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Geschichtsaufarbeitung die noch offen ist: Kollaborateure und Widerstand von 1939 bis heute ..

Bloged in Allgemein von friedi Sonntag März 17, 2019

Am 2.März 1939 wurde mit Papst Pius XII. der Stuhl Petri neu besetzt. Unlängst sicherte Papst Franziskus zu, das die vatikanischen Archive über ihn geöffnet werden würden.

Pius XII gilt als Diplomat im Widerstand gegen Hitler; es ist bezeichnend, dass ein Buch über ihn von einem Journalisten (Michael Hesemann: Der Papst, der Hitler trotzte.) eher erscheinen konnte als systematisch angelegte zeitgeschichtliche wissenschaftliche Forschungen.

Welche moralischen Instanzen kooperierten und welche nicht?

Der Grund liegt in der schwierigen Konstellation, in die dessen Vorgänger Papst Pius XI. geriet. Nachdem Hitler das Konkordat nach Belieben brach, erließ er im Jahr 1937 seine an sich zwar durchwegs bekannte, heutzutage jedoch oft verschwiegene Anti-Hitler-Enzyklika „Mit brennender Sorge“, die an Klarheit, Eindeutigkeit und Unmißverständlichkeit keine Zweifel an dessen antinationalsozialistischer Absicht aufkommen ließen. es hatte sich jedoch die lutherisch-evangelische Kirchenleitung bereits für die Kollaboration mit Hitler festgelegt und ließ sich an ihrer öffentlich Parteinahme für Hitler keinen Zweifel bestehen, zumal auch der amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt den Schalmeientönen der damaligen lutherisch-evangelischen Kirchenobrigkeit gefolgt war und sich ebenfalls für Hitler ausgesprochen hatte. Roosevelt ließ Österreich – der Friedensvertragswerkskonzeption dessen eigenen Parteigenossen Thomas Woodrow Wilsons zuwider – kaltblütig an Hitler ausliefern.

Nach Kriegsende wirken die Netzwerke weiter

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt ein allgemeines Verschwiegenheitsgebot darüber – dies nicht nur aus Rücksicht für die überlebenden Opfer des SS-Terrorregimes, die vor jeglichem Erinnerungsschmerz so gut wie möglich abgeschirmt sein wollten und mit Rücksicht auf die politisch Verfolgten, die in den lutherisch-evangelischen Gebieten deren Kirchenobrigkeit zum Trotz sich gegen die Barbarei Hitlers zur Wehr setzten. Auch das geheime, getarnte Netz der verdeckt agierenden SS-Spitzel vermochte nicht enttarnt zu werden. Eine Schätzung der Dunkelziffer von mutmaßlichen SS-lerInnen geht allein für das Gebiet der Republik Österreich in die hunderttausende.

Kollaboration in Form von Schweigen muss fortgesetzt werden

Das ließ keine andere Lösung zu: Die gerade noch mit äußerster Kraftanstrengung wiederhergestellte österreichische Gendarmerie bzw. Polizei hätte sich anders nicht helfen gewusst, als dass über Opfer-Täter-Problematiken öffentlich nicht direkt und unmittelbar, sondern nur ganz allgemein gesprochen wurden durfte – auch in Jugoslawien hatten die Tito-Partisanen nach 1945 keine andere Wahl als so zu agieren, insbesondere in den mohammedanischen Gebieten.

Die Früchte des Schweigens: Fortsetzung von Ungerechtigkeiten

Dieses erwähnte allgemeine Verschwiegenheitsgebot galt jedoch nur für die erste Nachkriegsgeneration. Heute hat es sich zum Nachteil für die vielen einfachen Widerstandsopferfamilien entwickelt: Landauf, landab gibt es zwar Gedenkstätten für die gefallenen österreichischen Soldaten in der Hitler-Wehrmacht, jedoch nirgendwo für die vielen österreichischen Widerstandsopfer bzw. von der SS verschleppten und ermordeten Österreicher und Österreicherinnen.

Gerade am Lande folgten viele der Anti-Hitler-Enzyklika des Papstes und auch dem Aufruf zum bewaffneten Widerstand Bundeskanzler Schuschniggs – und zwar nicht alleine einfache Katholikinnen und Katholiken, sondern gerade auch sozialdemokratisch orientierte Österreicherinnen und Österreicher. Kannte man sich doch am Lande untereinander.

