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[R. Brunath] Zur schädlichen Dynamik der westlichen Finanzoligarchie

Bloged in Geld,Krise by friedi Samstag Juni 20, 2026

Der zivilisatorische Bruch der Welt mit dem kollektiven Westen

Ein redaktionell bearbeitetes Essay von Rainer Brunath aus Professor Hudsons Patreon

Die derzeitige Sammlung der globalen Mehrheit hinter China, Russland, den BRICS-Ländern stellt eine radikale Spaltung dar, die mehr ist als nur eine geopolitische Abgrenzung gegenüber dem US-/NATO-geführten Westen und seinen Satelliten im Osten und Süden. Warum? Es handelt sich um einen letzten Konflikt des westlichen Wirtschaftssystems, den Marx einst als höchstes imperialistisches Stadium des Kapitalismus in seinem Endstadium prophezeit hatte und dessen Höhepunkt die Sozialisten der 19 und 20 Jahrhunderts als „Welt-revolution“ bezeichneten.

In ihrer letzten Konsequenz hat die Dynamik der westlichen Finanzoligarchie die Vereinigten Staaten und Europa dazu gezwungen, sich dem wirtschaftlichen Neokolonialismus und der Erhebung von Tributen zuzuwenden, gestützt auf die militärische Macht, die im NATO-Krieg gegen Russland auf dem Gebiet der Ukraine ihren Höhepunkt erreicht, sowie weiter Trumps Versuch, den Iran zu erobern, zu zerschlagen und ihn in ein weiteres Venezuela zu verwandeln, dessen Ölreserven zu beschlagnahmen und dessen Exporteinnahmen unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten und der designierten Klienteloligarchie zu stellen.

Das resultiert aus der Geschichte Europas, zumindest der vergangenen 500 Jahre.

Dass es nicht immer so war, und dass es andere „Zivilisationen“ im Laufe der Geschichte der Menschheit gab, das fand die archäologische Forschung der Antike. Es handelte sich um spezifische Zivilisation, die z.B. im vorchristlichen Ägypten und Westasien (Mesopotamien und Persien) entstanden. Das dort entwickelte Konzept der „göttlichen Königsherrschaft“, der Pharaonen, entfaltete die Notwendigkeit einer zentralen Autorität, um zu verhindern, dass eine unabhängige Gläubigeroligarchie (Adel) entstand. Natürlich gab es dort auch in dieser Phase Widersprüche und Machtkämpfe, z.B. durch die Priesterkasten Ägyptens, was aber letztlich (bis zur Einverleibung Ägyptens ins Römische Imperium) zu keiner grundsätzlichen Veränderung der zentralen Autorität führte. In zentral- und Ostasien entstanden Reiche, wo sich konfuzianische Herrschaftsprinzipien entwickelten, so z.B. in China, wo die Kaiser gemäß dieser Prinzipien dafür sorgten, Unruhen im Volk zu verhindern, indem sie die Selbstversorgung und den Wohlstand der Bürger schützten, was wiederum eine eventuelle wirtschaftliche Unterdrückung der Volksmassen durch Oligarchen unterband oder einschränkte.

Forschungserkenntnisse über die griechische Philosophie zeigen ein anderes Bild, was Anthropologen als universelles Merkmal einiger der frühen Volkswirtschaften mit geringen Überschüssen erkannt haben: das Problem, wie man mit Reichtumssucht, „Geldgier“ und deren Tendenz zum persönlichen Egoismus umgeht, die das soziale Gleichgewicht und den Zusammen-halt bedrohen. Ein Lösungsversuch dort bestand darin, Demokratie zu schaffen. Doch schon Aristoteles erkannte, dass Demokratie unweigerlich dazu neigt, sich zu einer Oligarchie (Herrschaft durch Reichtum) zu entwickeln. Einen zu allen Zeiten wirksamen Beitrag zu solcher Entwicklung gab und gib der Lobbyismus, nämlich die Verfolgung individueller Interessen durch den Kauf (die Korruption) von Entscheidungsträgern – was zu einem typischen Merkmal der heutigen parteienbasierten Demokratie geworden ist.

Dieses Merkmal zeichnet alle westlichen Gesellschaften aus. Oligarchien verteidigen sich, indem sie behaupteten, die Bevölkerung von staatlicher „Einmischung“ in die „Märkte“ zu befreien – wobei sie „Märkte“ als ihr Privileg definieren. Damit aber wird die Bevölkerung zur Verschuldung gebracht. Ihr Land und ihre Lebensgrundlagen werden ihr entzogen (schlechte Ernten, Inflation, Teuerung, Kriege) und die Wirtschaft wird polarisiert , um verschiedene Rentiersklassen zu schaffen (Aktionäre, Fonts-Inhaber ecc), deren wirtschaftliche Rolle ausbeuterisch und nicht produktiv ist.

