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[Graz][Plurale Ökonomik] Mi 14.3. „Tag der Arbeitslosen“ Veranstaltung im Resowi von Plurale Ökonomie

Bloged in Allgemein,Diskussion by friedi Mittwoch Februar 14, 2018

Podiumsdiskussion „Tag der Arbeitslosen“: Mittwoch, 14.3.2018
im Resowi-Gebäude HS 15.05, Graz

um 19h Podiumsdiskussion Thema “Arbeitslosigkeit heute” (in Österreich)
mit Mario Matzer (AK), WKO, Prof. Margareta Kreimer (VWL), und Prof. Christian Fleck (Soziologie)
Ankündigungstext:

Ohne Lohnarbeit gibt es keinen Kapitalismus. Und ohne Lohnarbeit gibt es keine Arbeitslosigkeit. Somit gehört Arbeitslosigkeit zum Alltag des Kapitalismus und trägt somit zum funktionsfähigen Laufen der Profitmaschinerie bei. Denn die „industrielle Reservearmee“ schwächt die Verhandlungsposition der LohnarbeiterInnen und hält somit die Löhne niedrig und die Profite hoch. Diese Verhandlungsposition hat sich aus Sicht der arbeitenden Bevölkerung in Österreich in den letzten Jahren enorm verschlechtert, denn laut Statistik Austria waren seit 1945 noch nie so viele Menschen arbeitslos wie heute – weder absolut noch relativ. So waren 2016 mehr als 357 000 Menschen in Österreich arbeitslos, was einer Arbeitslosenquote von 9,1% entspricht (https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/arbeitsmarkt/arbeitslose_arbeitssuchende/arbeitslose_nationale_definition/023413.html). Abgesehen von den Jahren davor kommt nur das Jahr 1953 (mit fast 9%) an diese hohe Arbeitslosenquote heran (http://wko.at/statistik/Extranet/Langzeit/GLang-Arbeitsmarkt.pdf). Angesichts dieser systemischen und historischen Tatsachen ist es äußerst irritierend, dass die moderne Volkswirtschaftslehre in ihren entmenschlichten, mathematischen Modellen von der Annahme der Vollbeschäftigung (in ihrer technischen Sprache: von der „Vollauslastung der Produktionsfaktoren“) ausgeht.

Wir von der Pluralen Ökonomik Graz kritisieren die moderne Volkswirtschafslehre in ihrer neoliberalen Ausrichtung und somit auch deren Ignoranz gegenüber dem Phänomen der Arbeitslosigkeit in unserer Gesellschaft. Wir möchten jedoch an dieser Stelle die unmenschlichen Systemdynamiken des Kapitalismus und deren wissenschaftliche Legitimierung auf der Universität beiseite lassen und uns stattdessen auf die Bedeutung von Arbeitslosigkeit für die betroffenen Menschen konzentrieren. Somit verlassen wir die Ebene, wo Arbeitslosigkeit in Form von aggregierten Zahlen eine makroökonomische Variable darstellt – und wenden uns dem menschlichen Aspekt der Arbeitslosigkeit zu. Was bedeutet es, arbeitslos zu sein? Was bedeutet es für die einzelnen Menschen, was für die Gesellschaft? Was sind die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit? Werden Arbeitslose revolutionär und politisch aktiv? Oder werden sie passiv und apathisch?

Die Lektüre von „Die Arbeitslosen von Marienthal“ soll uns helfen diese Fragen zu beantworten und somit auch in der Gegenwart das Phänomen der Arbeitslosigkeit in unserer Gesellschaft besser zu verstehen. Wir laden euch ein mit uns gemeinsam diese klassische Studie von Marie Jahoda, Paul Felix Lazarsfeld und Hans Zeisel zu lesen und anschließend zu diskutieren. Über die Semesterferien lesen wir die Studie und veranstalten dann am 14.3. einen „Tag der Arbeitslosen“, wo wir zuerst im Rahmen eines Workshops mit Prof. Fleck vom Institut für Soziologie gemeinsam die Studie besprechen und dann in einer Podiumsdiskussion die Frage behandeln, was Arbeitslosigkeit heute bedeutet.

Wir freuen uns über eure Teilnahme!
Berni von der Pluralen Ökonomik Graz

Zusammenfassung der Diskussion [Friedi]

Die Diskussion war aus Sicht von Arbeitslosen enttäuschend.

