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Staustufe Graz Puntigam – die ist doch vernünftig !?

Bloged in Allgemein von friedi Sonntag Juni 25, 2017

Im Bekanntenkreis werde ich immer wieder mit der Aussage konfrontiert,  man kann doch nicht gegen die Staustufe Puntigam sein! Strom aus Wasserkraft ist doch ein nachhaltiges Konzept! Auch die Propagandamaschinerie des „Bauwirtschaftsbürgermeister“ Nagl setzt auf diese Argumentationskette – und zeigt, dass sie in der anscheinend zeitgemäßen Argumentation auf ein Konzept von übervorgestern setzt.
Ich verstehe diesen Standpunkt. Bgm. Nagl setzt auch genau bei diesem „vernünftigen“ Standpunkt an und setzt seine Propagandamaschinerie darauf auf. Basierend auf einer schlecht informierten Öffentlichkeit, die zudem durch jede Menge anderer Probleme überlastet ist, sowie Millionen an Steuergeld für Werbung für das Kraftwerk bewahrheitet es sich leider, dass Propaganda wirklichkeitsverändernd wirkt. Propaganda muss eben einfach und klar sein, dann wird sie als Wahrheit geglaubt. Darlegung von alternativen Fakten führt in die Komplexität und wirkt dadurch nicht glaubhaft (Was sind die wahren Kosten? Welche Folgewirkungen wird es geben? Wie ist die Rentabilitätsrechnung? Was ist mit der Stadtverschuldung? Woher kommen plötzlich die Investitionsgelder? Wie ist die Umwegrentabilität?).
Daher: möglichst wenig Fakten immer wider nennen – nur positives für sich und Gegner emotionale Diffamieren – das wirkt.
Wenn den Kraftwerksgegnern Spekulationsinteressen vorgeworfen werden so sind diese Interessen eher bei Bgmst. Nagl und seinen Freunden zu sehen. Durch den Kraftwerksbau und durch den Speicherkanal entsteht ein weiteres „Schwarzl-Freizeit-Areal“ – also eine – in diesem Fall ehemals öffentliche – Fläche, auf der man mit Hund und Rad und Kind spazieren durfte – danach: mit hoher Wahrscheinlichkeit nur mehr gegen Eintritt (siehe Schwarzl-Ressort: das waren auch einmal Schottergruben, die an der Grenze der Legalität im geschützten Grundwasserstrom unter den Grundwasserspiegel gebaggert wurde, dann als Badesee genehmigt wurde und nun touristisch verwertet wird – siehe auch die Verfüllung mit Müll.)
Aber natürlich: Gegen das Kraftwerk Puntigam zu sein, ist ökonomisch-nicht-rational — wohl aber ökologisch-emotional-rational. Der Unterschied der Rationaliätsbewertung kommt aus der Nutzendefinition: Natürlich profitiert vom Kraftwerk und von der Murumgestaltung jemand (Bauwirtschaft, Gastronomie, Pachtwesen, Immobilien-Spekulation) – aber natürlich zahlt auch jemand d’rauf (Stadtbevölkerung, Spaziergänger, Steuerzahler). Die vielgelobte „Win-Win-Situation“ gibt es nur in Propagandablättern!
Mitten in einer Stadt wie Graz einen Stausee anzulegen verändert das Stadtklima im Sommer garantiert! Mit ziemlicher Sicherheit wird es wärmer, schwüler und – auch von der Gelsenplage – tropischer – und: ohne Speicherkanal wird die Geruchsbelästigung steigen.
Zudem verändert ein Stausee in der Stadt die Grundwasserverhältnisse im Kanalsystem (der „Entlastungskanal“ soll ja die ärgsten Schäden verhindern – auf Steuerzahlerkosten).
Was hier läuft, ist ein Bau-Mafia-Projekt: Das Kraftwerk wird sich durch seine Folgeschäden nie rechnen – aber durch Tricks sind die Kosten so verteilt, dass das nicht auf den ersten Blick auffällt. Nagl und sein Anhang bringen hier die Grazer Bürger in einen Leistungszwang, der – wie auch schon bei den Straßenbahnen erprobt – laufend immer teurere Folgeprojekte erzwingt (Kanalumbau, Sanierungsmaßnahmen im Stausee usw.).
Graz hat das Glück gehabt, dass in den letzten 60-Jahren mitten in der Stadt die Murufer mit einer kleinen Au gesegnet wurden. Die frei fließende Mur mit ihrer kleinen Au mitten in der Stadt ist ein Kleinod, dass, wenn es einmal zerstört ist, vermutlich wieder 100 Jahre benötigt, um es herstellen zu können. Demgegenüber ist das bisschen Strom das das Kraftwerk erzeugen wird und das mit enormen Folgeschäden für die städtische Infrastruktur und für das Stadtklima, eine reine Negativbilanz.
Natürlich: Graz wird es überleben – es wird halt im Sommer um 2 bis 3 Grad wärmer werden, ein bisschen mehr Gelsen und etwas stickigere Luft – aber, in 15 Jahren, wenn die nächste Generation das Sagen hat, wird das ohnedies als normal gelten – und dann kann man wieder ein teures Rückbauprogramm starten – also vom wirtschaftlichen Standpunkt aus: ideal und ohne Nebenwirkungen.
Also: Ökonomisch-rational, durch Verteilung und Verschleierung der Kosten und Verweigerung einer Return-of-Invest (ROI) -Darlegung für das Gesamtprojekt kann, durch intensive Propaganda, ein Vernunftsgrund konstruiert werden – vor allem für internationale Spekulanten die nicht in Graz leben müssen und für die Gastronomiebetriebe die saisonal Gewinn erwirtschaften können aber nicht an den Kosten adäquat beteiligt sind (Stromhandel, Saisonpacht; analog zu den Freizeitressorts).
Betrachtet man das Gesamtbild und auch das was die Grazer an freien Erholungsraum verlieren, so ist das Projekt der reine Wahnsinn für die Grazer Bürgerinnen und Bürger (und Hunde und Flora und sonstige Fauna; noch dazu, wo die ähnliche Bauwut zur Zeit auch die anderen Grünräume in Graz zerstört).

Trotzdem muss man der Propagandakampagne der Stadt und ihrer Betriebe gerade deswegen Achtung zollen: sie schaffen es, selbst gebildete Menschen von großen Unsinn zu überzeugen .. und das in Zeiten, wo die Klimaerwärmungspropaganda ansonsten auf vollen Toure läuft.
Herr Nagl will mit seinem Krämerhorizont das Beste aus Graz herausholen – geht aber nach einem Konzept von übervorgestern vor.

Graz, 25.6.2017, W.Friedhuber

PS.: Eigentlich will ich nicht wahr haben, dass Propaganda eine so tiefgreifende Wirkung haben kann – die Alternative zur Wirkung von Propaganda wäre aber, dass die Grazer (und Steirer?) in ihrer Mehrheit einen Geisteshorizont wie vor 300 Jahren haben: bringt ma jo wos – und die Aundan san ma wurscht – was ich niemand unterstellen will. Aber: Irgendeine Erklärung muss es ja geben, dass die ÖVP in der Februarwahl sogar noch zulegen konnte!

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