Maßnahmen gegen den hybriden Krieg
Anscheinend gibt es trotz Meinungslenkung und Zensur in Europa immer noch zuviele Menschen, die den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine nicht allein den Russen in die Schuhe schieben wollen.
Um nun diese russenschuld-relativierenden Kritiker den Wind aus den Segeln zu nehmen gehen die europäischen Kriegsbefürworter (in Deutschland und Österreich) nun von der reinen Diffamierung als „Putinversteher“ über zur Faktenaufklärung – sprich sie gehen dazu über, die Argumente der „Putinversteher“ als Irrmeinungen und Fehlinformationen darzulegen. Der „Putinversteher“ ist naiv, dumm und fehlinformiert.
Ein Beispiel für diese Methode schuldrelativierende Argumente durch „Fakten“ als naive Fehlmeinungen aufzuzeigen ist etwa Dr. Klaus Gestwa von der Universität Tübingen. Dr. Gestwa ist Professor für osteuropäische Geschichte. Mit diesem Wissen über die Historie Osteuropas und Russlands will er im YouTube-Beitrag „Thesencheck: Diese 8 Behauptungen über den Krieg in der Ukraine sind falsch“ Klarheit und die falschen Thesen aus der Welt schaffen.
Dr. Gestwa stellt dabei 8 Thesen auf, von denen er behauptet, dass diese Thesen von den „Putinverstehern“ geglaubt werden :
„
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- 01:46 – These 1 – Die NATO hat Russland bedroht – Putin musste sich verteidigen.
- 06:52 – These 2 – Die Ukraine gehört historisch gesehen zu Russland.
- 13:38 – These 3 – Niemand kann genau sagen, was Putin will.
- 18:53 – These 4 – Die Ukraine ist kein demokratischer Staat, sondern wird vom Westen und von Oligarchen gesteuert.
- 22:36 – These 5 – Die Krim und der Donbas gehören historisch gesehen zu Russland.
- 30:17 – These 6 – Wer Waffen liefert verlängert den Krieg.
- 36:56 – These 7 – Russische Medien lügen auch nicht mehr als westliche.
- 41:56 – These 8 – Die Ukraine und der Westen hätten den Krieg längst über Verhandlungen beenden können
“ (die Zeiten beziehen sich auf den YouTube-Beitrag Dr. Gestwa, YouTube)
Ich will hier nicht auf die einzelnen Thesen eingehen – sondern nur die Art der Argumentation kritisieren. Diese Argumentation unterstellt den Menschen, die Verhandlungen statt Krieg fordern, dass sie geschichtlich völlig ahnungslos sind, dass sie der russischen Propaganda auf den Leim gegangen sind – kurz und gut, dass ihre Haltung auf Unwissen beruht.
So argumentiert Dr. Gestwa mit Bezug auf die historische Zugehörigkeit (These 2) mit einem Argument, das außer Historikern (und ev. Putin oder Selenskij) kaum jemand interessiert. Was die friedensbewegten Menschen interessiert ist aber eher der Umstand, wie das Schießen durch Verhandlungen beendet werden kann – gleichgültig was der Kiewer-Rus ist war oder sein wird.
Dass die Aussagen der russischen Führung zeigen, dass sie die NATO als Bedrohung empfindet, wird als Propagandatrick Russlands dargestellt. Mag sein – auch hier: Interessant ist eher, was in Verhandlungen angeboten werden sollte, um den Krieg zu beenden.
Ähnlich wie Dr. Gestwa argumentiert etwa auch der Militärökonom Marcus M. Keupp in seinem Buch „Spurwechsel„. Auch Keupp argumentiert damit, dass die westlichen Menschen bei der Betrachtung Russlands von einer tiefen Unkenntnis der eurasischen Historie ausgehen. Keupp ist in Punkto Krieg in seiner Argumentation radikaler als Gestwa: Er geht davon aus, dass Putin das russische Imperium wieder herstellen und damit den Krieg über die Ukraine hinaus tragen will. Aber auch bei ihm: Wie Europa zu einem friedlichen Verhältnis zu Russland kommen soll, ist nicht sein Thema.
Neben diesen Beispielen von „Faktencheckern“ basierend auf der Historie hat sich auch noch eine zweite Schiene von Aufklärern etabliert. Als Beispiel dafür sei etwa ZIB erklärt genannt.
Diese Schiene, die auch vom österreichischen Bundesheer in der Form von Oberst Markus Reisner vertreten (siehe Von grünen Männchen, den fünf Bären, Trollen und Wegwerfagenten) wird, will zeigen, dass Russland uns schon längst angreift.
Alle Vorkommnisse wie Drohnen, Schweineköpfe vor Moscheen usw. sind das Werk von sogenannte „Wegwerfagenten“ – also von Menschen, die von Russland bezahlt werden, um den Wehrwillen des Westens zu stören. Ziel dieser Aktionen ist es einerseits Sabotage und Schaden zu verursachen und anderseits die Bevölkerung zu spalten. Eben in „Russlandversteher“ die Frieden wollen und „Realisten“ die wissen dass wir kämpfen müssen.
Franz-Stefan Gady zeigt in seinem Buch „Überfall“ für Österreich die Notwendigkeit der Aufrüstung und die Notwendigkeit die Neutralität zugunsten der NATO aufzugeben – wegen den bösen Russen.
Was all diese Experten anscheinend völlig vergessen haben, sind die Anfänge des Konflikts. Sind die Reisen von Victoria Nuland nach Kiew (siehe auch: Spiegel, 10.2.2015), sind die Vorgänge des Bürgerkriegs im Donbass anno 2014 und die Vorgänge um das Gewerkschaftshaus in Odessa. Ein Tagebuch des Krisenbeginns ist bei F. William Engdhal in seinem Buch „Krieg in der Ukraine“ nachzulesen.
All diese Ereignisse kommen plötzlich bei den „Faktencheckern“ nicht mehr vor. Dort gibt es nur den grundlosen, lediglich von imperialistischen Interessen getriebenen Überfall Russlands auf die Ukraine. Auch wenn der russische Vormarsch auf Kiew ein Bruch des Völkerrechts und erst recht der europäischen Sicherheitsdoktrin war, hätte es zu jedem Zeitpunkt andere als kriegshetzende Möglichkeiten gegeben. Erst recht, nachdem der Vorstoß gescheitert war und Putin erkannt hatte, dass er in Bezug auf die Westukraine auf eine Fehleinschätzung gesetzt hat. Die Truppen zogen sich rasch zurück. Das wäre etwa eine Möglichkeit gewesen, den Konflikt mit Verhandlungen zu beenden. Aber der Westen wollte das nicht und die Nationalisten in der Ukraine erst recht nicht.
Nun sind wir im 5. Kriegsjahr und die „Faktenchecker“ arbeiten daran, die Geschichte für den Westen passend umzuschreiben – anstatt endlich den Krieg zu beenden (was immer schwerer wird, da die Opferzahlen und die Zerstörungen immer mehr werden).
Graz, 1.8.2026, W.Friedhuber

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