Die Österreichischen Institutionen sind nicht in der Lage und Willens umfassend Klarheit zu schaffen

Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes ist da überfordert und schier hoffnungslos unter Zeitverzug; auch ist es eine schwierige Frage der Quellenlage und -erkundung, wozu die erkenntnisbringende Ausbildung des sehr ideologiebelasteten Wiener Instituts für österr. Geschichtsforschung zu niedrig ist und die systematische Kooperation mit der pravoslawischen Kultursphäre (Russland, Serbien) „aufarbeitungspolitisch“ unterbindet, ich wüsste davon ein Klagelied zu singen.

Im Ausland glimmt ein Hoffnungsfunke der gerechten Entschädigung

Eine gewisse Hoffnung macht da Polen, das im Vorjahr anscheinend erfolgreich Opferentschädigungsklagen einreichte. Das könnte nun auch für Österreich bedeuten, dass für die einfachen Widerstandsopferfamilien die Zeit reif wird, doch noch zu so etwas wie zu einer Entschädigung zu kommen. Bislang werden nämlich die vielen RaubgutnutznießerInnen nach der SS systematisch verdeckt und verschattet, während die österreichischen Widerstandsopferfamilien bzw. deren Nachkommen schon wieder vom Verdrängt-zu-Werden und vom Verlust ihrer Arbeitsplätze bedroht sind.

Grazer Sozialgeschichte bleibt in der Gesinnung der Enteignung

Hier in Graz wurden seitens des früheren Ordinarius für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Othmar Pickl absolut sittenwidrig durch einen moralisch äußerst bedenklichen Mann (Robert F. Hausmann) offensichtlich bewusst mit der Absicht, die Volksreligiosität des kleinen Mannes und selbiger Frau zu unterminieren, dutzendweise Orts- und Pfarrchroniken herausgegeben, worin systematisch die Namen von oststeirischen Besitzer von Haus, Hof und Grund nach den Grundbuchseinlageblättern beim Bezirksgericht veröffentlicht, ohne all Unterschied ob es sich um rechtmäßiges österreichisches Eigentum handelt, das ehrlicherweise von der einen Generation auf die nächste übertragen worden war oder ob es sich um Raubgutnutznießen nach dem SS-Terror handelt; anscheinend um die Entschädigungsfrage zu entgehen oder gar um Widerstandsopfer einzuschüchtern.

Persönlich Erlebtes aus St. Ruprecht an der Raab

Mich wollte Robert Hausmann etwa in meinem ursprünglichen Heimatort St. Ruprecht an der Raab in Misskredit und in einen falschen Zusammenhang zu einer damaligen sehr gefährlichen SS-Mitläuferfamilie bringen, indem er lautstark ein völlig aus der Luft gegriffenen Verwandtschaftsverhältnis von mir mit jener vermeldete. Wahrscheinlich wurde er dafür protegiert, um von Gerechtigkeits- und Entschädigungsfragen abzulenken.

Die Verflechtung Graz – USA

Der Grazer Zeitgeschichteordinarius ist mit dessen beständiger Gastprofessur an der amerikanischen Universität Yale, des exklusivsten aller exklusiven Universitätsorte der Reichen und Gewaltanwendenden, viel zu sehr beschäftigt gewesen, als dass er Zeit und Muße gefunden hätte, systematisch dem Schicksal der überlebt habenden Verwandten der einfachen verschleppten und ermordeten Steirerinnen und Steirer nachzuspüren und auf geeignete Weise zu thematisieren (was leider Gottes typisch für die Wiener Geschichtsausbildung ist); bislang kamen anscheinend erst solche Opfer zu einer Entschädigung, denen es honestly nicht geniert hatte, sich mit jenen USA zu engagieren, die Österreich deren eigener Friedenskonzeption nach dem Ersten Weltkrieg zuwider an Hitler ausgeliefert hatten: In meinen Augen gesehen ist Franklin D. Roosevelt im Prinzip von der gleichen Unehrenhaftigkeit wie Benito Mussolini – und außerdem dürfte der italienische Widerstand nicht weniger effizient gewesen sein als die schwache und und vor allem viel zu späte US-amerikanische Mobilisierung gegen Hitler: erst als die USA nach dem überraschenden Angriff auf Pearl Harbour Ende 1941 vom völligen Gesichtsverlust bedroht gewesen sind, konnte Roosevelt nimmermehr umhin, doch auch ein wenig gegen den Terror der SS-Milizen einzuschreiten…

Graz, 16.3.2019, Dr. phil. Alois Rosenberger

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