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Arbeitslos – wie fühlt es sich an ein Element am Arbeitsmarkt der Zwangsarbeit zu sein?

Bloged in Allgemein,Krise,Systemalternativen von friedi Donnerstag Juli 11, 2019

Auch wenn die Institutionen über sinkende Arbeitslosenzahlen jubeln: Die Arbeitslosigkeit wird ein dauerhafter Zustand auf hohem Niveau.

Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit

In Österreich sind permanent mehr als 300.000 Menschen ohne Arbeit, ca 100.000 davon Langzeitarbeitslose. (siehe: AMS)

Aktuell ist durch die von der USA betriebenen Destabilisierung der Weltwirtschaft die Tendenz in Europa aber auch schon wieder steigend. Entlassungen in Deutschland im Bankensektor und auch in der Industrie beginnen gerade.

Generell steckt hinter dieser Entwicklung ein Kernproblem: Dank techischer Innovationen werden nicht so viele Arbeitskräfte benötigt. Arbeiten, die notwendig wären, sind im Neoliberalismus aber, aufgrund der Gewinnerwartungen als unbezahlbar eingestuft.

Eigentlich ist der „Arbeitsmarkt“ zusammengebrochen – die Menschen werden nicht mehr für die gewinnorientierte Wirtschaft angestellt und schon gar nicht mehr so entlohnt werden, dass eine Lebensgestaltung möglich wird. Vor allem auch, weil inzwischen die Güter der Grundbedürfnisse – etwa Wohnen – gewinnorientiert verwertet werden (Realitätenspekulation, arbeitsloses Einkommen für Kapitaleigner). Werden die nicht mehr benötigten Menschen sich selbst überlassen, droht eine soziale Destabilisierung (siehe Vororte von Paris).

Was bleibt?

Ein „Arbeitsmarkt“ der Zwangsarbeit!

Dieser Arbeitsmarkt hat viele Elemente eines Arbeitslagers: Strafsanktionen, Freiheitsentzug – kurz: Die Elemente der Domestikation sind zentrale Elemente – und nicht, wie es in einer Demokratie sein soll, die Elemente der sinnvollen Entfaltung, der Erledigung notwendiger Arbeit oder die sinnstiftenden Existenzsicherung.

Anstatt die notwendige Arbeit systemisch in die Sozialgemeinschaft zu integrieren, wie es noch bis ca. 1980 üblich war, wird ausgegliedert und privatisiert. Der Staat zieht sich von seinen Verpflichtungen zurück und überlässt den Großteil seiner Bürger einem kanibalistischen Marktsystem. Über „Service-Institutionen“ (AMS) und subventionierte Vereine (Caritas u.ä.) werden diese Menschen überwacht und diszipliniert.

Der große Verrat der Sozialdemokraten ist es eben, dass sie diesem Phänomen nichts anderes entgegen setzen als kurzfristige Förderprojekte für Vereine und Unternehmer – die in Summe mehr der Gefügigmachung dienen als der Existenzsicherung.

So etwa auch das nun zuende gegangene Programm 20.000. Natürlich wird das Programm von Menschen in der Langzeitarbeitslosigkeit großteils positiv empfunden. Zumindest für kurze Zeit sind sie keine Sozialschmarotzer, sind wieder in die Sozialgemeinschaft engegliederten, werden für ihre Arbeit entlohnt, leisten etwas Sinnvolles. Für viele Betroffenen ein Glücksfall – aber in Summe ist es keine Lösung – weder für die Sozialgemeinschaft noch für die Person.

In einer internen Diskussion des Vereins AMSEL werden die Argumente auf den Punkt gebracht. Was wirklich notwendig wäre wäre

„MEHR sinnvolle? BEZAHLTE ARBEITSPLÄTZE !
mehr geld für Normalarbeitsplätze
mehr bezahlte arbeitsplätze

weil warum: „projekt“ / „aktion“ ? warum beschränkter kreis / warum beschränkte zeit ?

mehr löhne, mehr / bessere arbeitsleistungen, mehr kaufkraft, mehr selbstwert und -zufriedenheit

– im öffentlichen und non profit – bereich.