Und genau das kennzeichnet die heutige Spaltung der westlichen Gesellschaften, was einige der Sahel-Staten Nordafrikas z.B. Burkina Faso, veranlasste zu befinden, dass das westliche Demokratiemodell nicht Wert sei, es zu übernehmen. Und was China dazu veranlasste, seine Alternative des industriellen Sozialismus zu entwickeln, in Anlehnung an die klassischen Ökonomen (Marx, Engels, Lenin, Luxenburg), als die Ende des 19. Jahrhunderts versuchten, den industriellen Kapitalismus in Richtung Sozialismus zu lenken.

Mit dieser Erkenntnis im Bewusstsein ist es ein Fehler, die Geschichte Europas – beginnend mit der Entstehung des Römischen Reichs Deutscher Nation – aus dem der aktuelle Westen sich entwickelte, mit einer Geschichte zur Zivilisation an sich zu verknüpfen. Natürlich war solches das Ziel des europäischen Kontinents, d.h. des Westens, der sich schon in historischer Zeit das „griechische Modell“ mit der „Demokratieformel“ zu Eigen gemacht hatte. Und dieses Modell (der Westen) obsiegte seit den Kämpfen der rivalisierender Regionen in der klassischen Antike schlussendlich mit der Entstehung des Römischen Imperiums unter Augustus. Damit war der Kampf mit dem Ägyptischen Modell oder dem Konfuzianismus als Gesellschaftsmodell vorläufig entschieden, womit Oligarchien zur politischen Norm wurden. Die frühen griechischen Reformer (Alleinherrscher, die die verarmte Landbevölkerung unterstützten, den Adel – die Oligarchen- entmachteten und so den Weg für die Demokratie ebneten) und römischen Könige (Rätische Königszeit, vor Beginn der Republik) waren gestürzt und durch eine wohlhabende Klasse ersetzt worden, die das Land monopolisierte (privatisierte) und die Gesellschaft in Gläubiger und Schuldner polarisierte. Die zentrale Autorität gab es nicht mehr, die die „Freiheiten der Oligarchen“ (die Freiheit Lobbyismus zu betreiben) einschränkte. Die Bürgerschaft konnte so in wirtschaftliche Abhängigkeit und Leibeigenschaft gezwungen werden, was den allgemeinen Wohlstand abrupt zum Erliegen brachte. Reichtum nahm die Form von wirtschaftlicher Rente an, von Grundrente bis hin zu Forderungen finanzieller Gläubiger.

Damit kommen wir zum Kolonialismus!

Da der bis zu seiner unteren Grenze abgebaute allgemeine Wohlstand zu Gunsten immer reicher werdender Oligarchen im eigenen Land fortgeschritten war, bestand und besteht die einzige Quelle des Wohlstands für Bürger des Mittelstandes und für die wohlhabende aber nicht an der Herrschaft beteiligten Klasse der westlichen Reiche darin, Tributzahlungen aus dem Ausland zu erlangen. Dies wird am deutlichsten am heutigen verzweifelten Versuch des selbsternannten amerikanischen Imperiums, wie eingangs schon beschriebenen am Beispiel „Ukraine- und Irankrieg“. Es erpresst Tributzahlungen vom Rest der Welt, indem es über klientelistische Oligarchien und Militärdiktaturen herrscht, um einen Strom von Geldschulden und Tributzahlungen, Pachtzinsen aus Land und natürlichen Ressourcen sowie Monopolrenten an den wohlhabenden, finanzialisierten Kern der Vereinigten Staaten, Europas und ihrer ausländischen Satellitenstaaten zu gewährleisten.

Die alles entscheidende Frage ist: bleibt es so? Der Westen ist nicht die Welt, die einen anderen Entwicklungsweg gehen wird und das eigene Wirtschaftsmodell überwinden will. Dagegen ist es strategisches Ziel der BRICS-Staaten die Hegemonie weniger EWest-Staaten durch Multipolarität zu ersetzen. Damit wird der anstehende Bruch der Welt mit dem US-/NATO-geführten Westen zu mehr als nur einem geopolitischen Bruch.

Er wird ein Katalysator sein für eine umfassende und tiefgreifendere Debatte darüber, mit welcher Art von Herrschaft die Menschheit die Sackgasse verlassen kann, in die sie der Westen geführt hat. Dabei gilt zu bedenken: Der Aggressivität des Westens geht über die Trump-Präsidentschaft hinaus; der Druck ist systemisch; mit oder ohne Trump wird das US-System nicht nachgeben und sich nicht ändern, bis die Politik des Westens endgültig besiegt ist.

Die USA und ihre Vasallen werden auch nach ihrem Desaster mit dem Iran noch da sein und sie verfügen auch danach immer noch über genug politische und finanzielle Ressourcen, um weiter zu machen. Das ist ausgemacht. Man kann also nur ansatzweise damit beginnen, die Burg des Westens Stück um Stück nieder zureissen. Selbst mächtige Gegner wie Russland, China und der Iran können es nur fertig bringen, den Westen Zug um Zug dazu bringen, vorsichtiger zu werden. Ihn zu besiegen, ist noch ein langer Weg.

Das Essay als PDF: Der zivilisatorische Bruch mit den westlichen Finanzoligarchien

Zur Thematik von unproduktive Eliten und Demokratieverlust siehe auch: https://westendverlag.de/Hybris-und-Nemesis/1621

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