Revolution 1789 auseinandersetzt, zu einem „allgemeinmenschlichen“ Aufguß.
„Dantons Tod“ hatte mich im Gymnasium fasziniert, auch als ich  – vor diversen Sozialwissenschaften – Theaterwissenschaft studierte, um  Regisseur zu  werden. Das Stück handelt – durchaus differenziert-  am Höhepunkt des „terreurs“.  Die kleinbürgerlichen Jakobiner versuchen mit „Tugendterreor“ das  Revolutionsschiff zu steuern: nachdem sie ihre  „linken“ Kritiker ausgeschaltet haben, geht es nun den „Gemäßigten“ an den Kragen- also auch Danton, der dem Wüten der Guillotine ein Ende bereiten will.
Büchner zeichnet die Protagonisten in unterschiedlichen Farben, nicht in Schwarz-Weiß. Die Szenengestaltung erinnert an Shakespeare, Büchners packende, gelegentlich auch recht deftige Sprache ist ein wahrer Hammer.
Ich dachte mir, mit einer modernen Inszenierung könne man/frau mehr Licht ins Dunkel des -blutigen- Revolutionsgeschehens bringen.  Das geht jedoch nur, wenn man versteht, daß es sich um eine BÜRGERLICHE Revolution handelt, ihre AkteurInnen auch so zeichnet.
Die  Inszenierung  von Jan Bosse ist meilenweit davon entfernt.  Sie entkleidet den Stoff weitgehend seines konkret-geschichtlichen Inhalts und enthebt ihn ins Unverbindliche, „Allgemeinmenschliche“. Im Programmheft erfährt man/ frau auf  2 Seiten mehr über 1789 und danach als in dem zweistündigen Theaterabend.
Aus dem einen Satz  Büchners „Die Welt  ist Chaos“ wird ein eindimensionales Strukturprinzip. Überall liegen Kleidungsstücke herum, Danton läüft wie ein Blöder (gut existenzialistisch: „Geworfener“) um das Bühnenbild herum, man/ frau glaubt, er hielte sich fast nur in Bordellen auf.
Der Hauptdarsteller  Joachim Meyerhoff, den ich großartig im „Faust“ als Mephistopheles erlebte, kann bei diesem verqueren Regie-Konzept seine hervorragenenden Qualitäten kaum entfalten. Als Nur-„Müder“ wird er stattdesssen mit Äüßerlichkeiten ausgestattet: mit einem Schlafrock, mit Erde- weil es doch dem Grab entgegengeht…
Zuletzt ein ganz wichtiger Indikator- weil ja gerade kritisches Theater- im Sinnne von Brecht- auch UNTERHALTEN soll. Im Burgttheater wird bei dieser Produktion -„Dantons Tod“ hat eine Fülle von ironischen, sarkastischen Seiten! – kein einziges Mal gelacht.
Hermann Dworczak (0676 / 972 31 10 )
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