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EU entwirft Ethik-Regeln für KI (Künstliche Intelligenz)

Bloged in Allgemein by friedi Mittwoch April 10, 2019

Die Europäische Kommission will als „Vorreiter“ KI-Ethikregeln erstellen. Das Projekt läuft schon geraume Zeit. Im April 2019 soll nun der Rahmen für die Ethikregeln freigegeben werden.

Nun: Für einen Vorreiter für KI käme die EU-Kommission 10 Jahre zu spät – aber für prüfbare Qualitäts- oder Ethikregeln für maschinelle Entscheidungsprozesse und deren Einbindung in das staatliche Zertifikations- und Zulassungsverfahren wäre eine Vorreiterschaft genau richtig.

Wer sich aber unte dem, was die EU-Granden da erstellen etwas technisches oder/und philosophisches oder gar gesetzliches mit Hand und Fuß erwartet, der kennt die EU-Gremien (immer noch) schlecht.

Die Veröffentlichungen sind das Papier (und die dahinterstehenden Gehälter) nicht wert. Die erstellten Inhalte erwecken den Eindruck, dass die Ersteller weder von Softwareentwicklung noch von Ethik eine große Ahnung haben. So kommt das Konzeptpapier aus 2018 über allgemeine Qualitätsanforderunge für Softwareentwicklung und humane Plattheiten nicht hinaus. Es ist nicht einmal klar, von welcher künstlichen Intelligenz sie spreche (manchmal schäme ich mich direkt, ein Europäer zu sein). Geht es um Big-Data-Analyse (manche Stellen erwecken den Eindruck) oder geht es um autonome Maschinen (was allgemein auch unter den KI-Begriff fällt)?

Wie die EU-Experten ihren umwerfenden Entwurf (nach eigenen Bewertungen ein „einzigartiges Konzept“ http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-18-6690_de.htm) der Öffentlichkeit vorstellen, kann hier beurteilt werden: http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-18-6690_de.htm

Dieses „einzigartige[…] Konzept“ (ebd.) hat als Kernpunkt die Forderung:

„den Menschen in den Mittelpunkt der KI-Entwicklung stellt („menschzentrierte“ KI) und den Einsatz dieser leistungsfähigen Technik zur Bewältigung der größten Herausforderungen der Welt wie Bekämpfung des Klimawandels, Verkehrssicherheit und größere Cybersicherheit fördert“(ebd.)

Bei diesen Formulierungen frage ich mich immer, wie hoch der Alkoholpegel oder der Sitzungszynismus bereits angestiegen ist. Aber ev. ist der Kreis der Abgehobeen tatsächlich schon auf der Stufe des Olymps angekommen und kann über KI Klimaveränderung, Menschenglück, Hunger und Krankheit bekämpfen (wenn nicht, wäre ein Psychiater dringend anzuraten).

Ich muss zugeben, da ich Big-Data-Analyse usw. im Ansatz kenne, dass ich mir vorstellen kann, was diese Formulierungen eigentlich bedeuten sollten, aber es zeigt schon, dass die Herstellung eines allgemein verständlichen, faktenbasierten Text nicht im Fokus ist. Jeder der Damen und Herren weiß für sich was er meint – und den anderen – für die diese Regeln erstellt werden, denen geht das gar nichts an.

Aber die Herren (und Damen?) Götter werden dann auch – aus ihrer Sicht – ganz konkret, wie sie den Übeln der Welt beimommen wollen:

“ Eines der Grundprinzipien betrifft die Entwicklung der sogenannten „integrierten Ethik“, wonach die Integration ethischer Grundsätze in KI-Produkten und ‑Dienstleistungen im Entwurfsprozess von Beginn an berücksichtigt wird.“ (ebd.)

Ah – ja! Nun ist es klar! Wir wissen zwar nicht was, und wir wissen nicht wie – (Na; ethische Grundsätze eben!) – aber wir berücksichtigen es nun von Beginn an.

Für Bekanntes – wie etwa Produkteigenschaften – ist das ja nicht so ganz neu! Die Qualitätssicherung in der Produktherstellung hat ja bis jetzt auch nicht alles erst im Nachhinein berücksichtigt – aber für unbekannte Eigenschaften ist das Konzept tatsächlich neu!

Ich hoffe, dass die Götter des Olymps, die das ja können, den Entwicklern in der EU da zur Seite stehen werden – und zwar von Beginn an. Das wäre ja tatsächlich ein Marktvorteil: Mit göttlichem Vorwissen erstellte KI-Produkte! Das könnte ein Renner werden. Allerdings: Sollte der Olymp da in der Entwicklung nicht kräftig mitarbeiten, könnte es sein, dass weiterhin China mit praktikablen Lösungen den Markt bedient.