Projekt 20000 hat gezeigt, dass sinnvolle arbeit gefragt ist / geleistet werden kann, sobald geld dafür da ist auch wir alten langzeit-ALs fuktionieren (ohne sozial-pädagogische Betreuung etc. etc.)“ (AMSEL)

Eine Betroffene antwortet und beschreibt ihr Empfinden sehr direkt und treffend:

„GENAU!
Und genau das sind (auch wenn nicht alle) ebenfalls meine Gründe, warum ich mit Aktion 20000 nicht einverstanden bin.

Ich mag keine Ehe (schon von Anfang an) mit einem Ablaufdatum. Und ich mag nicht die Idee, dass jemand Geld bekommt, um mich zu heiraten!! Ich lebe nicht nach dem Motto „Lieber einen Tag Falke, als ein Jahr lang Krähe“. (oder Amsel?)

Es muss nicht Liebe auf dem Ersten Blick sein, aber warum soll nicht ICH Geld bekommen, wenn eine Firma mich (für ein Jahr) einstellt? Oder AUCH ich? Zumindest MEHR Lohn.

Die Unternehmen können immer nur jammern, obwohl sie ALLE genug Gewinn machen (schau was alles kostet & wie teuer alles geworden ist, aber die Löhne …). WIR müssen jammern (immer mehr), wenn das schon „Mode“ ist! Und immer noch mehr fordern!“

Besser kann  der Problemkriese nicht dargestellt werden: Die menschliche Existenz, der Lebenssinn die Person geht verloren.

Entweder wird eine Arbeit gebraucht oder nicht! Wenn sie gebraucht wird, dann soll diese Arbeitsleistung auch direkt und existenzsichernd in das soziale Dasein eingebunden sein – und wenn die Arbeit nicht gebraucht wird, so soll sie nicht über Domestikationsprogramme erzwungen werden, um den Selbstbestimmungswillen der Besitzlosen zu brechen.

Die Arbeitssuchenden und Arbeitslosen sollten sich endlich bewusst werden, dass sie eine Gruppe darstellen, die größer ist als die Wählerschaft der NEOS – Partei oder auch der Liste Pilz und natürlich wesentlich größer, als die der GRÜNEN bei der Nationalratswahl 2017. (siehe: Nationalratswahl 2017 ). Sie würden, so sie sich dessen endlich bewusst werden würden, eine wesentliche politische Kraft darstellen!

Anstatt diese Kraft in das politische Spiel zum eigenen Vorteil einzusetzen, lassen sich diese Menschen auf der Nase herumtanzen, sie lassen sich diffamieren und ausgrenzen. Sie lassen es zu, dass das AMS (Arbeitsmarktservice) mit ihnen umspringt, wie mit Straftätern anstatt sie als Bürgerinnen und Bürger zu behandeln, die von Interessensgemeinschaften der Wirtschaft ausgenutzt werden. Auch wenn auf der Web-Seite des AMS noch so freundlich getan wird: Mit Entzug der Bezüge wird der Arbeitssuchende bestraft, wenn der potentielle Dienstherr sich negativ über ihn äußert. Die sogenannten Arbeitsgeber – teilweise selbst hochsubventioniert – die haben die Verfügungsgwalt, die können lügen, täuschen, nötigen nach belieben und vor allem ungestraft.

Nun werden die Arbeitssuchenden in eine maschinelles Bewertungssystem eingegliedert (siehe: https://ggrill.net/blog/web/node/7), das sie in drei Stufen – sozusagen brauchbares – mäßig brauchbares – unbrauchbares Stück Arbeitsrohstoff – einteilt. Deutlicher kann die Ignoranz der personellen Existenz der Menschen die von Lohnarbeit abhängen, nicht gezeigt werden.

Graz, 11.7.2019. W.Friedhuber

 

 

 

 

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