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[AIK] Golf-Monarchien: Streit über Instrumentalisierung des Islamismus

Bloged in Allgemein von friedi Mittwoch Juni 28, 2017

Golf-Monarchien: Streit über Instrumentalisierung des Islamismus
Was uns das Zerwürfnis zwischen Riad und Doha sagen kann
von Wilhelm Langthaler
Viele sind von der Wucht des saudischen Angriffs auf ihren kleinen
Bruder Qatar überrascht – haben sie nicht alle den Jihadismus
unterstützt? Ein Blick auf den Kern des Streits kann helfen allzu simple
Erklärungsmuster zu überwinden.

Formal gesehen ist Qatar der Saud-Monarchie am ähnlichsten, denn das
Thani-Regime bekennt sich offiziell ebenfalls zum Wahabismus, was für
die anderen Golfdiktaturen nicht gilt. Doch gerade diese scheinbare
Übereinstimmung ist hilfreich um zu verstehen, dass der
ideologisch-konfessionelle Faktor trotz allem für die Sauds nicht der
entscheidende ist.

Die Saud-Monarchie ist – neben Israel – die wichtigste Stütze der von
den USA geführten globalen Ordnung in der Region. Der Arabische Frühling
war akutes Zeichen deren Brüchigkeit. Die Sauds kennen da nur eine
Sprache – hau drauf, direkte Repression. Sie sind die offenen Feinde
jeglicher demokratischen und linkssäkularen Bestrebungen, aber eben auch
jeder Infragestellung des monarchischen Prinzips und sei es durch
islamische Massenbewegungen.

Bestes Beispiel dafür ist der Militärputsch General Sisis in Ägypten
2013 gegen die Muslimbrüder, die durch Wahlen an die Regierung gekommen
waren. Hauptunterstützer des blutigen Coups von außen war das Haus Saud,
ungeachtet der Tatsache, dass die Militärs als säkular gelten und die
Muslimbrüder als Inkarnation des Politischen Islam.

Die USA unter Obama waren da vorsichtiger. Sie sahen die Notwendigkeit
von Reformen, um den rachitischen Regimen wieder etwas Blut zuzuführen,
ihre verlorene Massenbasis wiederherzustellen. Washington wollte die
Muslimbrüder oder ähnliche Kräfte einbinden – um Revolutionen zu
verhindern, nicht um sie zu fördern. Nicht nur den Sauds passte das gar
nicht, sondern auch viele Linke sahen in den Muslimbrüdern das Werkzeug
des Imperialismus gegen die alten Regime, die sich gerne auf eine
antikoloniale Vergangenheit bezogen.

Genau hier liegt die ausschlaggebende Differenz zu den Herrschern von
Qatar, den Thanis. Seitdem der Herrscher vor zwei Jahrzehnten seinen
Vater weggeputscht hat, setzt der Scheich in seiner Außenpolitik auf
islamische Strömungen einschließlich des Massenelements. Daher haben sie
konsequent die Muslimbrüder unterstützt und der Hamas den Rücken
gestärkt. (Die Sauds haben seit dem Ende der UdSSR keine Unterstützung
mehr gewährt und quietistische Strömungen des Salafismus bevorzugt.) Die
Taliban unterhalten in Doha ihre einzige offizielle Vertretung außerhalb
Afghanistans. Auch diverse Jihadisten-Gruppen zählen zu ihren
(Gesprächs-)Partnern. Zudem kommt ein liberalerer Zugang zum Medien-,
Ideologie- und Kulturapparat, dessen bekanntester Ausdruck der Sender Al
Jazeera ist. Mit ihm konnten weite Teile der Bevölkerung in der ganzen
arabischen Welt angesprochen werden. Er wurde so zur politischen Waffe
in der Hand des Monarchen, vor dem die Kritik natürlich Halt machen muss.
Ganzer Text:
http://www.antiimperialista.org/de/content/golf-monarchien-streit-%C3%BCber-instrumentalisierung-des-islamismus

Antiimperialistische Koordination
aik@antiimperialista.org
www.antiimperialista.org/de

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