Nun, die Beteiligten müssen eigentlich bescheid wissen. Hinter der eindrucksvollen Atuorenbezeichnung „Hochrangige Expertengruppe“ des Entwurfs scheinen sich eine Reihe von Menschen zu befinden, die in Wissenschaft und Forschung Spitzenpositionen inne haben – etwa der Direktor des Frauenhoferinstituts für industrielle Fertigung.

Es entsteht daher bei mir wieder der Verdacht, dass eigentlich etwas anderes ausgehandelt wurde, als das, was publiziert wird. Ettliche Stellen in den Dokumenten weisen etwa in Richtung finanzielle Förderung hin – also Subventionen für einzelne Institutionen oder die Nutzung von Patientendaten in der Forschung anstelle von Basisrichtlinien für die Nutzung von KI (was immer auch unter KI verstanden wird).

Stellvertretend sei hier kurz das Statement von einem Hr. Ansip in der Presserveröffentlichung der Expertengruppe zitiert:

„Andrus Ansip‚Vizepräsident für den digitalen Binnenmarkt, begrüßte diesen wichtigen Schritt: „Ich freue mich, dass die europäischen Länder gute Fortschritte erzielt haben. Wir haben vereinbart, bei der Zusammenführung von Daten – dem Rohstoff für KI – in Bereichen wie dem Gesundheitswesen zusammenzuarbeiten, um die Diagnose und Behandlung von Krebs zu verbessern. Wir werden Investitionen koordinieren: unser Ziel ist es, bis Ende 2020 mindestens 20 Mrd. EUR an privaten und öffentlichen Investitionen zu erreichen. Dies ist von entscheidender Bedeutung für Wachstum und Beschäftigung. KI ist nicht einfach nur nettes Beiwerk, sondern es geht um unsere Zukunft.“ (ebd.)

Es geht hier eindeutig um Rohstoffgewinnung und Fördergelder – Ethik kommt nicht vor. KI ist eigentlich auch nur als Füller gebraucht. Zentral ist Forschungsförderung, Nutzung von Patientendaten, Vermarktung von Diagnose und Behandlung – also eigentlich ein Konzept zur Förderung der medizinischen Forschung und Arbeitsplatzsicherung.

Nur am Rande sei noch angemerkt, dass zahlreiche Dokumente nicht in Deutsch verfügbar sind – eben auch ein Zeichen, dass der Bevölkerung nicht alles mitzuteilen ist. Die Verteilung der Mitteilungen über unzählige Links zu jeweils 2 bis max. 4 seitigen, in deutsch-englisch gemischten Dokumentenverläufen, zeugt auch davon, dass es nicht so einfach sein soll, sich klar zu werden, was die Experten da beschließen.

Eine Zusammenfassung des nahezu trivialen Ergebniss ist hier zu finden: https://ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm?doc_id=57108.

Wie diese EU-Granden dafür sorgen wollen, dass die technologisch führende Nation – China – sich an den Schwefel hält, das fehlt natürlich. Gemeinplätze sind eben Gemeinplätze und die Finanzierung des eigenen Instituts ist schon ein lobenswertes Ziel …. (wie gesagt: manchmal schäme ich mich ein Europäer zu sein).

Anderseits: Wenn diese Papiere wirklich die Expertise der beteiligten hochrangigen Experten aus Forschung und Industrie darstellen, dann erklärt sich auch, warum der europäische Raum technologisch immer weiter zurück fällt: Da sind Menschen am Werk, die andere Interessen haben als Technik, Fortschritt oder Ethik – ja anscheinend nicht einmal den Schutz des Lebens. Das Problem der gesetzlichen Haftung bei Folgeschäden durch KI wird nicht einmal erwähnt – bzw. hinter der allgemeinen Formel von Menschenrechten versteckt.

Auf Heise-Onlien ist ein Artikel zu KI in der EU ohne meine Seitnhiebe zu finden – die Seitenhiebe und die tiefe Enttäuschung derer, die sich mit KI, Software und Robotik befasen, findet sich dort nur in den Kommentaren zum Artikel: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kuenstliche-Intelligenz-EU-startet-Pilotphase-fuer-Ethik-Regeln-4366342.html?xing_share=news

Wenn man bedenkt, was aus der Agenda 2010, in der die EU-Kommission als Ziel hatte, Europa bis ins Jahr 2010 zum dynamischsten und erfolgreichsten Wirtschaftsraum zu machen, geworden ist (schon 2009) so kann man sich ausmalen was aus der Agenda 2020, dessen Bestandteil diese Konzepte sind, wird.

Die aktuelle BREXIT-Eierei zeigt ja auch warum das so ist: Die Kommission hat andere Interessen als die Bevölkerung ….

Graz, 10.4.2019, W.Friedhuber

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