Es wurde die Argumentationsschiene der Wirtschaft nie verlassen: Ökonomische Notendigkeit, Arbeitsmarktmechanismen die wirken, Arbeitslose durch saisonalen Bedarf, Arbeitslose durch fehlenden Qualifikation usw. usw. – sehr platt.

Auch von soziologischer Seite gab es kaum inhaltliche Bereicherung: Arbeitslosigkeit ist vielschichtig, es gibt unterschiedliche Gründe und Auswirkungen. – usw. usw.

Der AK-Vertreter versuchte zumindest einen tieferen Ursachenzusammenhang mit Macht als Erklärung aufzumachen – was sofort bestritten bzw. als kaum Zuschreibbar dargestellt wurde.

Trotz dessen, dass die Grafik der Entwicklung der Arbeitslosigkeit seit 1945 vorgeführt wurde, die seit ca. 1974 einen stetigen Anstieg von ca. 1,5% auf ca. 8,5% Arbeitslosenrate zeigt, konnte der Vertreter der WKO von saisonalen Spitzen und von unvermeidbarer Sockelarbeitslosigkeit, unbeeinsprucht argumentieren. Selbst die Wirkung des Neoliberalismus (Thatcherismus) konnte von WKO unwidersprochen abgestritten werden – sehr enttäuschend [Frie: trotz dessen, dass auch dem WKO-Vertreter die Post-Privatisierung, die VÖST-Privatisierung usw. usw. eigentlich bekannt sein müsste].

Die Wortmeldungen der von Arbeitslosigkeit Betroffenen (Aktive Arbeitslose, AMSEL) wurden teilweise zur Kenntnis genommen – aber inhaltlich kaum positiv aufgenommen oder tiefer diskutiert. Was Arbeitslosigkeit heute bedeutet war nahezu kein Thema.

Ich habe diesen meinen Eindruck, dass die Diskurshoheit zum Thema Arbeitslosigkeit, sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei dieser Diskussion, durch die rein auf ökonomischen Sicht reduzierte Darstellung, nahezu vollständig eine Sicht auf die Betroffenen verhindert und auch zu falschen soziologischen Analysen führt, auch versucht darzulegen.

Es ist in den Medien (Zeitung, Fernsehen usw.) ja ersichtlich, dass die Eliten bezüglich des so genannten Arbeitsmarktes lügen; dass Exponenten bis hinauf in höchste Regierungsspitzen die Unwahrheit sage, könnte jeder sehen, der sich mit dem Thema beschäftigt.

Als selbst betroffener aus der EDV-Branche war ich konfrontiert mit Aussagen von Landeshauptleuten, und Medienberichten, die behauptet haben, es müssen, aufgrund des großen Mangels, EDV-Fachleute aus Indien und Spanien „importiert“ werden, während gleichzeitig in Österreich 100erte dieser Fachkräfte abgebaut und in die Langzeitarbeitslosigkeit geschickt wurden. Auch wenn man berücksichtigt, dass bei Landeshauptleuten und höher hinauf Arbeitslose kein interessantes Thema sind und sie einfach sagen, was ihre Redenschreiber ihnen vorgeben – dass die Medien dies unkritisch wiederholen lässt Rückschlüsse zu. Dadurch dass die Kapitalseite auch die Medien in der Hand hat, werden die Fakten eben nicht dargestellt. Die Eliten konstruieren sich ihre Welt und schaffen die Belege dafür. Eine korrekte wissenschaftliche Aufarbeitung ist damit kaum möglich und wird, durch die fortschreitende Privatisierungen und die darauf aufbauenden Klagerechte wegen Kreditschädigung bei Aussagen Betroffener usw. immer weniger möglich.

Kurz: In der Diskussion kamen kaum Fakten vor, die über die ökonomischen Trivialitäten hinaus gingen. Ein bisschen zur Entschuldigung ist eben anzuführen, dass die wissenschaftliche Aufarbeitung auf dokumentierte Fakten aufbauen muss und diese Fakten eben passend „hergestellt“ werden.

Für die anwesenden Betroffene-Vereinigungen (AMSEL, AAÖ) war es emotional sehr schwer, dieser abgehobenen Diskussion ruhig bleibend zu folgen.

Dass es, zumindest von soziologischer Seite, auch heute noch kritischere Ansätze gäbe, zeigt Hans Jürgen Krysmanski (siehe: Krysmanski).

Graz, 15.3.2018, W.Friedhuber

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